Für rund 58.400 Kinder beginnt am Dienstag in Hessen ein neuer Lebensabschnitt. Mit der Einschulung werden die Jungen und Mädchen zu Schülerinnen und Schülern, die Sommerferien sind vorbei, der Schulranzen ist gepackt und in vielen Familien steht einer der Tage bevor, an die man sich auch Jahre später noch erinnert. Während die älteren Schülerinnen und Schüler bereits am Montag in die Klassenzimmer zurückkehrten, erleben die Erstklässler ihren ersten Schultag vielerorts traditionell einen Tag später.
Insgesamt startet Hessen mit rund 809.000 Schülerinnen und Schülern in das Schuljahr 2026/2027. Das sind rund 6.000 mehr als im vergangenen Jahr. Rund 67.000 Lehrkräfte kehren ebenfalls an die Schulen zurück. An den öffentlichen Schulen des Landes soll damit der Unterricht nach den Sommerferien wieder in einen regulären Rhythmus finden. Das Hessische Kultusministerium geht von einer stabilen Unterrichtsversorgung aus und sieht die Schulen für den Schuljahresbeginn insgesamt gut aufgestellt.
Für die Kinder, die nun erstmals den Weg zur Grundschule antreten, bringt das neue Schuljahr zugleich eine wichtige Neuerung. Seit dem 1. August gilt bundesweit der Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Kinder der ersten Klassenstufe. Damit haben die Eltern der rund 58.400 Erstklässler grundsätzlich einen Anspruch auf ein entsprechendes Angebot. Zuständig für die Gewährleistung des Anspruchs sind die Kommunen. Nach Einschätzung von Kultusminister Armin Schwarz (CDU) sind die Voraussetzungen in Hessen geschaffen, damit für jedes Kind der ersten Klasse, bei dem ein entsprechender Bedarf besteht, ein Ganztagsplatz zur Verfügung gestellt werden kann.
Der Anspruch gilt zunächst für die erste Klassenstufe. In den kommenden Jahren soll er schrittweise ausgeweitet werden. Ab dem Schuljahr 2029/2030 soll damit ein Rechtsanspruch für alle Kinder im Grundschulalter bestehen. Die ganztägigen Angebote können dabei sowohl durch Schulen als auch durch andere Betreuungsangebote erfüllt werden, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Hessen hat den Ausbau der Ganztagsangebote in den vergangenen Jahren deutlich vorangetrieben. Nach Angaben des Kultusministeriums verfügen inzwischen 96 Prozent der öffentlichen Schulen über ein Ganztagsangebot. Im vergangenen Schuljahr waren es noch 87 Prozent. Für Ganztagsangebote stehen nach Angaben des Ministeriums insgesamt 5.750 Lehrkraftstellen zur Verfügung, darunter 370 neu geschaffene Stellen für das kommende Schuljahr.
Für die Schulen beginnt mit dem neuen Schuljahr zugleich eine Reihe weiterer Veränderungen. Ein Schwerpunkt liegt auf einer stärkeren Nutzung von Daten zur Entwicklung des Unterrichts. An zunächst 60 Pilotschulen soll insbesondere im Fach Mathematik genauer untersucht werden, wie sich die Leistungen der Schülerinnen und Schüler entwickeln. Dafür sind zusätzliche Lernstandserhebungen vorgesehen. Die Ergebnisse sollen den Lehrkräften helfen, den Unterricht stärker auf die jeweiligen Lernstände und Förderbedarfe auszurichten.
Auch beim Lesen setzt Hessen auf zusätzliche Förderung. An 100 Grundschulen soll im Rahmen eines Modellvorhabens eine tägliche Lesezeit von 20 bis 25 Minuten eingeführt werden. Die Schulen können selbst entscheiden, wie sie diese Zeit in ihren Schulalltag integrieren. Ziel ist es, die Lesefertigkeit und die Motivation der Kinder weiterzuentwickeln.
Für einen Teil der Kinder beginnt die Vorbereitung auf die Schule bereits lange vor dem ersten Schultag. Hessen setzt weiterhin auf verpflichtende Vorlaufkurse für Kinder, die bei der Anmeldung noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Für das neue Schuljahr wird mit rund 17.000 Kindern gerechnet, die an diesen Kursen teilnehmen. Das Land hatte die verpflichtende Deutschförderung vor der Einschulung bereits im Schuljahr 2021/2022 eingeführt.
Der erste Schultag bleibt trotz aller bildungspolitischen Fragen ein besonderer Moment, der sich nicht in Statistiken erschöpft. Für die Kinder beginnt mit dem Betreten des Klassenraums ein Alltag, der ihnen zunächst fremd sein dürfte und schon bald selbstverständlich werden soll. Neue Gesichter, ein eigener Platz, die ersten Buchstaben und Zahlen, die Pausen, der Weg mit dem Schulbus oder zu Fuß – aus dem Kindergartenkind wird Schritt für Schritt ein Schulkind.
Auch für die Eltern verändert sich mit diesem Dienstag der Alltag. Der Schulweg wird zur festen Routine, Stundenpläne bestimmen die ersten Wochen und mit dem Ganztagsanspruch kommt für viele Familien eine zusätzliche Möglichkeit hinzu, Beruf und Betreuung miteinander zu verbinden. Für die Schulen wiederum bedeutet die Einschulung nicht nur den Empfang eines neuen Jahrgangs, sondern den Beginn einer Aufgabe, die weit über die Vermittlung von Lesen, Schreiben und Rechnen hinausgeht.
Nach den Sommerferien füllen sich die Klassenzimmer in Hessen damit wieder. Für die meisten Schülerinnen und Schüler bedeutet der Montag die Rückkehr in einen vertrauten Alltag. Für rund 58.400 Kinder ist der Dienstag dagegen der eigentliche Anfang. Sie kommen zum ersten Mal mit Schulranzen und Schultüte durch das Schultor, werden von ihren Lehrerinnen und Lehrern begrüßt und nehmen ihren Platz in einer neuen Gemeinschaft ein. Für sie beginnt am Dienstag das erste Kapitel ihrer Schullaufbahn. +++

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