Hessens Handel schlägt Alarm: Mehr Gewalt und Diebstähle in Supermärkten und Geschäften

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Innenminister Roman Poseck gemeinsam mit Jochen Ruths, Präsident Handelsverband Hessen und Christian Naumann, Vizepräsident Handelsverband Hessen sowie Niklas Klüdtke, Manager Regional Store Operations ALDI Süd, Erich Deckenbach, Interessenvertreter EDEKA Südwest, Benjamin Becker, Projektleiter handel.digital, Bastian Rötschke, Revisionsleitung REWE Mitte, Christopher Pfaff aus dem Landespolizeipräsidium der Polizei Hessen, Klaus Günther, Revisionsleitung EDEKA Südwest, Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Hessen, Leonard Rohde, Werkstudent handel.digital, Funda Bakan, Kommunikationsleitung Handelsverband Hessen Foto: Frank Zinn / HMdI

Der Ton ist schärfer geworden, die Lage aus Sicht des Handels ernster. Beim Runden Tisch „Sicherheit im Handel“ haben der Handelsverband Hessen und Innenminister Roman Poseck deutlich gemacht, dass sie Ladendiebstahl längst nicht mehr als Randphänomen betrachten. Es gehe nicht nur um steigende Schadenssummen, sondern zunehmend auch um Gewalt gegen Beschäftigte in Geschäften und Supermärkten. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Politik und Handel soll deshalb weiter ausgebaut werden.

Der Handelsverband Hessen hatte das Treffen ins Leben gerufen, um Sicherheitsbehörden und Unternehmen enger zu vernetzen. Poseck sprach nach dem Austausch von einem gemeinsamen Kampf gegen Ladendiebstahl, der „mit aller Konsequenz“ fortgeführt werde. Der regelmäßige Austausch liefere wichtige Impulse, sagte der Minister. Die Schäden durch Diebstähle träfen am Ende die Allgemeinheit. Zugleich beobachte man mit Sorge, dass Marktleiterinnen, Marktleiter und Beschäftigte immer häufiger auf Widerstand und Gewaltbereitschaft von Tatverdächtigen stießen. Das sei Ausdruck einer Entwicklung, die sich auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen zeige.

Die hessische Polizei stehe eng an der Seite des Einzelhandels, erklärte Poseck weiter. Das gelte sowohl für Präventionsarbeit als auch für die konsequente Verfolgung von Straftaten. Besonders offen zeigte sich der Innenminister gegenüber dem Wunsch des Handels, stärker auf moderne Überwachungstechnik und Künstliche Intelligenz zu setzen. KI könne dabei helfen, Personen mit Hausverbot oder verdächtige Verhaltensmuster schneller zu erkennen. Poseck unterstütze diese Forderung grundsätzlich und betonte, Datenschutz dürfe berechtigten Sicherheitsinteressen nicht entgegenstehen. Neue technische Möglichkeiten müssten im Interesse der Sicherheit in angemessenem Umfang genutzt werden können. KI sei eine zentrale Zukunftstechnologie, gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen.

Nach Ansicht des Ministers verhinderten Datenschutzregelungen bislang noch zu häufig den Einsatz neuer Technologien, obwohl diese der Sicherheit dienten. Es brauche deshalb ein Umdenken und neue Gewichtungen bei den notwendigen Abwägungen. Der Austausch zwischen Handelsverband und Polizei über tatsächliche und rechtliche Möglichkeiten moderner Technik solle in Hessen weiter intensiviert werden. Davon könnten beide Seiten profitieren.

Auch der Handelsverband verschärfte seine Wortwahl. Christian Naumann erklärte, Ladendiebstahl sei kein Kavaliersdelikt und dürfe in Hessen auch nicht länger so behandelt werden. Innenminister Poseck zeige, wie Politik und Wirtschaft gemeinsam gegen die zunehmenden Probleme vorgingen – „Hand in Hand“.

Konkret vereinbart wurden Verbesserungen beim schnellen Informationsaustausch zwischen Handel und Sicherheitsbehörden. Händlerinnen und Händler sollen im Rahmen der Kooperation zudem verstärkt Sicherheitsberatungen durch die örtlichen Polizeipräsidien erhalten. Dabei sollen aktuelle Kriminalitätstrends stärker berücksichtigt werden.

Naumann verwies außerdem auf die Unsicherheit vieler Unternehmen beim Einsatz moderner Technik. Digitale Systeme könnten dazu beitragen, den Einkauf für Beschäftigte und Kundschaft sicherer zu machen. Zugleich gebe es noch zahlreiche offene Fragen bei der Regulierung, insbesondere mit Blick auf Datenschutzvorgaben. Der Handelsverband begrüße daher die Bereitschaft des Innenministers, neue Wege zu prüfen.

Der hessische Handel fordert seit Längerem eine praxisnahe Modernisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Vor allem die Auslegung von Vorsatzfragen und Datenschutzbestimmungen auf Landesebene solle überprüft werden, damit Datenschutz der Verfolgung von Ladendiebstahl nicht im Wege stehe.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Hessischen Innenministerium und dem Handelsverband besteht bereits seit Jahren. Dazu gehören gemeinsame Präventionskampagnen, Ladenbegehungen und Schulungen. Mit dem Runden Tisch „Sicherheit im Handel“ soll diese Kooperation nun deutlich ausgeweitet werden – zum Schutz von Beschäftigten, Kundinnen und Kunden sowie der Unternehmen selbst. +++


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