Kevin Muth: Er lebt Fußball. Zu 110 Prozent – und fiebert dem großen U19-Turnier am Samstag entgegen

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Kevin Muth hat ein prall gefülltes Wochenende hinter sich. Dem Trainingslager mit der U19 der JSG Flieden/Schweben und dem Einsatz im Sportfest-Test gegen die SG Barockstadt folgten ereignisreiche Stunden. Am Montagmorgen begann um sieben Uhr in der Früh‘ sein Dienst bei der Berufsfeuerwehr in Hanau. Anderntags endete die Arbeit. Ebenfalls um sieben Uhr. Ehe er wegen seiner Schwierigkeiten mit der Patellasehne zum Physiotherapeuten in Darmstadt düste, ging er zwei Stunden ins Fitnessstudio und trainierte dort. Um die Zeit zu überbrücken. Bis er endlich die Fahrt nach Fulda antrat. Rechtzeitig zu unserem Termin.

Sinnbildliche Stunden für den 32-Jährigen, der sich vor Kurzem dem SV Flieden angeschlossen hat. Ein Aufwand, um von ihm priorisierte Vorhaben zu organisieren und unter einen Hut zu kriegen. So mancher, der sich für „normal“ hält, würde sich denken: Ist der verrückt? „Der Aufwand ist enorm. Das ist der Fakt“, sagt er geradeaus. Und überzeugend. Kevin Muth kommt als Typ rüber, der – ähnlich wie der neue Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Jürgen Klopp -, mit seinen Worten einen Raum füllen kann. Und all die Spieler hängen ihm an den Lippen. Es überrascht nicht, als er nachschiebt: „Du musst bekloppt sein für den Aufwand.“

Kevin Muth ist ein starker Typ. Man bekommt ihn nicht halb. Ganz oder gar nicht. Nicht mal zu hundert Prozent. Es sind immer mehr. Er gibt alles. Kniet sich rein. Gibt sein letztes Hemd. Auch die Verantwortlichen des SV Flieden, bei denen er gelandet ist, spüren das seit einigen Wochen. Tag und Nacht hat er quasi verbracht, um ein erstes nachhaltiges Ausrufezeichen im Königreich zu setzen. Für kommenden Samstag, den 25. Juli, hat er ein A-Junioren- oder U19-Turnier nach Osthessen geholt, dessen Qualität einzigartig für diese Region erscheint. Die Namen der zwölf Teilnehmer lesen sich wie ein kleines Who is Who des deutschen Nachwuchsfußballs. Wie ein breiter Ausschnitt bester Tradition. Und die gibt sich die Klinke in die Hand.

Offiziell nennt sich der Wettbewerb „U19-Leistungsvergleich“. Die Namen der Teilnehmer gehen einem runter wie Öl. Der Osten spielt dabei eine spezielle Rolle. Der 1. FC Lok Leipzig, der FC Rot-Weiß Erfurt, der FC Energie Cottbus, der Hallesche FC, Erzgebirge Aue und die BSG Chemie Leipzig machen mit. Aus dem Westen, dem Norden und Süden der Bundesrepublik ebenso. Die sind: Kickers Offenbach, Greuther Fürth, der 1. FC Homburg 08, der 1. FC Schweinfurt 05, der JFV Lübeck – und natürlich Gastgeber JSG Flieden/Schweben. Zwölf Teams also, die in der Vorrunde in vier Dreier-Gruppen antreten. Um 11 Uhr geht‘s los, um 17 Uhr steigt das Endspiel. Jede Mannschaft hat also vier Spiele à 40 Minuten, insgesamt also 160. Es wird auf drei Feldern gleichzeitig gespielt: dem Hauptplatz am Weiher, dem Kunstrasen und dem Stadion. Kurze Wege mithin.

