
Bei einer hessenweiten Großrazzia gegen sozialschädliche Kriminalität haben rund 600 Einsatzkräfte von Polizei, Zoll, Steuerfahndung, Jobcentern und weiteren Behörden am Mittwoch umfangreiche Kontrollen durchgeführt. Wie das Hessische Landeskriminalamt (HLKA) am Donnerstag mitteilte, handelte es sich um die fünfte hessenweite Einsatzmaßnahme dieser Art, die aus vier Aktionstagen und einer Einsatzwoche bestand. Im Fokus standen der Missbrauch staatlicher Leistungen, Scheinanmeldungen, illegales Glücksspiel sowie die Sicherung kriminell erlangter Vermögenswerte.
Koordiniert wurde der Großeinsatz vom Landeskriminalamt im Auftrag mehrerer hessischer Staatsanwaltschaften, darunter die Abteilung für organisierte Geldwäsche bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Die Bilanz der Kontrollen fällt umfangreich aus: Insgesamt überprüften die Einsatzkräfte 1.065 Personen, 53 Objekte sowie 104 Fahrzeuge. Dabei wurden 47 Strafanzeigen gefertigt, 58 Ordnungswidrigkeiten festgestellt und 18 Personen vorläufig festgenommen.
Zudem sicherten die Beamtinnen und Beamten Vermögenswerte im Gesamtwert von rund 1.552.000 Euro. Darunter befanden sich etwa 343.000 Euro Bargeld, neun hochwertige Fahrzeuge im Wert von rund 927.000 Euro sowie weitere Luxusgegenstände. Die mobilen Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen sowie Überprüfungen im öffentlichen Raum konzentrierten sich insbesondere auf Wiesbaden, Offenbach am Main, Frankfurt am Main, Kassel und Fulda.
Kontrolliert wurden unter anderem Gaststätten, Glücksspielbetriebe, Barbershops, Wohnobjekte und weitere gewerblich genutzte Einrichtungen. Ziel war die Aufdeckung von Sozialleistungsmissbrauch, illegaler Beschäftigung, Scheinselbstständigkeiten, melderechtlichen Unregelmäßigkeiten sowie Strukturen der Schweren und Organisierten Kriminalität. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bekämpfung der Finanzkriminalität: Einsatzkräfte überprüften gezielt hochwertige Fahrzeuge und öffentlich zur Schau gestellte Vermögenswerte mutmaßlicher Straftäter.
Im Landkreis Offenbach durchsuchten die Kräfte zwei Wohnobjekte und nahmen zwei Beschuldigte fest. Neben einem niedrigen fünfstelligen Bargeldbetrag wurden mehrere hochwertige Fahrzeuge, Luxusuhren und Schmuck sichergestellt. Den Beschuldigten werden unter anderem bandenmäßige Steuerhinterziehung, Betrug beim Verkauf gebrauchter Fahrzeuge sowie Sozialleistungsbetrug vorgeworfen. Die Maßnahmen sind Teil des seit 2018 geführten Ermittlungskomplexes „AVALON“, in dessen Rahmen bislang Vermögenswerte von mehr als 3,4 Millionen Euro sichergestellt werden konnten.
Auch auf den Verkehrswegen zeigten die Behörden Präsenz: Bei stationären Kontrollen auf der Autobahn 66 beschlagnahmten Kräfte des Polizeipräsidiums Westhessen gemeinsam mit dem HLKA einen Porsche 911 Carrera S wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und Geldwäsche.
Im Bereich der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg standen Gaststätten im Fokus. In einer Café-Bar stellten Einsatzkräfte fünf Fälle unerlaubten Glücksspiels an mehreren Automaten fest. Zudem wurden drei Verstöße im Zusammenhang mit unerlaubtem Glücksspiel verfolgt, ein Haftbefehl nach dem Ausländerrecht vollstreckt und Strafanzeigen wegen des Erwerbs und Besitzes von Betäubungsmitteln gefertigt. Wegen Verstößen gegen glücksspielrechtliche Vorschriften und Mängeln in der Kassenführung wurden drei Bußgelder in Höhe von insgesamt 32.500 Euro verhängt.
Hessens Innenminister Roman Poseck erklärte zu dem Einsatz, die Aktionstage sendeten ein unmissverständliches Signal an Personen, die den Sozialstaat ausnutzten. Das konsequente Vorgehen zeige die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaates. HLKA-Präsident Daniel Muth betonte die Bedeutung der engen Zusammenarbeit zwischen Polizei, Finanz- und Kommunalbehörden. Durch die gemeinsamen Kontrollen gewinne man wertvolle Erkenntnisse über kriminelle Strukturen, um Geldwäsche einzudämmen und unrechtmäßig erlangte Vermögenswerte zu sichern.
Aufgrund der Ergebnisse früherer Einsatztage verfolgten diesmal auch Vertreter von Landespolizeien aus benachbarten Bundesländern die Maßnahmen vor Ort, um sich ein Bild von der behördenübergreifenden Zusammenarbeit in Hessen zu machen.
Bereits im Dezember 2025 sowie in der ersten Jahreshälfte hatten landesweite Aktionstage stattgefunden. Bei diesen früheren Einsätzen wurden insgesamt 5.900 Personen, 703 Objekte und mehr als 300 Fahrzeuge kontrolliert, 324 Strafanzeigen gefertigt, über 540 Ordnungswidrigkeiten festgestellt sowie 52 Haftbefehle vollstreckt. Zudem konnten dabei Vermögenswerte von rund 3,7 Millionen Euro gesichert werden. +++

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