Neues Frauenhaus im Vogelsbergkreis eröffnet: Sozialministerin Hofmann übergab Förderbescheid

Simone Häcker, die Leiterin des Frauenhauses, führt Sozialministerin Heike Hofmann, den Ersten Kreisbeigeordneten Patrick Krug und den Leiter des Amtes für Soziales und Ausländerrecht, Rene Lippert (von links), durch das Haus und zeigt ihnen unter anderem dieses noch nicht bezogene Appartement. Foto: Sabine Galle-Schäfer

Während in Deutschland nach amtlichen Zahlen jährlich mehr als 250.000 Menschen Opfer von häuslicher Gewalt werden, gibt es im Vogelsbergkreis nun wieder eine zentrale Anlaufstelle: Mit dem Besuch der hessischen Sozialministerin Heike Hofmann wurde das neu geschaffene Frauenhaus im Kreisgebiet inoffiziell eröffnet. Die Ministerin reiste nicht mit leeren Händen an, sondern überreichte einen Zuwendungsbescheid des Landes Hessen in Höhe von 140.000 Euro, der für die Innenausstattung der Räumlichkeiten bestimmt ist.

Hofmann betonte während ihres Besuchs, dass hinter jeder einzelnen statistischen Zahl in den Kriminalakten Frauen und Kinder stehen, die oft über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg Gewalt erleiden mussten und denen ein unbeschwertes Leben verwehrt blieb. Der Ausbau der Schutzmaßnahmen sei daher zwingend erforderlich. Sie zeigte sich erleichtert darüber, dass die Schutzlücke im Vogelsbergkreis nun geschlossen werde, da eine eigene Einrichtung vor Ort längst überfällig gewesen sei. Gewaltprävention und Opferschutz seien für sie ein persönliches Herzensanliegen und ein wesentlicher Schwerpunkt der hessischen Landesregierung, die ihre Fördermittel dafür angehoben hat. Auch der Bund hat mit dem Gewalthilfegesetz die rechtliche Grundlage für einen individuellen Anspruch auf Schutz und Beratung bei geschlechtsspezifischer sowie häuslicher Gewalt auf den Weg gebracht. Die Umsetzung dieses Gesetzes, das zum 1. Januar 2032 in Kraft treten soll, obliegt den Bundesländern. Hofmann erklärte, Hessen nehme diese Verpflichtung sehr ernst. Ihr fester Plan und Wille sei es, die Kapazitäten und Netzwerke bestmöglich auszubauen, damit jede hilfesuchende Frau und jedes Kind verlässlichen Schutz erhalte. Dies stelle einen personellen und finanziellen Kraftakt dar, der nur in gemeinsamer Verantwortung mit den lokalen Trägern und Fachkräften bewältigt werden könne.

Der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Patrick Krug rief die schwierige Vorgeschichte der vergangenen Jahrzehnte in Erinnerung. Rund 20 Jahre lang habe im gesamten Vogelsbergkreis kein Frauenhaus existiert, sodass man kontinuierlich auf die Hilfsbereitschaft und Solidarität der benachbarten Landkreise angewiesen gewesen sei. Mit der Fertigstellung des Hauses schließe sich diese strukturelle Lücke, wodurch zugleich die Richtlinien der Istanbul-Konvention – dem Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt – auf Kreisebene umgesetzt werden. Betroffene, die vor akuter Bedrohung und Übergriffen fliehen müssen, fänden nun wieder im Landkreis ein angemessenes Hilfs- und Betreuungsangebot für ihre Notlage. Krug hob hervor, dass der Landkreis dieses Projekt nicht im Alleingang realisieren konnte. Als verlässlicher Partner übernahm das Haus am Kirschberg beziehungsweise dessen Trägerverein „Hilfe für das verlassene Kind“ die Trägerschaft. Aufgrund der bereits etablierten Kooperation in anderen Tätigkeitsbereichen sei von Anfang an festgestanden, dass man das Projekt gemeinsam zum Erfolg führen werde. Im Vogelsberg gebe es fortan nicht nur eine funktionale Zuflucht, sondern die konkrete Perspektive auf einen Neuanfang und ein besseres Morgen.

Einblicke in die Situation der Betroffenen gab Simone Häcker, die Leiterin des neuen Frauenhauses. Zwar bringe jede Frau ihr eigenes Schicksal mit, viele verbinde jedoch die fundamentale Erfahrung, dass das eigene Zuhause, das Schutz und Geborgenheit bieten sollte, zu einem Ort der ständigen Bedrohung und Angst geworden sei. Häcker unterstrich, dass häusliche Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem darstelle, das sämtliche Bevölkerungskreise betreffe und weder vor Altersgrenzen noch vor Bildungsständen oder Einkommensschichten halt mache. Da die Dunkelziffer enorm hoch sei und Schamgefühle viele Frauen davon abhielten, externe Hilfe zu suchen, brauche es zwingend leicht zugängliche Anlaufstellen, aktive Präventionsarbeit und eine ausreichende Anzahl an Unterbringungsplätzen. Jeder schutzsuchenden Frau müsse zu jedem Zeitpunkt ein sicherer Ort offenstehen.

Die neue Unterkunft im Kreis bietet insgesamt 20 Schutzplätze für Frauen und deren Kinder. Konzeptionell setzt das Haus auf abgeschlossene Wohneinheiten, die den Schutz der Privatsphäre gewährleisten und gleichzeitig Räume für gemeinsame Aktivitäten und den gegenseitigen Austausch bieten. Wie Einrichtungsleiterin Häcker darlegte, stärkt diese Wohnform die Eigenständigkeit der Frauen und erleichtert es ihnen, die internen Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen. Das Aufgabengebiet des Hauses gehe weit über das Bereitstellen von Wohnraum hinaus: Das Hilfsangebot reicht vom ersten telefonischen Kontakt und der Krisenintervention über sozialpädagogische Beratung bis hin zur praktischen Begleitung bei Behördengängen sowie bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche. Ziel sei es, den Frauen Orientierung zu geben, Handlungsoptionen aufzuzeigen und ihnen den Übergang in ein eigenständiges, gewaltfreies Leben zu ermöglichen. Ein eigener, zentraler Schwerpunkt der täglichen Arbeit liege zudem auf der Betreuung und Unterstützung der mitgekommenen Kinder. +++


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*