Jahresempfang der Sparkasse: Zwischen Rückblick, Zuversicht und der Frage nach dem guten Leben

Sparkasse fdje

Die Fuldaer Orangerie bot am gestrigen Abend einmal mehr den festlichen Rahmen für den turnusmäßigen Jahresempfang der Sparkasse Fulda. Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft sowie zahlreiche Kundinnen und Kunden waren der Einladung des Kreditinstituts gefolgt. Die Begrüßung oblag wie in jedem Jahr, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Fulda, Uwe Marohn, der auf die inzwischen 40. Ausgabe des Veranstaltungsformats und damit auf „ein kleines Jubiläum“ hinwies.

Normalerweise, so Marohn, erwiesen sich 50. oder 100. Jubiläen als ehrwürdig feierwürdig, doch die kürzlich stattgefundene 20. Ausgabe der RhönEnergie Challenge hätte eindrucksvoll bewiesen, dass man auch Jubiläen feiern könne, die „nicht ganz rund“ seien. Mit einem Augenzwinkern merkte Marohn an, dass wohl weder er selbst noch sein Vorstandskollege Horst Habermehl das 50. Jubiläum in ihrer jetzigen Funktion erleben würden.

Uwe Marohn erinnerte am Dienstagabend im Beisein von über 700 Geladenen an die Anfänge des erfolgreichen Veranstaltungsformats. Demnach habe der erste Jahresempfang in Fulda am 11. Januar 1995 stattgefunden. Als Hauptredner konnte damals der Publizist Pater Dr. Heinrich Basilius Streithofen aus Bonn gewonnen werden, der zum Thema „Optimismus notwendig“ sprach. Ein Titel, der, wie Marohn anmerkte, erstaunlich gut in die heutige Zeit passe.

Im Laufe der Jahrzehnte habe sich ein breites Spektrum an Gästen und Themen entwickelt. Referenten aus Wirtschaft, Gesundheit, Sport und Ethik hätten ebenso ihren Platz gefunden wie gesellschaftliche Fragestellungen. Besondere Erinnerungen verbinde er mit dem Jahr 2014, als im Rahmen des 225. Jubiläums der Sparkasse Klaus Maria Brandauer zu Gast gewesen sei. Brandauer spielte damals im Schlosstheater Shakespeares „Sommernachtstraum“ – für viele Besuchende war dies „ein außergewöhnlicher Abend.“

Mit sichtbarer Zufriedenheit hob Marohn hervor, dass die Veranstaltungen in der Regel bereits nach kurzer Zeit ausgebucht gewesen seien. Bemerkenswert sei dabei stets auch die hohe „Abmeldedisziplin“ der Gäste gewesen. Wer wegen Krankheit oder anderer Gründe verhindert gewesen sei, habe rechtzeitig abgesagt, sodass andere Interessierte nachrücken konnten. Gerade diese Verlässlichkeit wertete Marohn als Ausdruck der besonderen Verbundenheit mit dem Format.

Nach der Pandemie habe es durchaus Überlegungen gegeben, ob der Jahresempfang in dieser Form weiterhin Bestand haben könne. Der Vorstandsvorsitzende verwies dabei auch auf andere Häuser, die vergleichbare Veranstaltungen inzwischen eingestellt hätten. Die Gründe seien vielfältig – steigende Kosten ebenso wie ein rückläufiges Interesse. In Fulda jedoch stelle sich die Situation anders dar. Das Interesse sei nach wie vor ungebrochen, betonte er. Deshalb sei er zuversichtlich, dass auch kommende Generationen das Format weiterführen würden – mit dem 50. Jubiläum bereits am Horizont.

