Stadt Kassel verlieh Hans Eichel das Ehrenbürgerrecht

Hans Eichel

Die Kasseler Stadtverordnetenversammlung hat am Montagabend dem früheren Kasseler Oberbürgermeister, hessischen Ministerpräsidenten und Bundesfinanzminister Hans Eichel das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die Zuerkennung dieser höchsten Auszeichnung, die Kassel vergeben kann, bildete den einzigen Tagesordnungspunkt einer eigens einberufenen Sondersitzung im Kasseler Rathaus. Oberbürgermeister Sven Schoeller begründete vor dem Kommunalparlament den entsprechenden Beschlussvorschlag des Magistrats, dem die Stadtverordneten abschließend folgten. Mit der Entscheidung erweitert sich der Kreis der Träger des Kasseler Ehrenbürgerrechts, zu denen aktuell Dr. Eva-Maria Schulz-Jander und Jochen Lengemann zählen.

In seiner Rede würdigte Oberbürgermeister Sven Schoeller das politische Lebenswerk und die tiefe Verwurzelung Eichels in der Stadt. Hans Eichel habe in den letzten Jahrzehnten des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Geschichte und das Ansehen Kassels entscheidend gestaltet und geprägt. Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts stelle eine angemessene Anerkennung seines langjährigen politischen Schaffens sowie seiner engen Verbundenheit zu seiner Heimat dar. In seiner politischen Laufbahn hatte Eichel über Jahrzehnte hinweg Spitzenämter in der Stadt, auf Landesebene sowie im Bund bekleidet.

Hans Eichel wurde in Kassel geboren und wuchs dort auf. 1961 legte er am Wilhelmsgymnasium das Abitur ab. Nach seinem anschließenden Lehramtsstudium in den Fächern Germanistik, Philosophie, Politik, Erziehungswissenschaften und Geschichte an den Universitäten in Marburg und Berlin kehrte er 1970 als Studienrat an das Wilhelmsgymnasium zurück, bevor er hauptamtlich in die Politik wechselte. Im Jahr 1975 übernahm der Sozialdemokrat im Alter von 33 Jahren das Amt des Kasseler Oberbürgermeisters und war zu diesem Zeitpunkt der jüngste Hauptverwaltungsbeamte einer Großstadt in der Bundesrepublik.

Während seiner 16-jährigen Amtszeit als Kasseler Rathauschef wurden zahlreiche kommunalpolitische Weichen gestellt. In Eichels Ägide fielen die bundesweit erste rot-grüne Zusammenarbeit auf Großstadtebene, die Gründung des Ausländerbeirats sowie die Berufung eines paritätisch mit Frauen und Männern besetzten Dezernentenkreises. Die Bundesgartenschau 1981 entwickelte sich zu einem großen Erfolg und hinterließ mit dem Naherholungsgebiet am Buga-See bleibende Spuren im Stadtbild. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung der documenta als internationaler Imagefaktor Kassels, unter anderem durch die von Joseph Beuys initiierte Basaltstelen-Aktion „7000 Eichen“ im Jahr 1982. Bereits vor dem Fall des Eisernen Vorhangs setzte Eichel städtepartnerschaftliche Akzente, etwa 1988 mit Jaroslawl in der Sowjetunion sowie 1989 mit Arnstadt in der damaligen DDR. Nach der Grenzöffnung im Herbst 1989 sorgte Eichel für eine rasche Reaktion der Stadtverwaltung, wodurch zehntausende Menschen aus der Deutschen Demokratischen Republik unbürokratisch und gastfreundlich empfangen werden konnten.

Eichels Wirken an der Kasseler Stadtspitze endete 1991 nach einem unerwarteten Wahlerfolg: SPD und Grüne erreichten bei der hessischen Landtagswahl eine parlamentarische Mehrheit, woraufhin Eichel zum hessischen Ministerpräsidenten gewählt wurde. Nach dem überraschenden Verlust der Regierungsmehrheit in Wiesbaden im Jahr 1999 wechselte er auf die Bundesebene. Im rot-grünen Bundeskabinett unter Kanzler Gerhard Schröder übernahm Eichel das Bundesfinanzministerium. Wegen seiner wiederholten Mahnungen zu haushaltspolitischer Disziplin und Ausgabenzurückhaltung erhielt er in jenen Jahren den Beinamen „Eiserner Hans“. Dem Deutschen Bundestag gehörte er von 2002 bis 2009 an. Auch nach dem Ende seiner bundespolitischen Ämter blieb Eichel seiner Heimatstadt eng verbunden: Er trat regelmäßig im städtischen Leben in Erscheinung, unter anderem beim Neujahrsempfang 2018, engagierte sich als ehrenamtlicher Gästeführer bei der documenta und nimmt bis heute aktiv am kulturellen und gesellschaftlichen Leben Kassels teil. +++


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