90 Jahre WEMAG: Fuldaer Familienunternehmen blickt auf neun Jahrzehnte Unternehmensgeschichte

Foto: privat

Das Fuldaer Familienunternehmen WEMAG begeht im Jahr 2026 sein 90-jähriges Bestehen. Was am 5. Mai 1936 mit der Gründung der WEMAG Werkzeug- und Maschinengesellschaft durch den Kaufmann Adolf Ruland in Fulda begann, hat sich über vier Generationen hinweg zu einem international vernetzten Handels- und Industriepartner entwickelt. Heute beschäftigt die WEMAG GmbH & Co. KG mehr als 200 Mitarbeiter an sechs deutschen Standorten und führt ein Sortiment von rund fünf Millionen Artikeln. Die Historie des Unternehmens veranschaulicht zugleich die Entwicklung des deutschen Mittelstands, der maßgeblich von langfristig orientierten Familienunternehmen getragen wird, die Verantwortung übernehmen und ihre Geschäftsmodelle fortlaufend an veränderte Marktbedingungen anpassen.

In den vergangenen neun Jahrzehnten begleitete das Unternehmen wirtschaftliche Umbrüche, technologische Entwicklungen sowie den strukturellen Wandel in Industrie und Handwerk. Die personelle Kontinuität spiegelt sich in den Führungswechseln wider: Bereits 1948 übernahm Helmut Schaus, der Schwiegersohn des Gründers, die Geschäftsführung. Ihm folgte 1972 dessen Sohn Joachim Schaus, der die Expansion des Betriebs über Jahrzehnte hinweg vorantrieb. Im Jahr 2004 stieg mit Christopher Schaus die vierte Generation in das Unternehmen ein. Seit 2010 gehört er der Geschäftsführung an, ehe ihm sein Vater im Jahr 2018 symbolisch den Firmenschlüssel übergab. Der kontinuierliche Ausbau der Tätigkeitsfelder führte zum Aufbau von Niederlassungen in Fulda, Aschaffenburg, Bochum, Kassel, Siegen und Zella-Mehlis. Zudem spannt ein Netzwerk aus mehr als 30 Handelsvertretern und Partnern den Bogen von Europa über den Nahen Osten bis nach Afrika und Asien.

Parallel zur räumlichen Expansion veränderte sich das Leistungsspektrum. Während der klassische Werkzeug- und Maschinenhandel über Jahrzehnte den Schwerpunkt bildete, deckt das Portfolio heute neben Werkzeugen, Maschinen, Betriebseinrichtungen und Arbeitsschutz auch Dienstleistungen für industrielle Beschaffungs- und Produktionsprozesse ab. WEMAG unterstützt Betriebe bei der Technologieauswahl, konzipiert individuelle Versorgungslösungen und bindet digitale Bestellsysteme direkt in die betrieblichen Abläufe der Kunden ein. Damit geht die Zusammenarbeit vielerorts über eine reine Lieferantenbeziehung hinaus.

Deutlich wird dieser Schwerpunkt im Geschäftsbereich E-Business, der am Standort Siegen eine praxisnahe Demonstrationsumgebung in Form einer eigenen E-Fabrik betreibt. Industriekunden können dort moderne Ausgabeautomaten, digitale Lager- und Versorgungssysteme sowie Lösungen für die automatisierte Materialbeschaffung im Betrieb kennenlernen. Zum Leistungsspektrum gehören elektronische Beschaffungsplattformen, E-Procurement, Werkzeugmanagement und maßgeschneiderte Logistikkonzepte, mit denen Unternehmen ihre Materialversorgung transparenter gestalten, Bestellprozesse vereinfachen und administrativen Aufwand senken. Das Modell des Handels entwickelt sich damit zunehmend in Richtung einer Begleitung industrieller Wertschöpfungsprozesse.

Wie eng diese Verflechtung in der Praxis ist, zeigen langjährige Kundenbeziehungen. Gemeinsam mit dem international tätigen Maschinenbauer Trützschler entwickelte WEMAG einen unternehmensspezifischen digitalen Beschaffungsprozess, der Bestellungen, Disposition und interne Prozesse spürbar vereinfachte. Dabei übernimmt WEMAG Aufgaben, die unmittelbar in die Logistik- und Beschaffungsstruktur des Kunden integriert sind. Vergleichbare Partnerschaften bestehen mit Betrieben aus Industrie, Handwerk und Bauwirtschaft, getragen von technischem Fachwissen, persönlicher Betreuung und Prozesskompetenz. Ein Beleg für langfristige Verlässlichkeit zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit der Josef Wiegand GmbH & Co. KG, einem Hersteller von Freizeit- und Erlebnisanlagen: Beide Firmen arbeiten seit 46 Jahren zusammen, wobei Wiegand über 44 Jahre hinweg von demselben Außendienstmitarbeiter betreut wurde.