Zugleich nutzte Marohn den Abend, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sparkasse für ihren Einsatz zu danken. Ohne deren Engagement, so wurde deutlich, wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht denkbar. Ein besonderes Dankeschön galt an dieser Stelle Richard Hartwig, der bei der Sparkasse Fulda den Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, für seinen leidenschaftlichen Einsatz der langfristigen Planung und Organisation der Jahresempfänge. Demnach gelte das Credo „Nach der Veranstaltung ist vor der Veranstaltung.“

Nicht nur bei der Auswahl des diesjährigen Musikacts, der von der aus Freiburg stammenden fünfköpfigen A-capella-Pop-Band „Anders“ gestaltet wurde, setzte die Sparkasse Fulda in ihrer Jubiläumsausgabe erstmals neue Akzente, sondern auch beim diesjährigen Vortragsthema. „Heute Abend soll es einmal nicht um die große, weite Welt mit ihren Veränderungen, Verwerfungen, Krisen und Konflikten gehen. Stattdessen stellen wir heute etwas zur Diskussion, das in der einen oder anderen Weise vermutlich jeden von uns beschäftigt: Die Frage nach dem, was wir ganz persönlich vom Leben erwarten“, so Marohn.

Wollen wir dem Leben mehr Jahre geben oder den Jahren mehr Leben? Am besten beides werden sicherlich viele von Ihnen antworten. Wer wünscht sich nicht ein möglichst langes Leben bei allerbester Gesundheit. In den letzten Jahren haben sich mit „Longevity“, was übersetzt „Langlebigkeit“ meint, ein besonderer Begriff dazu ausgeprägt. Mittlerweile habe sich dazu ein milliardenschwerer Wirtschaftstrend aus den Bereichen Medizin, Sport und Ernährung entwickelt.

Als Gastrednerin des gestrigen Abends fungierte mit Professorin Dr. Alena Buyx eine renommierte Medizinethikerin und Wissenschaftlerin. Professorin Alena Buyx ist vollapprobierte Humanmedizinerin mit weiteren Abschlüssen in Philosophie und Soziologie. Ihre Habilitation erlangte sie 2013. Bevor sie ihre Professur Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München antrat, war sie Professorin für Medizinethik an der Universität Kiel. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Professorin Buyx in der Corona-Pandemie als Mitglied des Deutschen Ethikrates bekannt, dessen Vorsitzende sie in den Jahren 2020 – 2024 war.

Nach der Medizinethikerin gebe es hunderttausende Studien, die sich mit dem Ausspruch „Eat food. Not too much. Mostly Plants“ zusammenfassen lassen. Der Satz prägte einst der US-amerikanische Journalist und Buchautor Michael Pollan, der sich nach Aussagen von Professorin Buyx selbst intensiv mit dem Thema Ernährung beschäftigte. Nach der Humanmedizinerin sei dies die Formel, auf die man sich heute verständigt hat, um langfristig ein weitestgehend gesundes und beschwerdefreies Leben zu führen. Und hierbei sei es unerheblich, ob man über gute Gene verfüge. Diese spielten tatsächlich eine eher untergeordnetere Rolle. Professorin Dr. Alena Buyx: „Es gibt eine Studie, die besagt, dass wenn Sie mit 80 Jahren ihre Ernährung von einer deutschen Standardernährung auf eine solche, überwiegend mediterrane Ernährung umstellen, Sie immer noch drei gesunde Lebensjahre im Schnitt dazugewinnen. Wenn Sie also 40 Jahre sind, gewinnen Sie im Schnitt 18 gesunde Leben dazu.“

Parameter, die hier herangezogen werden und inzwischen auch vielfach wissenschaftlich belegt sind, sind: Ausreichend Schlaf und Bewegung, ein gutes Stressmanagement, wenig bis gar keinen Alkohol, nicht Rauchen, Soziale Beziehungen, ein Leben lang neugierig bleiben (Neugier lernen) und für sich sinnstiftende Tätigkeiten verrichten. „Wenn es uns gelingt, diese Dinge in unsere Lebenspraxis zu etablieren, dann haben wir die Evidenz, die uns dazu führen könnte, dass das lange Leben auch genauso lange und gesund ist“, so die Medizinerin, die diese These mit dem Schlag „Prävention“ unterfütterte. „Longevity ist im Grunde nichts anderes als Prävention.“

Leider hätten wir uns als Gesellschaft dazu entschieden, uns diese Dinge so schwer wie möglich zu machen. Als Grund führte die Humanmedizinerin an, dass sich unsere Ernährungsumgebungen verändert hätten und damit auch unsere Mobilität. „Wir machen uns heute immer weniger die Mühe, raus in die Natur zu gehen, um Leute zu treffen. Warum auch? Es lässt sich heute dank der Digitalisierung ja alles bequem vom Sofa aus erledigen“, so Professorin Buyx. „Die Digitalisierung hat unser Leben verändert“, stelle die Medizinethikerin sowie selbst Tech-Begeisterte heraus. Und weiter: „Ich glaube, wir sind gesellschaftlich nicht hinterhergekommen, was die Effekte anbelangt, die u.a. die Digitalisierung, und insbesondere die Nutzung von Smartphones auf uns gehabt hat.“

