Klartext mit Radtke: Deutschland im Abstiegskampf

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Klaus H. Radtke

Mit einer solchen Aussage macht man sich keine Freunde. Doch lieber wenige echte als viele falsche. Immer wieder spreche ich den wirtschaftlichen Untergang dieses Landes an, und ich werde das Gefühl nicht los, dass es nur wenige interessiert. Manche teilen zwar diese Auffassung, sie können oder wollen aber nichts dagegen tun. Die einen stecken ohnehin tief im Hamsterrad fest. Die anderen verfügen über ein derartiges Vermögen, dass ihnen wirtschaftliche Einschnitte überhaupt nicht wehtun. Natürlich schmerzt der Wohlstandsverlust auch die Wohlhabenden, aber sie können am Ende trotzdem noch komfortabel leben. Es ist traurig, was aus diesem ehemals stolzen, prosperierenden und fleißigen Land geworden ist. Nicht nur die Missstände in der Politik sind eklatant, auch in der Wirtschaft und selbst im Sport zeigen sich tiefe Risse.

Das Sinnbild des Verfalls: Unsere Infrastruktur-Desaster

Gehen wir das der Reihe nach durch. Nun hat sich die Regierung endlich zu Reformen durchgerungen. Doch ist das wirklich die Lösung, bringt uns das weiter? Große Zweifel sind angebracht, und auch die Experten zeigen sich extrem skeptisch. Ohne zu tief in die Einzelheiten einsteigen zu wollen: Es handelt sich lediglich um kosmetische Korrekturen, nicht um wirklich grundlegende Veränderungen. Ein wahres Sinnbild unseres Abstiegs zeigt sich auf der aktuellen Großbaustelle: „Stuttgart 21“. Jeder Bürger im Lande hatte doch fest geglaubt, man hätte aus dem historischen Desaster des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg (BER) gelernt. Der BER gilt bis heute als eines der größten Infrastruktur-Debakel Deutschlands – geprägt von neun Jahren Verzögerung, 14 Jahren Bauzeit und einer Kostenexplosion von ursprünglich veranschlagten 1,7 Milliarden auf knapp 10 Milliarden Euro. Eigentlich unfassbar.

Wer nun glaubt, das sei ein einmaliger Ausrutscher gewesen, hat sich gründlich getäuscht. Die Inbetriebnahme des umstrittenen Tiefbahnhofs in Stuttgart wurde von der Deutschen Bahn offiziell auf Ende 2031 verschoben. Die ursprüngliche Planung sah das Jahr 2008 vor! Die Kosten, die einst auf 2,5 Milliarden Euro veranschlagt waren, sind mittlerweile auf über 11 Milliarden Euro geschossen. Neben einer komplexen Geologie sorgen gravierende Planungsfehler – wie rund 1.000 Kilometer falsch verlegte Kabel – für die jahrelangen Verzögerungen. Noch unfassbarer!
Allein daran sieht man, wie es um Deutschland steht. Und nun das Beste: Unsere ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hat „Stuttgart 21“ mehrfach als Sinnbild für die Innovationskraft, Zukunftsfähigkeit und Verlässlichkeit deutscher Ingenieurskunst bezeichnet. Im Jahr 2010 erklärte sie das Vorhaben im Deutschen Bundestag gar zum Maßstab für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und der europäischen Infrastruktur. Man könnte schmunzeln, wenn es nicht so traurig und ernst wäre.

Sind das Einzelfälle? Nein, das hat System! Die Medien berichten schließlich regelmäßig von regionalen Possen, in denen Straßen seit zehn Jahren nicht fertiggestellt werden und stumpf im „Niemandsland“ enden. Doch wen interessiert das noch? Wen regt das auf? Und was folgt, wenn man sich darüber echauffiert? In Deutschland ist vieles aus dem Gleichgewicht gekommen.

Die Industrie wankt, die Branchen bluten

Auch in der Wirtschaft läuft längst nicht mehr alles gut. Siehe VW – einer der größten deutschen Konzerne. Jeder siebte Arbeitsplatz im Land hängt direkt oder indirekt von der Automobilwirtschaft ab. Doch VW befindet sich in großen Schwierigkeiten und präsentierte sich in einer absolut beängstigenden Verfassung. Wenn es bei VW zu harten Sparprogrammen, massivem Arbeitsplatzabbau und Standortverlagerungen oder gar -schließungen kommt, dann trifft das im Domino-Effekt nicht nur fachliche Zulieferer, sondern auch den Metzger, den Bäcker, den Einzelhandel und die Gastronomie. Eine gefährliche Abwärtsspirale kommt in Gang. Für diesen Konzern sehe ich aufgrund der Blockadehaltung und Einmischung seitens Politik, Betriebsrat und Gewerkschaft ohnehin schwarz.

