Klartext mit Radtke – Die Gesinnungsprüfung auf vier Rädern: Warum die BMW-Entscheidung ein fatales Signal ist

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Klaus H. Radtke

Aktuell berichteten die Medien darüber, dass der in Sachsen-Anhalt neu gewählte Landtagspräsident Tobias Rausch eventuell keinen Dienstwagen erhalten wird. Mercedes und Audi hatten kein Angebot abgegeben – und BMW zog sein Angebot für ein Leasingfahrzeug kurzfristig zurück.

Nun mag man zur AfD stehen wie man will, doch diese Entscheidung des bayerischen Autobauers ist nicht nachzuvollziehen. Warum? Weil es aus meiner Sicht völlig verfehlt und unangemessen ist, Kunden nach ihrer politischen Gesinnung auszuwählen und zu beliefern. Wenn man Tobias Rausch – genauer: dem sachsen-anhaltinischen Landtag – keine 7er-Limousine liefern möchte, frage ich mich im Umkehrschluss: Was ist eigentlich mit all den Diktatoren, Clan-Bossen, Mafia-Größen und anderen obskuren Gestalten dieser Welt? Bisher wird diese Klientel durchaus beliefert – und zwar von jedem deutschen Premiumhersteller, somit auch von BMW. Zudem gilt: Der Dienstwagen ist an das Amt gebunden, nicht an die Person! Wie bereits ausgeführt: Vertragspartner dieses Leasinggeschäfts ist nicht die AfD, sondern der Landtag von Sachsen-Anhalt als verfassungsmäßige staatliche Institution. Boykottiert ein Dax-Konzern hier jetzt also schon eines unsere Landesparlamente?

Konsequent zu Ende gedacht, müsste Audi demnach schleunigst den A8 von Frau Reichinneck zurückholen. Sollten dann nicht alle Politiker schnellstens vor dem Autokauf auf ihre moralische und politische Einstellung geprüft werden? Könnte man dann Jens Spahn überhaupt noch ein Fahrzeug verkaufen? Trifft diese Auslese bald weitere Personen des öffentlichen Lebens oder auch Privatpersonen, Prominente, Schauspieler, Fußballer und zig andere Berufsgruppen?

Sollte man folglich darüber nachdenken, nicht nur Tobias Rausch, sondern auch AfD-Wählern und -Sympathisanten den Einkauf im Supermarkt zu verwehren, ihnen den Kinobesuch zu verbieten, den Abschluss einer Versicherung zu verweigern oder sie im Modehaus nicht mehr zu bedienen? Schließt man sie demnach auch vom öffentlichen Nahverkehr aus? Allein an dieser absurden Kette erkennt man, wie abwegig die Entscheidung von BMW ist.

Blickt man auf die Reaktionen in den sozialen Netzwerken, könnte sich die Entscheidung von BMW als klassisches Eigentor erweisen und erhebliche Einbußen bei den Absatzzahlen nach sich ziehen. Viele BMW-Fahrer zeigen sich höchst enttäuscht sowie verärgert und kündigen an, dass dies ihr letzter BMW gewesen sei. Zugleich zeigen auch BMW Interessenten Ihr Unverständnis und wenden sich schon andern Marken zu. Die Pointe folgt sogleich: Während deutsche Hersteller kneifen, klopft die AfD-Spitze bereits bei Elon Musk an, um zu fragen, ob Tesla mit einem Dienstwagen einspringt. Ein besseres Werbegeschenk hätte man der amerikanischen E-Auto-Konkurrenz im eigenen Land kaum servieren können. Oder der Landtag entscheidet sich für einen Chinesen. Das wäre für die Wettbewerber auch Fernost eine hervorragende Werbung.

Die Entscheidung einmal wirtschaftlich betrachtet: Wenn BMW glaubt, mit einer solchen Maßnahme, Kunden zu gewinnen, ist das meines Erachtens ein Trugschluss. Denn die Nettobetrachtung wird sicher negativ ausfallen. Was BMW auf der einen Seite an neuen Kunden durch diese Entscheidung möglicherweise gewinnt, wird bei weitem nicht der Anzahl von Kunden und Interessenten entsprechen, die BMW damit verlieren könnte.

Befürworter der BMW-Entscheidung argumentieren hingegen, sie fänden es gut, wenn ein Unternehmen, ein Hersteller, Haltung zeigt und sich klar positioniert. Um es klar zu auszudrücken: Ich bin der Letzte, der gegen Haltung ist. Ganz im Gegenteil. Ich habe immer bedauert, dass sich nur wenige Firmenbosse aktiv in das aktuelle politische Geschehen einmischen – so wie etwa der ehemalige Knorr-Bremse-Boss Heinz Hermann Thiele oder der so erfrischend auftretende Wolfgang Grupp. Aber die Positionierung muss immer situationsgerecht und mit Augenmaß stattfinden und darf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens nicht gefährden. Es sei daran erinnert, dass die AfD NICHT an der vorwiegend durch SPD und Grüne aber auch CDU verursachten dramatischen Lage dieser Republik Anteil hat. Und wo blieben da die Haltungsbekundungen?

Und dann drängt sich die Frage auf: Wer hat denn die deutsche Automobilbranche in die heute mehr als beängstigende Krise gestürzt? War das die AfD, die sich vielmehr lautstark gegen das Verbrennerverbot eingesetzt hat? Oder waren das die Altparteien?

Wenn es danach ginge, müsste EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schon lange zu Fuß gehen. Und viele andere Berliner Politiker ebenfalls. Die BMW-Entscheidung steht auch beispielhaft dafür, dass sich die Autoindustrie hier einem Zeitgeist und Diktat beugt, der maßgeblich von politisch einseitigen NGOs und linken Aktivisten befeuert wird, die mit ihren Kampagnen ohnehin unentwegt Unheil anrichten. In Magdeburg reagiert man derweil mit demonstrativem Trotz: Wenn die Premium-Hersteller nicht liefern, will die AfD-Fraktionsspitze eben auf Kult-Mopeds von Simson umsteigen. Ein Trauerspiel für den Autostandort Deutschland.

Haltung hätte die Autoindustrie schon viel früher zeigen können: Indem sie der aktuellen Politik die fatalen Folgen ihres Tuns noch deutlicher vor Augen geführt hätte. Nicht nur, was die eigene Branche betrifft, sondern hinsichtlich der gesamten wirtschaftlichen Lage unseres Landes. BMW sollte diese Entscheidung rückgängig machen, bevor der Imageschaden noch größer wird. Sowie dem Verantwortlichen eine Abmahnung geben. Oder beugt sich das Unternehmen noch dem zu befürchtenden Links-Grünem Shitstorm und gegenüber Krawallen seitens der Antifa? Hoffentlich nicht. +++


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