Nach der Professorin baut ein gutes Leben auf einem langen Leben auf und auf allen Errungenschaften, die wir uns als Gesellschaft gegeben haben. „Jedes Individuum kann sich selbst entfalten hin zu einem selbstbestimmten Leben, was ihn erfüllt. Es gibt nicht die eine Formel für ein gutes Leben als vielmehr die Freiheit, sich selbst hin zu einem guten und selbstbestimmten Leben zu entfalten“, sagte die Professorin am Lehrstuhl Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Universität München abschließend. Entscheidend hierfür seien die Parameter Beziehungen und Sinn gepaart mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen gesundheitsspezifischer Aspekte.

Abschließend richtete sich Horst Habermehl vom Vorstandsteam der Sparkasse Fulda mit wenigen Sätzen zu dem Auditorium: „Heute ist tatsächlich vieles anders als wir es von unserem Jahresauftaktformat gewöhnt sind.“ Der Vortrag von Professorin Buyx habe ihn, mit 62 Jahren und immer kerngesund gewesen, etwas nachdenklich gestimmt, räumte Habermehl ein. Seine Prognose, weiterhin ein gesundes Leben erleben zu dürfen, wird anstrengend zu realisieren sein. „Doch Sie geben wir sieben Punkte an die Hand, ich habe es mal ausgerechnet, vielleicht bleiben mir dann noch 14 oder 15 gesunde Jahre“, rief er der Gastreferentin mit einem Augenzwinkern von der Bühne aus zu.

Hambermehl: „Ein ganz besonderer Abend neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Wenn ich meinen Blick über den Saal schweifen lasse, so resümiere ich, dass dieser Abend weit mehr als ein Vortragsabend gewesen ist. Es ist ein Zusammentreffen von Gedanken, Begegnungen und Impulsen. Über 700 Kundinnen und Kunden sind unserer Einladung gefolgt. Die Tatsache, dass diese Veranstaltung lange im Voraus ausgebucht war, erfreut uns besonders und motiviert uns, dieses Format auch in Zukunft aufrecht zu erhalten.

Das Thema des Abends ‚Langes Leben – gutes Leben?‘, Frau Professorin Buyx hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass Fortschritt allein noch kein gutes Leben garantiert. Wissenschaft, Medizin und Technologie ermöglichen uns heute Dinge, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Doch die entscheidenden Fragen, die großen Fragen bleiben aus meiner Sicht: Wie wollen wir leben? Was gibt uns Sicherheit? Was schafft Vertrauen und was bedeutet Lebensqualität wirklich?“

Der Sparkassenvorstand ist überzeugt davon, dass die im Vortrag gesetzten Impulse noch lange beschäftigen werden. „In Zeiten großer Veränderungen suchen Menschen Orientierung und Verlässlichkeit. Sie wollen Partner, denen sie vertrauen können. Partner, die modern denken, und dabei nahbar und persönlich bleiben. Und genau hier sehen wir unseren Auftrag als Sparkasse Fulda“, sagte Habermehl abschließend.

Sein besonderer Dank galt neben Professorin Alena Buyx dem diesjährigen Musikact, der A-Capella-Pop-Band „Anders“. Wem die Gesangseinlagen der fünf Musiker gefallen haben, der hat am 17. Dezember 2026 um 20 Uhr im Kulturzentrum Kreuz die Chance, auf ein Wiedersehen mit den sympathischen Stimmakrobaten. Karten für das Konzert sind bereits erhältlich.

Im Nachgang an den offiziellen Veranstaltungsteil ging es in den legeren Teil über, wo viele Gäste den fachkundigen Vortrag von Medizinethikerin Professorin Dr. Alena Buyx nutzen, um ihre persönlichen Schlussfolgerungen und Eindrücke im lebhaften Diskurs im Foyer miteinander zu teilen. +++ jessica auth


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