Mit einer Kundgebung vor dem Hünfelder Lokschuppen haben zahlreiche Teilnehmer am 13. Juni ein Zeichen für Demokratie und gegen Geschichtsrevisionismus gesetzt. Die Veranstaltung „Hünfeld stellt sich quer“ verstand sich als Gegenkundgebung zu einer zeitgleich stattfindenden AfD-Veranstaltung, der die Organisatoren vorwerfen, den 17. Juni für parteipolitische Zwecke zu instrumentalisieren. An der Kundgebung beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, der SPD, von „Fulda stellt sich quer“, zwei Kirchenvertreter aus Hünfeld und Eiterfeld sowie ein ehemaliger Gewerkschaftssekretär aus Kaltennordheim.
Im Mittelpunkt der Redebeiträge stand die historische Bedeutung des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR. Die Redner erinnerten an den Protest von mehr als einer Million Menschen in über 700 Orten, die Freiheit, Menschenwürde und Selbstbestimmung forderten. Dr. Gunter Mertens, Sprecher der Eiterfelder Grünen, bezeichnete den 17. Juni als Symbol für den Mut jener Menschen, die sich gegen Unterdrückung erhoben hätten. „Der 17. Juni steht für den Mut der Menschen, die sich gegen Unterdrückung erhoben haben. Diese Werte müssen wir heute gegen alle verteidigen, die Demokratie und Menschenrechte infrage stellen. Mehr als mehr als eine Million Menschen in über 700 Orten der DDR gingen auf die Straße und forderten Freiheit, Würde und Selbstbestimmung. Die Antwort des Regimes: Panzer. Wir gedenken ihrer. Wir verneigen uns vor ihrem Mut“, sagte Mertens.
In seiner Rede spannte Mertens den Bogen zu Konrad Zuse, der in Hünfeld lebte und als Erfinder des ersten funktionsfähigen programmierbaren Computers gilt. Zuse habe die Welt auf eine andere Weise verändert, indem er mit seiner Erfindung ein Werkzeug geschaffen habe, das Wissen verarbeite, Informationen verknüpfe und Zusammenhänge sichtbar mache. „Was Zuse schuf, war im Kern ein Werkzeug der Vernunft. Eine Maschine, die Wissen verarbeitet, Informationen verknüpft, Zusammenhänge sichtbar macht“, erklärte Mertens. Die Frauen und Männer des 17. Juni hätten sich geweigert, Lügen als Wahrheit hinzunehmen. Zuse wiederum habe sein Leben damit verbracht, Wissen zugänglich zu machen – für alle und nicht für diejenigen, die es für Manipulation und Propaganda einsetzen wollten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Kundgebung war die Kritik an der Politik der AfD. Die Redner wandten sich geschlossen gegen das, was sie als Rückwärtsgewandtheit und Ausgrenzung bezeichneten. „Die AfD ist feindselig gegenüber allem, was dieses Land zu einem offenen, freien und menschlichen Land gemacht hat“, sagte Mertens. Fortschritt entstehe aus freiem Denken, Freiheit sei es immer wert, dafür einzustehen – so wie die Menschen es am 17. Juni 1953 getan hätten. Zum Abschluss seiner Rede rief Mertens die Teilnehmer dazu auf, Haltung zu zeigen. „Schweigen ist keine Option. Wer schweigt, stimmt zu. Wir stimmen nicht zu.“ +++

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