Und wer hat sich für das Zustandekommen eines solchen Turniers stark gemacht? Kevin Muth natürlich. Der „Ver-rückte“ plante und organisierte sechs Monate, fing am 20. Januar damit an und schrieb 40 Vereine an. Der Aufwand lässt grüßen. Die Idee habe sich entwickelt und sei in ihm gereift, als er Co-Trainer der U19 der SG Barockstadt war. Damals gab es in der Vorbereitung ein „Mini-Turnier“. Der 32-Jährige bringt seinen Ansporn auf den Punkt. So, als sei er Initiator, Handlungsreisender, Prediger und Motivator für Osthessen in einem: „Ich wollte dieser Region zeigen, dass einfach was geht. Dass man auch hier so etwas auf die Beine stellen kann.“ Und er wolle den Jugendlichen seiner jetzt von ihm trainierten JSG Flieden/Schweben zum Abschluss ihrer Jugendzeit ein Highlight bieten. Einen spielerischen Höhepunkt. Und nicht zuletzt möchte er einen Beitrag dazu leisten, den SV Flieden und auch die Region „ein Stück weit nach vorne drücken“.

Ohnehin verfolgt Kevin Muth mit dem Fußball im Königreich – ob Erste in der Verbandsliga Nord oder im Zulieferbereich U19 mit der JSG Flieden/Schweben in der Verbandsliga – hohe Ziele. Hehre Ziele. Da sollte man zuhören und es sich bestenfalls einverleiben. Denn er lebt Fußball. Wie kaum ein Zweiter in Osthessen. Ein klares Ziel sei es, sich in der Region nachhaltig zu etablieren. Dass es für junge Spieler ein Reiz sei oder werde, zu sagen, da in Flieden werde ja vieles richtig gemacht. Menschlich und sportlich. Muths Ansporn ist es, die Jungs natürlich für die Erste in Flieden und die in Schweben auszubilden, vorzubereiten und heranzuführen. Dazu zählt, ihnen Verantwortung zu geben, zu übertragen und sie mit ins Boot zu nehmen. Auch wenn sie noch nicht 18 Jahre jung sind. Das alles – quasi ein Gesamtpaket – will er mit seinem Co-Trainer Tobias Herbert fördern und umsetzen. Und der ist seit Jahren ein guter und treuer Begleiter, auch Torwart-Trainer; lange stand Herbert, der aus Stöckels stammt und jetzt in Dipperz wohnt, für den nahen RSV Margretenhaun zwischen den Pfosten.

Die folgenden Worte überraschen. Nein, bei Kevin Muth überrascht gar nichts. „Ich möchte in den nächsten Jahren so eine Art Staff entwickeln. Ich könnte mir im nächsten Jahr einen zweiten Co-Trainer vorstellen.“ Nein, das sind keine Hirngespinste. Es sind nur Ideen eines nach vorn Strebenden, der das Feld U19 und den Übergang zum Herrenbereich umgraben und daraus bestmöglich schürfen will. Es bearbeiten. Beackern. Mit Leben, Energien und Energie füllen will. Einen Videoanalysten hat er auch schon. Er hört auf den Namen Firat.

In der vergangenen Saison war Kevin Muth bei der U19 der SG Barockstadt, die mit Trainer Romeo Schäfer den Wiederaufstieg in die Hessenliga schaffte, Athletiktrainer. Ein Job, der ihm am Herzen liegt. Kein Wunder, dass er seinen Jungs der JSG Flieden/Schweben Box-Training anbietet. In Fulda. Jungs diesen Alters machen das gerne – und ihr Coach möchte damit Schnellkraft oder Koordination fördern. „Du wächst auch als Team. Das ist ein Riesen-Credo von Tobi und mir.“ Denn Kevin Muth kann alles hören, nur eins nicht: Dass von ihm trainierte Mannschaften nicht fit seien.

Der 32-Jährige sagt auch: „Mentalität und Leidenschaft können Qualität besiegen.“ Das ist richtig. Letzthin ist es in Deutschland und auch in Osthessen hier und da zu kurz gekommen. Kevin Muth fragt: „Wer macht denn heute Boxtraining oder noch den Hügellauf? Es sind gewiss auch mal andere Methoden fällig.“ Das Etikett „Vision“ ist ein hehres Stichwort. Aber es scheint, als schwebe es künftig auch über dem Weiher. „Seit einer Woche ist es dingfest“, freut sich der U19-Trainer; auch zwei Physiotherapeuten gehören zum Team der A-Junioren. Kevin Muth ist an die Hochschule in Fulda herangetreten. Das Ergebnis: Sara und Moh kümmern sich um den Job. Selbst vor einem anderen Sprachgebrauch macht er nicht halt – der Umstand unterstreicht nur seine Ambitionen. „Daran merkst du die Professionalität“, sagt er noch. Der Begriff ist in Osthessen ein wenig fremd. Doch er beschäftigt Kevin. Er implementiert immer mehr Teile davon. Die A-Jugendlichen spüren es. Der Verein spürt es. Wie ein Puzzle am Weiher.

