Frank Wirthmann: Fan-Beauftragter. Fanclub-Vorsitzender. „Tischtennis-Verrückter“

Frank Wirthmann
Frank Wirthmann

Man hört sie des Öfteren. Diese gedanklichen Reflexe. Vor allem in ländlichen Regionen. Und es nicht überliefert, wie es Karina Wirthmann damit geht. „Ohne dich spielen die nicht“, sagt sie dann. Gerichtet sind diese Worte an ihren Ehemann Frank. Immer dann, wenn er zum Tischtennis geht. Seit Jahr und Tag tut er das. Frank Wirthmann ist Fan-Beauftragter des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Auch Vorsitzender des Fanclubs des Bundesligisten, „RhönSprudel Power“ nennt er sich. Ein „Tischtennis-Verrückter“, wie er sich selbst etikettiert. Die knappen, aber einprägsamen Worte seiner Ehefrau sagen viel aus. Sie sind eine Mischung aus Ironie, Zurückstellen des eigenen Ich und der Wahrnehmung – und nicht zuletzt ist ein ganzes Stückchen Lob, Aberkennung und Respekt in ihnen versteckt. Sich einer Leidenschaft hinzugeben, in sie einzutauchen, sie mit Hingabe zu versehen und sich – oft genug gesehen -, in ihr zu vergraben.

Dicke und lobende Worte vom Chef

Kürzlich feierte Frank Wirthmann seinen 60. Geburtstag, erst im Februar war das. Er sagt stolz, Stefan habe ihm „schöne Worte“ geschrieben. Er meint Stefan Frauenholz, den 1. Vorsitzenden des Tischtennis-Vereins der Ersten Bundesliga. Der hing Wirthmann die schmackhaften Attribute der „langjährigen Tätigkeit als Sponsor und Sponsorenfinder“ um – oder auch „Kämpferherz und zuverlässiger Teamplayer“. All diese Etiketten treffen auf den Menschen Frank Wirthmann zu. Schließlich ist er einer, der den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell bereichert. Und als bräuchte es einen Gipfel, kommt diese Beschreibung hinzu. So sagt Wirthmann über sein Selbstverständnis: „Für mich stehen die Tischtennis-Termine des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell und meine eigenen Spiele beim SV Uttrichshausen im Kalender drin. Alles andere wird dann drumherum gebaut.“ Tischtennis stehe für ihn an dritter Stelle der Prioritäten-Liste. Erst die Familie, dann die Existenz oder Firma – und dann eben Tischtennis. Doch lesen Sie die persönliche Geschichte von Beginn an. Denn selten hören sich eine Entwicklung und ein Werdegang so schlüssig und irgendwie auch logisch an. Frank Wirthmann ist Dipperzer. Mit „Acht oder Neun“ fängt er bei den Knaben an zu kicken, „doch ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist“. Er wechselt zum Tischtennis, die Abteilung entstand seinerzeit in Dipperz. Und einer zündet ihn an: Trainer Martin Hillenbrand, „der hat mir das Tischtennis-Spielen beigebracht.“ Wirthmann ist jetzt Zehn. Und er hat Talent. Richtig Talent. Doch er besitzt keine Möglichkeit, das Kreisleistungszentrum zu besuchen. Seine Eltern sind geschieden, Wirthmann wächst bei seiner Mutter auf. „Von Anfang an war ich ein Tischtennis-Verrückter“, lässt er im heutigen Rückblick keinen Zweifel daran, was ihn infiziert.

Was ihn angeht und so richtig mitnimmt. Als „Ballon-Abwehrspieler“ sieht er sich, oft ist er in Endspielen und sammelt Urkunden. „Es hat mir Spaß gemacht“, sagt er voller Stolz und mit leichtem Augenzwinkern, „wenn die Erwachsenen und Eltern zugeguckt haben“. Um einen weiten Bogen zu schlagen und die Kurve seines „Verrücktseins“ zu kriegen: Noch heute spielt er. Für den SV Uttrichshausen. In der 1. Kreisklasse. Manchmal auch in der zweiten Mannschaft. Und überall, wo jemand fehlt – durchaus auch mal in der 1. Mannschaft. Kürzlich sagte ihm jemand, er befinde sich „unter den ersten Vier oder Fünf, die in der Region die meisten Spiele gemacht hätten“. Ehre, Idealismus, Auszeichnung. Frank Wirthmann kann sich nichts kaufen dafür. Aber es wärmt. Die Seele wird gestreichelt. Und die Worte geben einem das Gefühl, auf dem passenden Weg zu sein. Doch noch einmal zurück zu seiner Laufbahn, seiner Bestimmung – und seiner Reifung als Person. Noch als 20-Jähriger spielt er in Dipperz, dann – das Jahr 1986 läuft -, zieht er nach Niesig. Fünf Jahre zuvor beginnt er seine Lehre als Schriftsetzer beim Verlags- und Medienhaus  Parzeller in Fulda. Frank Wirthmann zieht weiter nach Mittelkalbach. Anfang der 1990er-Jahre ist er dort jede Woche im Training. 1992 heiratet er. Mit zunehmender Zeit aber verliert er Tischtennis aus den Augen, „das hat mir gefehlt“, sagt er später. Bis er 2007 ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlägt. Frank Wirthmann macht sich selbständig und gründet seine erste Firma. „Wir waren dreiGeschäftsführer und haben zehn Leute mitgenommen“, erinnert er sich; einer der Geschäftsführer kommt aus Maberzell. Name der Firma: Sixeyesmedia GmbH. Withmann ist „Sales Manager“, also für Marketing und Verkauf zuständig. Zufällig trifft er zu dieser Zeit seinen ehemaligen Trainer Hillenbrand wieder; bisweilen hat man den Eindruck, dass sich der Kreis schließt im Leben.

