Mehrwertsteuer auf Strom abschaffen? Großbritannien macht vor, worauf Deutschland noch wartet

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Wenn Großbritannien im Herbst die Mehrwertsteuer auf Strom für Privathaushalte abschafft, wird dort eine politische Entscheidung mit unmittelbarer Wirkung auf den Alltag der Menschen getroffen. In Deutschland hingegen bleibt die Debatte vorerst theoretisch – obwohl die möglichen Entlastungen erheblich wären. Eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt, wie groß der finanzielle Effekt auch hierzulande ausfallen könnte. Die Zahlen machen deutlich: Es geht längst nicht nur um Steuerpolitik, sondern um die Frage, wie ernst Politik die Entlastung der Verbraucher tatsächlich nimmt.

Während auf Strom im Vereinigten Königreich derzeit lediglich fünf Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, beträgt der Satz in Deutschland 19 Prozent. Würde diese Steuer vollständig entfallen, könnten deutsche Haushalte nach Berechnungen von Verivox jährlich rund 6,6 Milliarden Euro sparen. Der Strompreis würde im Durchschnitt um etwa fünf Cent pro Kilowattstunde beziehungsweise rund 16 Prozent sinken. Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden entspräche das einer Entlastung von rund 198 Euro. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit 2.800 Kilowattstunden würde rund 139 Euro sparen, ein Single-Haushalt mit 1.500 Kilowattstunden etwa 74 Euro.

Diese Summen mögen auf den ersten Blick überschaubar erscheinen. Doch für viele Haushalte, die seit Jahren mit gestiegenen Energie-, Lebensmittel- und Wohnkosten kämpfen, sind 200 Euro im Jahr keineswegs eine Randnotiz. Sie stehen für finanzielle Spielräume, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Gerade deshalb zeigt das britische Beispiel, wie steuerpolitische Entscheidungen unmittelbar bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen können.

Allerdings ist ein vergleichbarer Schritt in Deutschland derzeit kaum zu erwarten. Darauf verweist auch Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. Zwar würde eine Abschaffung der Mehrwertsteuer Haushalte spürbar entlasten. Wahrscheinlicher sei jedoch nicht einmal die Umsetzung eines deutlich kleineren Vorhabens: die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD aus dem Jahr 2025 angekündigte Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher.

Genau hier liegt der eigentliche politische Widerspruch. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Stromsteuer möglichst auf das europäische Mindestniveau zu senken. Tatsächlich profitieren bislang jedoch lediglich das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Private Haushalte, denen ebenfalls Entlastung zugesagt wurde, warten weiterhin auf die Umsetzung.

Dabei wäre selbst diese Maßnahme deutlich weniger wirkungsvoll als der Wegfall der Mehrwertsteuer. Nach den Berechnungen von Verivox würde eine Senkung der Stromsteuer den Strompreis lediglich um rund zwei Cent pro Kilowattstunde reduzieren. Eine Familie mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden würde dadurch jährlich rund 93 Euro brutto sparen. Für einen Zwei-Personen-Haushalt ergäbe sich eine Entlastung von 65 Euro, für einen Single-Haushalt 35 Euro. Die Stromrechnung würde damit im Durchschnitt um rund sieben Prozent sinken.

Die Diskussion zeigt deshalb mehr als nur unterschiedliche steuerliche Modelle. Sie verdeutlicht den Unterschied zwischen politischen Ankündigungen und ihrer Umsetzung. Während Großbritannien einen unmittelbaren Entlastungsschritt vorbereitet, bleibt Deutschland bislang bei Zusagen, deren Realisierung weiter aussteht.

Natürlich muss jede Steuerentlastung gegen die Auswirkungen auf den Staatshaushalt abgewogen werden. 6,6 Milliarden Euro sind eine erhebliche Summe. Dennoch stellt sich die grundsätzliche Frage, welche Prioritäten in der Energiepolitik gesetzt werden. Strom gilt als Schlüssel für die Energiewende, für Elektromobilität und für klimafreundliches Heizen. Wer diesen Wandel politisch einfordert, sollte zugleich dafür sorgen, dass Strom für private Haushalte bezahlbarer wird.

Die britische Entscheidung könnte deshalb auch in Deutschland neue Dynamik in die Debatte bringen. Ob über die Abschaffung der Mehrwertsteuer oder zumindest über die längst versprochene Senkung der Stromsteuer – der politische Handlungsdruck dürfte eher wachsen als kleiner werden. Denn für Verbraucher zählt am Ende nicht, was angekündigt wird, sondern was sich auf der Stromrechnung tatsächlich bemerkbar macht. +++


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