Für rund 190 Schülerinnen und Schüler begann am Dienstag am Frankfurter Margot-Friedländer-Gymnasium ein neuer Lebensabschnitt. Die Schule, die bis zum Ende des vergangenen Schuljahres den Namen Neues Gymnasium Frankfurt trug, heißt seit dem Schuljahresbeginn offiziell Margot-Friedländer-Gymnasium. Bei der Einschulungsfeier machte Ministerpräsident Boris Rhein deutlich, dass mit dem neuen Namen auch eine besondere Verantwortung verbunden ist. Zugleich rückte der Schulstart in Hessen ein weiteres Thema in den Mittelpunkt: die Sicherheit der Kinder auf ihrem Weg zur Schule.
Der neue Name erinnert an Margot Friedländer, die 2025 verstorbene Holocaust-Überlebende, die über viele Jahre als Zeitzeugin an Schulen von den Verbrechen des Nationalsozialismus berichtete. Sie erzählte von ihrem eigenen Leben, erinnerte an die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden und warb zugleich für Menschlichkeit. Dass eine Schule in Frankfurt nun ihren Namen trägt, sei deshalb mehr als eine formale Veränderung, betonte Rhein bei seinem Besuch. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Vertretern der Schulgemeinschaft begrüßte der Ministerpräsident die neuen Fünftklässler.
„Der erste Schultag an einem Gymnasium ist ein besonderer Moment. Für die Schülerinnen und Schüler beginnt ein neuer Lebensabschnitt voller Chancen, Erfahrungen und Begegnungen. Ich wünsche allen Kindern einen erfolgreichen Start und viel Freude am Lernen“, sagte Rhein. Mit der Umbenennung beginne zugleich für die Schule ein neuer Abschnitt unter einem Namen, der für Menschlichkeit, Mut und Verantwortung stehe. Margot Friedländer habe mit ihrem Lebensweg und ihrem Einsatz gegen das Vergessen Generationen geprägt. Eine Schule, die ihren Namen trägt, erinnere jeden Tag daran, Verantwortung zu übernehmen und sich gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und Extremismus einzusetzen. Ihr Vermächtnis werde die jungen Menschen begleiten, sagte der Ministerpräsident.
Rhein verband den Schulbeginn damit ausdrücklich mit dem Bildungsauftrag der Schule. Haltung zu vermitteln gehöre ebenso zur Bildung wie Lesen, Schreiben und Rechnen, sagte er. Das pädagogische Profil des Margot-Friedländer-Gymnasiums mit seinem Schwerpunkt auf Demokratiebildung passe zu diesem Anspruch. Die Schule verbindet moderne Unterrichtskonzepte mit selbstorganisiertem Lernen, digitaler Bildung und Demokratiebildung. Für die neuen Schülerinnen und Schüler bedeutet das einen Schulalltag, in dem nicht allein Wissen und fachliche Fähigkeiten eine Rolle spielen sollen, sondern auch die Frage, wie junge Menschen ihren Platz in einer demokratischen Gesellschaft finden.
Eine besondere Verbindung zu Margot Friedländer besteht auch über die nach ihr benannte Stiftung. Rhein dankte der Margot Friedländer Stiftung dafür, das Lebenswerk der Holocaust-Überlebenden weiterzuführen und sich für Menschlichkeit, Toleranz, Freiheit und Demokratie einzusetzen. Für die Stiftung nahm deren Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Karsten Dreinhöfer an der Einschulungsfeier teil. Rhein selbst hatte Friedländer im Dezember 2025 posthum Hessens höchste Auszeichnung, die Wilhelm-Leuschner-Medaille, für ihr Lebenswerk verliehen.
Mit seinem Besuch zum Schuljahresbeginn setzte der Ministerpräsident zugleich eine Tradition fort, nach der er neue Schülerinnen und Schüler an einer hessischen Schule persönlich begrüßt. Rhein verwies bei dieser Gelegenheit auf die Bildungspolitik der Landesregierung und deren Anspruch, die Voraussetzungen für gute Bildungschancen zu schaffen. Hessen investiere so viel wie nie zuvor in Bildung und arbeite kontinuierlich daran, die Unterrichtsversorgung zu sichern und die Schulen bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Gute Bildung bedeute dabei, jungen Menschen nicht nur Wissen und Kompetenzen mitzugeben, sondern auch Orientierung für ihren weiteren Lebensweg.
Während am Gymnasium die Demokratiebildung und das Vermächtnis Margot Friedländers im Mittelpunkt standen, richtete sich der Blick an anderen hessischen Schulen auf eine sehr konkrete Frage des Schulalltags: Wie kommen Kinder sicher zur Schule? In dieser Woche werden in Hessen mehr als 58.000 Kinder eingeschult. Aus diesem Anlass begleiteten Wirtschafts- und Verkehrsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori, Staatssekretärin Ines Fröhlich und Staatssekretär Dr. Johannes Loheide Einschulungsfeiern in Frankfurt, Bensheim und Hattersheim am Main.
An der Henri-Dunant-Schule in Frankfurt sprach Mansoori den Kindern Mut für den neuen Lebensabschnitt zu. Der erste Schultag sei der Beginn einer aufregenden Zeit mit zahlreichen neuen und prägenden Eindrücken. Gleichzeitig bedeute der Schulstart einen Schritt hin zu mehr Selbstständigkeit. Mit Lesen, Schreiben und Rechnen erlernten die Kinder wichtige Grundlagen, um die Welt mit Neugierde und Tatendrang zu entdecken. Er wünsche allen Erstklässlerinnen und Erstklässlern auf dieser Reise viel Freude und Erfolg, sagte der Minister.
