Gewerbesteuerbelastung steigt bundesweit – Fulda bleibt bei 380 Prozent

Die Gewerbesteuerbelastung für Unternehmen in Deutschland hat in diesem Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervor, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet. Von den 706 untersuchten Städten und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern erhöhten 88 ihre Gewerbesteuer-Hebesätze. Lediglich fünf Kommunen senkten den Satz. Damit hat sich die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr nochmals beschleunigt. 2025 hatten 64 Kommunen den Hebesatz angehoben, während vier ihn reduzierten.

Der Bundesdurchschnitt stieg der DIHK-Auswertung zufolge um zwei Punkte auf 441 Prozent. Auf jede Kommune, die ihre Gewerbesteuer senkt, kommen damit in diesem Jahr fast 18 Städte und Gemeinden, die den Hebesatz erhöhen.

Die Unterschiede zwischen den Kommunen sind erheblich. Die Spanne reicht in diesem Jahr von 250 Prozent in Monheim am Rhein und Leverkusen bis zu 580 Prozent in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr. Die zehn Kommunen mit den höchsten Gewerbesteuer-Hebesätzen liegen der Auswertung zufolge ausschließlich in Nordrhein-Westfalen.

Nordrhein-Westfalen weist zugleich erneut die höchste durchschnittliche Gewerbesteuerbelastung auf. Der einwohnergewichtete Durchschnitt liegt dort bei 476 Prozent und damit zwei Punkte über dem Vorjahreswert. Den stärksten Anstieg verzeichnete Sachsen-Anhalt. Dort erhöhte sich der Wert laut DIHK um fünf Punkte von 422 auf 427 Prozent. Hessen folgt mit einem Plus von vier Punkten, Baden-Württemberg mit drei Punkten. Brandenburg weist mit einem durchschnittlichen Hebesatz von 387 Prozent den niedrigsten Wert der untersuchten Bundesländer auf.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov die Entwicklung der Gewerbesteuer als mögliche „stille Standortbremse“. Deutschland gehöre bereits zu den Hochsteuerländern. Weitere Erhöhungen der kommunalen Hebesätze verschärften nach ihrer Einschätzung den Wettbewerbsnachteil für Unternehmen und entzögen den Betrieben zugleich finanzielle Mittel, die für Investitionen benötigt würden.

Im hessenweiten und bundesweiten Vergleich liegt Fulda mit einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 380 Prozent weiterhin deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 441 Prozent. Auch gegenüber dem hessischen Durchschnitt weist die Stadt damit einen niedrigeren Hebesatz auf. Zwar liegt Fulda als Oberzentrum über dem Durchschnitt des Landkreises Fulda, der bei etwa 365,5 Prozent liegt. Im Vergleich zu Kommunen mit besonders hohen Hebesätzen wie Oberhausen oder Mülheim an der Ruhr fällt die Belastung in Fulda jedoch deutlich niedriger aus. Der Hebesatz der Stadt ist dabei stabil geblieben und wurde nicht im Zuge der aktuellen Entwicklung erhöht.

Die DIHK fordert angesichts der steigenden Gewerbesteuerbelastung eine bessere Finanzausstattung der Städte und Gemeinden durch Bund und Länder. Neue Aufgaben dürften den Kommunen demnach nur übertragen werden, wenn deren Finanzierung gesichert sei. Gleichzeitig müssten bestehende Aufgaben daraufhin überprüft werden, ob sie weiterhin in diesem Umfang erforderlich seien.

Die Vereinbarung von Bund, Ländern und Kommunen, bei der Übertragung neuer Aufgaben ab Oktober stärker nach dem Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“ zu verfahren, bezeichnete Melnikov als Schritt in die richtige Richtung. Die strukturellen Probleme bei den bereits bestehenden kommunalen Aufgaben und deren Finanzierung würden dadurch jedoch nicht gelöst. +++


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