Landkreis Fulda erhält Bundespreis „Blauer Kompass“ für Starkregenfrühalarmsystem

Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (rechts) und UBA-Präsident Dirk Messner (links) überreichten den Preis an Kreisbrandinspektor Adrian Vogler (von links), Ramona-Margarita Ruppert (Projektleiterin und Leiterin des Fachdienstes Wasser und Bodenschutz beim Landkreis Fulda) und Lisa Laibach (Pressestelle Landkreis Fulda). Fotos: UBA / Sarah Kienapfel

Der Landkreis Fulda ist für sein Starkregenfrühalarmsystem mit dem Bundespreis „Blauer Kompass“ ausgezeichnet worden. Das Projekt gehört zu den sechs Gewinnern des bundesweiten Wettbewerbs, den das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gemeinsam mit dem Umweltbundesamt vergibt. Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und UBA-Präsident Dirk Messner überreichten die Auszeichnung am Donnerstag, 17. September 2026, bei einer feierlichen Preisverleihung im Bundesumweltministerium in Berlin. Mit dem Preis sind jeweils 25.000 Euro verbunden.

Der „Blaue Kompass“ gilt als höchste staatliche Auszeichnung für Projekte zur Klimavorsorge und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Deutschland. Zum zehnjährigen Bestehen des Wettbewerbs gingen in diesem Jahr 488 Bewerbungen ein – so viele wie noch nie. Der Landkreis Fulda setzte sich mit seinem Starkregenfrühalarmsystem gegen zahlreiche weitere Projekte durch.

Das System soll Risiken durch Starkregen und Sturzfluten möglichst früh erkennen und damit den Einsatzkräften und der Bevölkerung mehr Zeit zum Reagieren verschaffen. Dafür erfassen mehr als 180 mit dem Internet verbundene Sensoren an Gewässern, Kanälen und öffentlichen Gebäuden Pegelstände und Niederschlagsmengen in Echtzeit. Die Daten werden mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet und mit Radardaten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.

Alle 23 Städte und Gemeinden im Landkreis Fulda sind an das System angebunden. Auch Bürgerinnen und Bürger können gewarnt werden. Je nach Situation erfolgt die Alarmierung über eine App, per SMS oder durch einen Telefonanruf. Nach Angaben des Landkreises sind dabei Vorwarnzeiten von bis zu 60 Minuten möglich. Gerade bei Starkregen können wenige Minuten entscheidend sein, weil sich Wasserstände und Abflussmengen innerhalb kurzer Zeit erheblich verändern können.

Dass ein solches System nicht nur auf dem Papier funktioniert, zeigte sich bei einem Starkregenereignis im Mai 2024. Das Frühalarmsystem ermöglichte es den örtlichen Feuerwehren nach Angaben des Landkreises erstmals, „vor die Lage“ zu kommen. Die Einsatzkräfte konnten dadurch frühzeitig mit der Koordinierung ihrer Einsätze beginnen und sich auf die Entwicklung des Ereignisses einstellen.

„Mit dem Starkregenfrühalarmsystem und den rechtzeitigen Warnungen vor Starkregen und Sturzfluten wollen wir vor allem eins: Menschen schützen – ihr Hab und Gut und vor allem ihr Leben“, sagt Ramona Margarita Ruppert, Projektkoordinatorin beim Landkreis Fulda. Die Auszeichnung mit dem Bundespreis „Blauer Kompass“ sei eine Anerkennung der bisherigen Arbeit und zugleich Ansporn für die weitere Entwicklung des Systems. Auch das Preisgeld von 25.000 Euro soll dafür eingesetzt werden, die Warnmöglichkeiten weiter zu verbessern und insbesondere vulnerable Gruppen noch besser zu schützen.

Der Bundespreis wird alle zwei Jahre vergeben. Ausgezeichnet werden innovative, wirksame und nachhaltige Lösungen zur Vorsorge und Anpassung an die Folgen des Klimawandels. In diesem Jahr konnten sich erstmals auch Schulen und Schulprojekte in einer eigenen Kategorie beteiligen. Die Preisträger in fünf Kategorien wurden von einer achtköpfigen Jury ausgewählt, der unter anderem Fachleute aus Politik, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaft, Forschung, Kommunikation und Jugendbeteiligung angehörten. Zusätzlich wurde ein Community-Preis vergeben. Bei der Online-Abstimmung wurden insgesamt 24.795 gültige Stimmen abgegeben.

Neben dem Preisgeld erhalten die ausgezeichneten Projekte Unterstützung bei ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Zu jedem Gewinnerprojekt wurde zudem ein professioneller Kurzfilm produziert. Damit soll die praktische Arbeit der ausgezeichneten Initiativen über die Preisverleihung hinaus sichtbar gemacht werden.

Die Preisverleihung in Berlin bildete zugleich den Höhepunkt der bundesweiten „Woche der Klimaanpassung“. Unter dem Motto „Gemeinsam für Klimaanpassung“ präsentierten das Bundesumweltministerium und das Zentrum KlimaAnpassung dabei Veranstaltungen in ganz Deutschland und stellten Projekte und Initiativen vor, die sich mit den Folgen des Klimawandels und dem Schutz vor deren Auswirkungen beschäftigen.

Für den Landkreis Fulda ist die Auszeichnung vor allem eine Anerkennung für ein System, das kommunalen Katastrophenschutz, moderne Messtechnik und digitale Datenanalyse miteinander verbindet. Der Bundespreis rückt damit ein Projekt aus der Region in den Mittelpunkt, das nicht erst auf ein eingetretenes Starkregenereignis reagieren will, sondern versucht, die entscheidenden Minuten davor zu gewinnen. +++


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