In Bensheim richtete Staatssekretärin Ines Fröhlich ihren Blick vor allem auf die Neugier der Kinder. Bei der Einschulungsfeier an der Hemsbergschule ermutigte sie die Schülerinnen und Schüler, Fragen zu stellen und Fehler nicht als Niederlagen zu betrachten. Heute beginne ein großes Abenteuer, sagte Fröhlich. Auf diesem Weg würden die Kinder viele Fragen stellen, und genau das sei gut, denn wer frage, lerne. Nicht alles werde sofort gelingen. Fehler gehörten zum Lernen dazu, weil sie zeigten, dass man sich getraut habe, etwas auszuprobieren. Häufig seien sie sogar der erste Schritt zu etwas, das man später besonders gut könne.
An der Regenbogenschule in Hattersheim am Main sprach Staatssekretär Dr. Johannes Loheide über die Veränderungen, die ein Kind während der Schulzeit durchläuft. Irgendwann würden die Kinder zurückblicken und feststellen, dass aus Fremden Freunde und aus den ersten Buchstaben Bücher geworden seien, die sie ganz allein lesen könnten. Loheide hob dabei ausdrücklich die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervor. Sie begleiteten die Kinder nicht nur beim Lernen, sondern gäben ihnen Mut, trösteten sie und hörten ihnen zu. Manchmal, so Loheide, schenkten sie einem Kind genau das eine Lächeln, das es gerade brauche.
In Frankfurt verband Mansoori die Einschulung schließlich mit einer Aktion zur Schulwegsicherheit. Gemeinsam mit Gerhard Brink, dem Präsidenten der Landesverkehrswacht Hessen, sensibilisierte er für die Gefahren, die gerade für Schulanfängerinnen und Schulanfänger auf dem täglichen Weg lauern können. Die Deutsche Verkehrswacht stellt 2026 den sicheren Schulweg unter das Motto und den Hashtag „Sicher zur Schule“. Die Landesverkehrswacht Hessen führt parallel eine hessenweite Kampagne unter dem Motto „Ich schaff das alleine! Ohne Elterntaxi geht’s besser!“ durch.
An der Henri-Dunant-Schule brachten Mansoori und Brink gemeinsam ein Banner mit der Aufschrift „Brems dich! Schule hat begonnen“ am Zaun der Schule an. Die Botschaft richtet sich vor allem an die erwachsenen Verkehrsteilnehmer, denn für viele Kinder beginnt mit der Einschulung auch der erste regelmäßige Weg durch den Straßenverkehr.
„Kinder und Jugendliche müssen ihren Schulweg sicher und selbstständig zurücklegen können – zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV. Für mich als Verkehrsminister steht die Förderung der Verkehrskompetenz der Kinder im Fokus“, sagte Mansoori. Gerade zu Beginn des Schuljahrs gewinne das Thema an Bedeutung. Schulanfängerinnen und Schulanfänger seien schließlich auch Verkehrsanfängerinnen und Verkehrsanfänger. Für sie seien der Weg zur Schule und der Umgang mit dem Straßenverkehr noch neu.
Gerhard Brink verwies auf die jahrzehntelange Arbeit der Landesverkehrswacht und ihrer örtlichen Verkehrswachten. Schulwegsicherheit bedeute Verkehrssicherheit und gehe alle an, sagte er. Mit dem Spannband „Vorsicht Schulweg! – Bitte langsam Fahren“ solle die Rücksichtnahme gefördert und sollten Schulwegunfälle vermieden werden. Erwachsene Verkehrsteilnehmer müssten sich auf die Kinder einstellen. Wenn Kinder auftauchten, müsse der Fuß vom Gas und langsamer weitergefahren werden. Kinder seien klein, handelten spontan und könnten Verkehrssituationen häufig noch nicht vollständig überschauen. Auch Fahrgeschwindigkeiten und Abstände könnten sie noch nicht zuverlässig einschätzen.
Die Landesverkehrswacht Hessen setzt dabei auf ein ehrenamtliches Angebot, das weit über einzelne Aktionen zum Schuljahresbeginn hinausgeht. Dazu gehören unter anderem der Schülerlotsendienst, die Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen, die Radfahrausbildung an Schulen sowie die Verteilung gelber Sicherheitsmützen an Schulanfängerinnen und Schulanfänger.
So standen zum Beginn des neuen Schuljahres zwei unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Fragen im Mittelpunkt: Wie sollen Kinder lernen, sich in einer demokratischen Gesellschaft zu orientieren und Verantwortung zu übernehmen? Und wie können sie ihren Weg dorthin sicher zurücklegen? Am Margot-Friedländer-Gymnasium wurde die Antwort vor allem über den Namen der Schule sichtbar. In Frankfurt und an den anderen Schulen Hessens ging es zugleich um die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit. Für Tausende Kinder begann damit eine Zeit, in der aus den ersten Buchstaben nach und nach Bücher werden, aus neuen Mitschülern Freunde und aus dem täglichen Schulweg ein Stück eigener Freiheit. +++

Hinterlasse jetzt einen Kommentar