Baerbock und Habeck fürchten gesellschaftlichen „Rollback“

Die Parteivorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, warnen vor einem gesellschaftlichen „Rollback“durch die Coronakrise. „Die Gefahr eines gesellschaftlichen Rückschritts ist greifbar“, sagte Habeck dem „Spiegel“. „Grenzen werden wieder geschlossen, der Nationalismus erstarkt, der Autoritarismus. Die Frauen bleiben mal schön zu Hause: Das war doch die unausgesprochene Voraussetzung für den Shutdown.“ Der Druck, der besonders auf den Frauen laste, zeige, dass man die Frauenquote als Instrument dringend brauche, so Habeck weiter.

„Sie sichert Frauen den Raum für politisches Engagement.“ Baerbock warnt davor, alte Fehler zu wiederholen. „Es wird wieder rein national gedacht, wie in der Finanzkrise. Das hat Europa schon damals fast an den Abgrund gebracht.“ Entsetzt zeigten sich die Grünen-Vorsitzenden über den Machtverlust von Kanzlerin Angela Merkel im derzeitigen Krisenmanagement. „In den letzten Wochen haben wir große politische H andlungsfähigkeit erlebt“, sagte Habeck. „Aber jetzt hat das unabgesprochene Agieren vieler Ministerpräsidenten die Autorität der Bundeskanzlerin in einem Maß beschädigt, wie ich es mir noch vor einer Woche nicht hätte vorstellen können.“

Die Grünen-Chefs kritisieren zudem, dass bei den Lockerungen der Maßnahmen falsche Prioritäten und Kriterien gesetzt würden. An erster Stelle würde sie die Schwachen in der Gesellschaft sehen, alte Menschen in Pflegeheimen und Kinder, sagte Baerbock. „Für deren Einrichtungen würde ich große Testkapazitäten und Schutzmaterialien einsetzen. Um dann, ähnlich wie in Dänemark, Kitas und Grundschulen als Erstes wieder zu öffnen.“ Habeck kritisiert die Langsamkeit der Politik. „Es gibt immer noch keine kreativen, differenzierten Schulkonzepte, die es allen Schulkindern ermöglichen, aus der sozialen Isolierung rauszukommen“, sagt Habeck in dem „Spiegel“-Gespräch. „Ich frage mich, was die Kultusminister die letzten sieben Wochen gemacht haben.“ +++


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1 Kommentar

  1. Gerne propagieren in der Corona-Krise Politiker wie Söder das Home-Office als einen Effizienz-Booster für Wirtschaft und Gesellschaft.
    Wie muss man sich das jetzt in der Corona-Praxis vorstellen?
    Das „Heimchen-am-Herd“ mutiert jetzt gleichzeitig zum „Heimchen-in-der-Kindergrippe“, zum „Heimchen-in-der-Home-School“ zum „Heimchen-im-Home-Office“ – der neue patriarchalische Vierklang!
    Söder jubelt das hoch als Element einer neuen Worklife-Balance!
    Andere heben bewundernd die neuen Multitasking-Fähigkeiten hervor!
    Trotzdem vernimmt man allerorten Klagen derart charakterisierter Frauen, dass dies alles nicht mehr unter einen Hut zu bringen sei.
    Vor diesem Hintergrund hört man aus vertraulichen Quellen, dass die Regierungen diesen Frauen endlich unter die Arme greifen wollen: sie sollen Gutscheine für die Beratung von McKinsey – gerade erst aufgefallen bei der erfolgreichen Entmilitarisierung der Bundeswehr – und anderen Consulting-Unternehmen erhalten, um so die offensichtlich noch nicht ausgeschöpften Effizienzpotentiale des Multitaskings im Heimchen-Modell auszuschöpfen!
    Manchen Politikern sind eben Familien und Frauen mit Kindern wichtig!

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