Übernahmen trugen ebenfalls zur Erweiterung des Leistungsangebots bei. Seit 2024 verfügt WEMAG über einen eigenen industriellen Produktionsbereich: Die übernommene Fertigung in Fulda firmiert heute als WEMAG Metallbearbeitung und bearbeitet auf rund 10.000 Quadratmetern anspruchsvolle Maschinenbauteile für Einsatzbereiche vom klassischen Maschinenbau bis hin zur Automobil- und Luftfahrtindustrie. Im Jahr 2025 setzte das Unternehmen seine regionale Expansion mit dem Erwerb des Werkzeughändlers Werkzeug Weber in Aschaffenburg fort.

Die künftige Ausrichtung wird maßgeblich durch technische Modernisierungen geprägt. Eine Schlüsselrolle kommt dem 2005 eröffneten Waren- und Logistikzentrum zu, das seither fortlaufend erweitert wurde und täglich rund 1.000 Pakete versendet. Um den steigenden Anforderungen an Sortimentsbreite, Liefergeschwindigkeit und Kundenversorgung gerecht zu werden, treibt WEMAG die Automatisierung voran. Moderne Verpackungstechnologien, digitale Steuerungen und perspektivisch robotergestützte Kommissioniersysteme sollen die Leistungsfähigkeit steigern und das Personal entlasten. Die räumlichen Voraussetzungen dafür schafft ein geplanter Standortwechsel innerhalb von Fulda.

Für Christopher Schaus bildet die Veränderungsbereitschaft eine zentrale Säule der Firmenphilosophie. Der geschäftsführende Gesellschafter sieht in Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Robotik und moderner Logistik wesentliche Zukunftsfelder, in die gezielt investiert werden soll. Gleichzeitig sollen mittelständische Stärken wie kurze Entscheidungswege, persönliche Kontakte und flexible Kundenlösungen erhalten bleiben.

Getragen wird die Entwicklung von einer langjährigen Mitarbeiterbindung. Betriebszugehörigkeiten von 30, 40 oder 50 Jahren prägen das Unternehmen ebenso wie Fachkräfte, die einst als Auszubildende bei WEMAG begonnen und später Geschäftsfelder aufgebaut haben. Um dieses Erfahrungswissen für die Zukunft zu sichern, bildet das Unternehmen in kaufmännischen, logistischen und technischen Berufen aus, darunter Groß- und Außenhandelsmanagement, E-Commerce, IT-Systemmanagement, Fachkraft für Lagerlogistik sowie Industrie- und Zerspanungsmechanik. Die Nachwuchskräfte lernen so traditionelle Grundlagen des Handels und der Fertigung ebenso wie digitale Geschäftsprozesse kennen.

Im Bereich Nachhaltigkeit betreibt das Unternehmen auf dem Areal der Fuldaer Metallbearbeitung eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von knapp 750 Kilowatt Peak. Die Anlage liefert jährlich rund 776.000 Kilowattstunden Strom, der unter anderem für die wachsende betriebliche Elektrofahrzeugflotte genutzt wird. Für seine Leistungen in diesem Bereich wurde WEMAG 2025 mit der EcoVadis-Silbermedaille ausgezeichnet und zählt damit zu den besten 15 Prozent der erfassten Unternehmen. Zudem engagiert sich der Betrieb gesellschaftlich: Mehr als 100 Vereine, Initiativen und Organisationen an den Standorten werden mit Spenden, Sponsoring und Sachleistungen in den Bereichen Sport, Bildung, Inklusion und Soziales unterstützt. Als Mitglied der Ethik Society betrachtet das Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg, ökologisches Handeln und gesellschaftlichen Beitrag als zusammenhängende Aufgaben.

Zum 90-jährigen Bestehen würdigte auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein den Weg des Familienunternehmens. In einem Grußwort hob er die Rolle von WEMAG für Beschäftigung, Innovation und Wertschöpfung hervor und nannte den Betrieb ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Mittelstands. Das Firmenjubiläum fällt mit dem 80. Geburtstag des Landes Hessen zusammen. Für WEMAG bildet der Rückblick auf die Entwicklung von 1936 bis 2026 den Ausgangspunkt, um die gewachsene Unternehmenskultur mit neuen Technologien zu verknüpfen und den Betrieb auf künftige Herausforderungen auszurichten. +++


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