20 Jahre IKZ Hessisches Kegelspiel: Kommunen ziehen positive Bilanz interkommunaler Zusammenarbeit

Zwei Jahrzehnte nach dem Start der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) Hessisches Kegelspiel ziehen die beteiligten Kommunen eine durchweg positive Bilanz. Für die Marktgemeinde Burghaun, die Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf, die Gemeinde Nüsttal und die Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld hat sich die Zusammenarbeit nach Einschätzung der Bürgermeister als „Erfolgsgeschichte“ erwiesen. Marion Frohnapfel (Nüsttal), Jürgen Hahn (Rasdorf), Dieter Hornung (Burghaun) und Benjamin Tschesnok (Hünfeld) sehen in der Bündelung von Kompetenzen und der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen einen wesentlichen Beitrag zu mehr Kosteneffizienz, ohne dass die Eigenständigkeit der einzelnen Kommunen eingeschränkt worden sei.

Nach Angaben der Bürgermeister hätten viele der heute gemeinsam wahrgenommenen Aufgaben insbesondere kleinere Kommunen allein an ihre personellen und finanziellen Grenzen gebracht. Durch die Kooperation könnten spezialisierte Fachkräfte gemeinsam eingesetzt, Verwaltungsabläufe effizienter gestaltet und Kosten reduziert werden. Anstelle paralleler Strukturen in jeder Kommune würden Synergien genutzt, um insbesondere im sogenannten Backoffice-Bereich Skaleneffekte zu erzielen.

Den Ausgangspunkt der Zusammenarbeit bildete im Jahr 2006 die gemeinsame Bewerbung der Kommunen um Fördermittel im Programm „Stadtumbau in Hessen“. Zunächst arbeiteten die Partner auf Grundlage einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung vor allem in der städtebaulichen Entwicklung zusammen. Parallel wurde geprüft, in welchen weiteren Verwaltungsbereichen eine Kooperation Vorteile bringen könnte. Daraus entwickelten sich unter anderem die gemeinsame Atemschutzwerkstatt, das gemeindeübergreifende Netzwerk des Generationentreffs, der gemeinsame Standesamtsbezirk von Rasdorf und Hünfeld sowie die Tourist-Info Hessisches Kegelspiel. Im Rahmen des Förderprogramms konnte außerdem die ehemalige Landratsamtsvilla erworben und zum heutigen Dienstleistungszentrum „Kegelspielhaus“ ausgebaut werden.

Mit zunehmendem Umfang der Zusammenarbeit zeigte sich, dass die bisherige Organisationsform nicht mehr ausreichte, um weitere Effizienzgewinne zu erzielen und ein gemeinsames Finanzwesen aufzubauen. Deshalb gründeten die Kommunen im Jahr 2013 den Zweckverband Hessisches Kegelspiel als eigenständige Körperschaft. Dadurch konnten erstmals eigene Mitarbeiter eingestellt werden, während insbesondere in den Anfangsjahren auch Beschäftigte der Mitgliedskommunen für die gemeinsamen Aufgaben entsandt wurden.

Der Vorstand des Zweckverbandes besteht aus den Bürgermeistern der beteiligten Kommunen und übernimmt die laufende Verwaltung. Die Verbandsversammlung, in der die Mitgliedskommunen entsprechend ihrer jeweiligen Mehrheitsverhältnisse vertreten sind, trifft die grundlegenden Entscheidungen. Die operative Leitung liegt bei Geschäftsführer Ingo Rancke, der in Hünfeld aufgewachsen ist und heute mit seiner Familie in Steinbach lebt.

Im Bereich des Finanzwesens arbeiten die Kommunen inzwischen mit einer einheitlichen Softwarestruktur, die sowohl vom Zweckverband als auch von den einzelnen Verwaltungen genutzt wird. Der Zweckverband übernimmt unter anderem den Zahlungsverkehr, den Versand von Steuer- und Abgabenbescheiden, Finanzstatistiken, die Stammdatenpflege sowie das Forderungsmanagement. Die Mitgliedskommunen bleiben dagegen eigenverantwortlich für Haushaltsführung, Anlagenbuchhaltung, Darlehensverträge, Geldanlagen und die Erstellung der Jahresabschlüsse.

Um die Zusammenarbeit weiter auszubauen, wurden in gemeindeübergreifenden Arbeitsgruppen zusätzliche Maßnahmen vorbereitet. Dazu gehören gemeinsame Softwareplattformen für das Finanzwesen, den elektronischen Rechnungsworkflow, die Auftragsabwicklung der Bauhöfe sowie die Einführung papierloser Verwaltungsabläufe mit elektronischen Akten. Darüber hinaus übernehmen die Stadtwerke Hünfeld inzwischen als kommunales Versorgungsunternehmen den Betrieb eines gemeinsamen Rechenzentrums und betreuen die Hard- und Software in den beteiligten Kommunen.

Auch künftig soll die interkommunale Zusammenarbeit weiterentwickelt werden. Derzeit beschäftigt sich der Zweckverband insbesondere mit dem Thema Cybersicherheit. Hintergrund sind die zunehmenden Cyberangriffe auf Kommunen, die in den vergangenen Jahren mehrfach zu erheblichen Einschränkungen des Verwaltungsbetriebs geführt haben. Neben technischen Schutzmaßnahmen soll deshalb eine interkommunale Informationssicherheitsstelle aufgebaut werden, die sowohl die IT-Sicherheit stärkt als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für mögliche Gefahren sensibilisiert. +++


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