Ob der SV Flieden seinem neuen Mitarbeiter nicht ein Bett am Sportplatz aufstellen möchte? Fast wäre es angebracht – bei diesem Zeitaufwand und dieser Hingabe, die Kevin Muth an den Tag legt. Süffisant bemerkt er: „Ich hab den Jungs gesagt, wenn ihr eine Kellerwohnung habt mit zwei Räumen …“ Ob sich das jetzt realisieren lässt oder nicht: Am vergangenen Wochenende weilte die A-Jugend der JSG Flieden/Schweben zu einem dreitägigen Trainingslager in der Nähe von Saarbrücken. „Dem Sportcampus Saar““, wie Kevin Muth mit offenem Herzen sagt. Das legt er immer auf den Tisch. Man habe dort „ideale Bedingungen“ vorgefunden: Plätze, Sauna – und ein Kältebecken. Vom Feinsten. „Ich möchte vorweg gehen. Mit Leidenschaft und Wille. Und den Jungs zeigen, dass immer etwas geht.“

Schließlich sagt Kevin Muth, worum es im Fußball geht. Es könnten Leitmotive sein. Oder an Fliedens Sportplatzgelände auf einer Tafel abgebildet sein und dort aushängen. Und so ein bisschen ist auch eine philosophische Note im Fußball versteckt. „Fußball soll mehr als Fußball sein. Er soll Leidenschaft entwickeln. Soll ein Team formen. Soll Freude bereiten. Soll gesellschaftliche und soziale Entwicklung bedeuten. Soll Mentalität entwickeln. Verantwortung entwickeln. Fußball ist mehr, als nur einen Sieg einzufahren. Fußball soll auch eine Brücke und einen Draht zu den jüngeren Spielern beinhalten. Fußball heißt auch, zu leiden. Aber auch, weiterzumachen. Immer weiterzumachen. Egal, was passiert. Und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Sondern ihn oben zu behalten.“

Mit der U19 der JSG Flieden/Schweben möchten sich er, sein Co-Trainer und das gesamte Team als Nummer zwei in Osthessen etablieren. Hinter der SG Barockstadt. Ein „Riesen-Ziel“ nennt er das. Die Saison beginnt am 15. August mit einem Heimspiel gegen den TSV Steinbach Haiger – die Erste startet am Samstag, 1. August mit dem Derby am Weiher gegen den SV Steinbach. Kevin Muth möchte seine U19- Spieler, jeden Einzelnen, persönlich, menschlich, fußballerisch und körperlich weiterentwickeln – und „auf verschiedene Situationen“ vorbereiten. Auch zu seinem Engagement in der Ersten äußert er sich. Da sei seine „Problematik am Knie“, was ihn nicht davon abhält, zu brennen. Noch ehe die Kastanien im Feuer liegen. „Wenn der Trainer und die Mannschaft mich brauchen, bin ich zu 110 Prozent da. Und sollte die Erste mal frei haben, unterstütze ich auch gern die Zweite.“ Nur 100 Prozent, das gibt es bei ihm nicht.

Bis sich der Kreis schließt. Kevin Muth malt ein imaginäres Bild. Aber es hat symbolische Züge. Mehr noch: symbolische Aussage- und Ausdruckskraft. „Fünf von sieben Tagen in der Woche bin ich für den SV Flieden tätig.“ Ob er nun aus Darmstadt, Hanau, Fulda oder seinem Zuhause in Wiesen kommt. Kevin Muth ist Kevin Muth. Er bleibt es auch. +++ rl

Lesen Sie im zweiten Teil: Kevin Muths Werdegang und die Sichtweisen des Jugendleiters Daniel Reith und die des Trainers der Ersten, Christian Kreß.


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