Nach UN-Niederlage: Streit über Deutschlands Kurs bei den Vereinten Nationen

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Nach dem Scheitern Deutschlands bei der Wahl um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat ist eine politische Debatte über die internationale Rolle der Bundesrepublik entbrannt. Während Hessens Minister für Internationales, Manfred Pentz (CDU), die Höhe der deutschen Zahlungen an die Vereinten Nationen infrage stellt, fordern die Grünen mehr internationales Engagement. Aus der SPD kommt unterdessen der Vorstoß, langfristig einen gemeinsamen Sitz der Europäischen Union im Sicherheitsrat anzustreben.

Pentz reagierte auf die Niederlage Deutschlands in New York mit der Forderung nach einer grundsätzlichen Diskussion über den deutschen Beitrag zu den Vereinten Nationen. Deutschland sei eine der größten Volkswirtschaften der Welt und zugleich einer der wichtigsten Geldgeber der UN. Wenn die Bundesrepublik künftig nicht den Einfluss erhalte, der ihr zustehe, müsse die Frage erlaubt sein, weshalb sie weiterhin in diesem Umfang finanzielle Mittel bereitstelle. Deutschland war 2024 mit rund 4,4 Milliarden Euro der zweitgrößte Geldgeber der Vereinten Nationen.

Scharfe Kritik an dieser Haltung kommt von der hessischen Grünen-Landesvorsitzenden Anna Lührmann. Pentz ziehe aus der Niederlage die falschen Schlüsse, erklärte sie. Statt weniger brauche es mehr internationales Engagement. Die Bundesregierung habe durch Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe sowie durch ihr Auftreten auf internationaler Ebene Vertrauen bei wichtigen Partnerstaaten verspielt. Lührmann verwies zudem auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser habe bislang nicht persönlich an einer Generalversammlung der Vereinten Nationen teilgenommen und mit seinen Äußerungen internationales Vertrauen beschädigt. Wer internationale Verantwortung nicht wahrnehme, verliere Einfluss – genau das sei nun sichtbar geworden. Deshalb sei eine Kurskorrektur in der Außenpolitik notwendig.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley (SPD). Nach der Abstimmungsniederlage warb sie dafür, langfristig einen gemeinsamen Sitz der Europäischen Union im UN-Sicherheitsrat anzustreben. Gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe erklärte Barley, die entscheidende Frage sei, ob Europa mit einer Stimme spreche, um weltweit demokratischen und regelbasierten Einfluss auszuüben. Ein gemeinsamer europäischer Sitz im Sicherheitsrat wäre aus ihrer Sicht ein logischer nächster Schritt zu mehr europäischer Handlungsfähigkeit, sobald die Europäische Union außen- und sicherheitspolitisch stärker integriert sei.

Die Abstimmung in New York gilt als erheblicher Rückschlag für die deutsche Außenpolitik. Deutschland verfehlte in der Generalversammlung die erforderliche Zweidrittelmehrheit deutlich. Stattdessen werden Portugal und Österreich in den kommenden beiden Jahren die Regionalgruppe der westeuropäischen und anderen Staaten im Sicherheitsrat vertreten. Beobachter werten das Ergebnis als schweren politischen Dämpfer für Bundeskanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul (beide CDU), die den Anspruch formuliert haben, Deutschlands Einfluss in der internationalen Politik zu stärken.

Die Niederlage hat damit nicht nur Fragen zur internationalen Stellung Deutschlands aufgeworfen, sondern auch eine grundsätzliche Debatte darüber ausgelöst, wie die Bundesrepublik und Europa künftig ihren Einfluss in den Vereinten Nationen sichern wollen. +++


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