Schon lange engagiert sich Frank Wirthmann beim und für den TTC

RhönSprudel Fulda-Maberzell. Genauer gesagt: Seitdem der Getränke-Produzent und -Lieferant dem Verein sein Namens-Gesicht gibt. Wirthmann erinnert sich beim Spazierengehen im Kopf, dass er zusammen mit Klaus-Dieter Schad und Thomas Klepp oft Zusatztribünen aufbaut, beispielsweise vor den Spielen gegen Timo Boll und Düsseldorf; Schad war lange im Vorstand des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell tätig, Klepp jahrelang im Fanclub und unterstützte Wirthmann stark, er verstarb aber 2022. Ehe Frank Wirthmann die Initiative ergreift und bei Stefan Frauenholz anfragt, ob nicht der Posten eines Fan-Beauftragten Sinn mache. Wirthmann übernimmt – „als einer der Ersten in der Bundesliga. Später wird es zur Auflage“, fühlt er sich in seinem Pioniergedanken bestätigt. Gleichermaßen ist Frank Wirthmann Vorsitzender des Fanclubs „TTC RhönSprudel Power“ – seit 2009. „Beides – Fan-Beauftragter und Fanclub-Vorsitzender – in einer Funktion“, bemerkt er stolz. Keine Frage: Er betreibt all dies mit Herzblut. Seine Augen leuchten. So, als wäre er auf der Stelle offen und bereit für Neues. „Nicht ganz allein“ mache er das, Manuel Große aus Meiningen unterstützt ihn. Mittlerweile zählt der Fanclub mehr als 40 Mitglieder. Stets sorgen die für nicht zu überbietende Stimmung in der Hubtex Arena. Für echte Gänsehaut-Momente. Seit 16 Jahren ist Frank Wirthmann Sponsor des Bundesligisten. Mit seiner jetzigen Firma „Rhöner BARF-Shop & ARAS-Frischdienst“. Der BARF-Shop (BARF steht für Bones and Raw Food – und bedeutet zu deutsch: biologisch-artgerechte Roh-Fütterung, also Frischfleisch) – ARAS ist ein Heimliefer-Service für Tiernahrung, ohne chemische Zusätze und Konservierungsstoffe. Im Radius von 120 Kilometern liefert Frank Wirthmann Hunde- und Katzenfutter, als Dosen- und Frischfleisch. Auch Deutschlands Tischtennis-Fixstern Timo Boll zählt zu seinen Kunden. Wirthmann generiert jährlich einen stolzen Umsatz von 460.000 Euro – im ersten Jahr gewann er für seinen gesteigerten Umsatz eine Reise, ein verlängertes Wochenende in London, im zweiten Jahr ein Leasingfahrzeug; ein Jahr lang hatte er die Leasingkosten und die Beschriftung des Fahrzeugs frei.

Hört man Frank Wirthmann zu, dann meint man, er befinde sich beim Tischtennis in einer anderen Welt. „Beim Spiel und auch schon zuvor kann ich völlig abschalten. Ich bin im Vakuum. Meine Frau versteht dann nicht, wenn ich zu Auswärtsspielen, zum Beispiel nach Grenzau, fahre. Für mich ist das kein Stress. Sondern Freizeit. Es ist Wille und Verpflichtung, die Mannschaft zu unterstützen.“ Vielleicht hilft dies, um zu erklären, dass er offenbar ein eingebautes Tischtennis-Gen in seiner Hosentasche, besser: in seinem Herzen, trägt. „In meinen besten Zeiten und den TTC-Glanzzeiten war ich Sponsor, Spieler, Fan-Beauftragter, Fanclub-Vorsitzender, Beisitzer im Vorstand, mit auf Sponsorensuche und hab‘ Fotos fürs Saisonheft gemacht mit meiner Spiegelreflexkamera. „Mädchen für alles“ – das ist er auch heute noch, nur Spieler ist er nicht mehr. Ihn als Phänomen zu verstehen und zu begreifen, das erklärt sich von selbst. Seine Worte tun es. Sie leben und kennzeichnen die Person Frank Wirthmann. Doch, halt. Auch das liegt ihm am Herzen. „Durch mein Engagement hab‘ ich die ganzen Stars kennengelernt.“ Mehrmals besuchte er Timo Boll. Mit ganz viel Stolz schiebt er nach: „Die ganzen Jungs hab‘ ich in meinen Kontaktdaten. Und die hüte ich wie einen Schatz.“ Selbst die Nummer von Steffen Fetzner hat er. Fetzner, der einst mit Noch-Bundestrainer Jörg Roßkopf ein Weltklasse-Doppel bildete. Frank Wirthmann nimmt und gibt einiges mit aus seinem Leben, seinen Aufgaben und Aktivitäten. „Als Fan-Beauftragter versuche ich, alles in die Halle zu schleppen“, bemüht er eine Mischung aus Alltags- oder Umgangssprache und Zugehen auf Zielgruppen. „Ich versuche, so viele Menschen wie möglich für unseren Sport zu begeistern. Auch Geschäftsleute mit einzuladen, um sich ein Live-Spiel anzusehen. Oder auch, Fans, Jugendliche und Nachwuchsspieler zu mitzunehmen.“ Frank Wirthmann ist Gold wert. Nicht nur für seine Ehefrau Karina. Auch für die Region und speziell den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. +++ rl


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