Das Fehlen jeglicher Verantwortungskultur

Ein klares Zeichen unserer schlechten Verfassung sehe ich auch in der Gesellschaft und aktuell im Fußball. Unsere Nationalelf kam wieder einmal nicht bis ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft. Ein absolutes Trauerspiel! Die Spieler wirken satt, selbstzufrieden und ohne große Motivation – kein Wunder bei diesen astronomischen Gehältern. Zugleich hat man nicht den Eindruck, dass sie stolz darauf sind, das Trikot Deutschlands zu tragen. Der Trainer wiederum gab sich beratungsresistent, eingeschnappt, schmallippig und beleidigt. Doch zurücktreten wollte er nicht. Natürlich nicht, ging es doch primär um seine millionenschwere Abfindung. Dass ein Trainer ein Jahresgehalt von 7 Millionen Euro kassiert, halte ich für komplett überzogen. Warum bindet man solche Summen nicht an den Erfolg? Bei einem Sieg sind 7 Millionen Euro gut vertretbar, aber bei so einem blamablen Ausscheiden sollte es nicht mal eine Million sein.

Das ist unverständlich, zeigt aber deutlich: Mit der Verantwortungskultur ist es hierzulande ohnehin nicht mehr weit her. Um genau zu sein: Sie ist schlicht nicht mehr vorhanden. Der gesamte Vorstand des DFB und der gesamte Stab hätten geschlossen zurücktreten und den Weg für Neuwahlen bzw. Neubesetzungen freimachen müssen. Das Ganze ist einfach nur blamabel und moralisch unerträglich.

Diese Sesselkleber-Mentalität sehen wir spiegelbildlich in der Politik: Auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, klebt wie mit Pattex an seinem Stuhl. Zwar hat er nun unter dem enormen Druck der Öffentlichkeit seine Spitzenkandidatur aufgegeben, doch er weicht erst im September. Er hat im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Stromnetz in Berlin in einer so dreisten Weise gelogen. Er behauptete, er habe zu Hause vormittags wichtige Krisentelefonate geführt und sei erst nachmittags zum Tennisspielen aufgebrochen, um den Kopf freizubekommen – anstatt sich sofort an den Tatort zu begeben. Doch das war alles glatt gelogen. Es ist so beschämend, dass man es eigentlich gar nicht wahrhaben möchte. Diese Menschen strotzen vor Selbstbewusstsein, haben aber den Bezug zur Realität längst verloren.

Der Hang zum Hedonismus

Schlussendlich sehe ich bedauerlicherweise auch in der Gesellschaft deutliche Zersetzungserscheinungen. Der Trend zum Egomanen und der Hang zum Hedonismus sind unübersehbar. Dafür stehen exemplarisch die „Familientage“ bei der WM, der Drang ins Homeoffice oder die Forderung nach einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich. Nur noch Freizeit, Work-Life-Balance und möglichst kunterbunt – wie will eine solche Gesellschaft im harten, internationalen Wettbewerb überleben? Das wird nicht gut gehen.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu unserem Bundeskanzler Friedrich Merz. Wenn er selbst schon kein glückliches Händchen im Umgang mit den Bürgern beweist, dann sollte es doch wenigstens sein Beraterumfeld haben. Doch mit der Autogrammkarte, die er einer schwer krebskranken Frau zuschickte, nachdem er sie zuvor in einem Bürgerdialog schroff zurechtgewiesen hatte, haben er und sein Stab ihre absolute Unfähigkeit bewiesen. Mit dem Post zur WM-Niederlage hat er den Vogel dann endgültig abgeschossen.

Passend dazu hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nun einen hochdotierten Berater für Social Media eingestellt. Ich fasse es einfach nicht! Wie wäre es denn stattdessen mal mit guter Sachpolitik? Dann müsste der Steuerzahler keine Visagisten, Social-Media-Berater und ähnliche Konsorten finanzieren. Wir bezahlen doch ohnehin schon für vieles, was teilweise überhaupt nicht mehr nachvollziehbar ist. Zum Beispiel für schwerkriminelle Migranten, die ankündigen in der Abschiebemaschine zu randalieren. Sie müssen dann nicht den Flieger besteigen, werden auf freien Fuß gesetzt und verschwinden. Aber kassieren vermutlich weiter. In diesem Sinne: Werden Sie aktiv! Herzliche Grüße – Klaus H. Radtke +++


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