Wasserwerk Armenhof: Kreistagsfraktion von Grünen und Volt informiert sich über Trinkwasserversorgung

Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen / Volt zu Besuch im Wasserkraftwerk Armenhof. Foto: Grüne Kreistag / Volt

Das Wasserwerk Armenhof wird vom Zweckverband Gruppenwasserwerk Vorderrhön betrieben und sichert die Trinkwasserversorgung von zehn Ortschaften in den Gemeinden Dipperz, Hofbieber, Künzell und Petersberg. Am 26. Oktober informierte sich die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Volt vor Ort über die technischen Betriebsabläufe, die örtliche Wasserqualität und die anstehenden Aufgaben in der Wasserversorgung. Durch die Anlage führten Markus Goldbach vom Tiefbautechnischen Büro Köhl aus Fulda sowie Fee Goldbach, die als einzige verantwortliche Fachkraft für Wasserversorgung im Zweckverband tätig ist.

Die Tiefbrunnen in den hiesigen Buntsandstein-Gebieten fördern weiches Wasser ohne Kalkgehalt, das ohne umfangreichere Aufbereitungsmaßnahmen genutzt werden kann. Vor Ort stehe den Bürgerinnen und Bürgern echtes Spitzentrinkwasser zur Verfügung, betonte Markus Goldbach. Gespeichert wird das geförderte Wasser in mehreren Hochbehältern in der Umgebung. Deren Speichervolumen ist bedarfsgerecht auf den Verbrauch eines Tages ausgelegt, wobei zusätzlich stets eine feste Reserve für die Löschwasserversorgung bereitgehalten werden muss. Die Aufbereitung erfolgt in zwei Schritten: Durch die Zugabe von Sauerstoff wird zunächst die enthaltene Kohlensäure ausgegast, bevor das Wasser anschließend ein natürliches Filtermaterial aus halbgebranntem Dolomit durchläuft.

Während des Rundgangs erhielt die Delegation Einblicke in die Komplexität der Anlage und das erforderliche Erfahrungswissen hinter den täglichen Abläufen. Während das Aufdrehen des Wasserhahns im Alltag meist selbstverständlich erfolgt, erfordert die zuverlässige Bereitstellung rund um die Uhr einen kontinuierlichen Aufwand. Fee Goldbach erläuterte, dass die regulären Arbeitsabläufe gut beherrschbar seien, unvorhergesehene Rohrbrüche und Wasserverluste die Suche nach den Ursachen jedoch oft zu einer echten Detektivarbeit machten. Dies zieht regelmäßige Bereitschaftsdienste und kurzfristige Einsätze nach sich, was auch als wesentliche Ursache für den spürbaren Fachkräftemangel in der Branche gilt. Die Fachkraft verwies darauf, dass man die anfallenden Aufgaben gut zu dritt bewältigen könnte, Bereitschaftsdienste und ungeplante Arbeitszeiten den Beruf jedoch trotz einer guten Vergütung für viele Interessierte unattraktiv machten.

Eine weitere Belastung stellen in die Jahre gekommene und brüchig werdende Rohrleitungen dar. Auch die heute überwiegend verbauten PE-Rohre bereiten dann Schwierigkeiten, wenn sie nicht fachgerecht in ein Sandbett verlegt wurden. In der Praxis führt dies zu gehäuften Rohrbrüchen und Wasserverlusten, die bis zu 20 Prozent der gesamten Wassermenge erreichen können.

Für die Zukunft stehen die Wasserversorger vor vielfältigen Aufgaben. Dazu gehören häufigere und längere Trockenperioden, ein verändertes Verbrauchsverhalten durch die intensive Gartenbewässerung oder private Pools sowie das Risiko von Wasserknappheit beim Ausfall einzelner Anlagenkomponenten. Hinzu kommen die notwendige Erneuerung der Leitungsnetze, der Fachkräftemangel und die Pflicht, die Versorgungsstrukturen gegen externe Störungen, Stromausfälle oder Sabotageakte abzusichern.

Thematisiert wurde bei dem Besuch auch der frühere sogenannte Wasserpfennig. Die 1992 von der damaligen rot-grünen Landesregierung eingeführte Abgabe auf die Entnahme von Grund- oder Oberflächenwasser hatte seinerzeit finanzielle Anreize für einen sparsamen Umgang mit der Ressource gesetzt und die Finanzierung kommunaler Maßnahmen ermöglicht, unter anderem auch die Modernisierung des Wasserwerks in Armenhof. +++


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