In Flieden ist eine Entscheidung gefallen, auf die die Gemeinde fünf Jahrzehnte lang gewartet hat. Wie die FZ berichtet, hat die Gemeindevertretung mit einem einstimmigen Beschluss am Donnerstagabend den Weg für die Sanierung und Erweiterung der TV-Halle zu einer modernen Veranstaltungsstätte freigemacht. Damit endet eine jahrzehntelange Diskussion über einen geeigneten Standort, während zugleich der Grundstein für einen neuen Mittelpunkt des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens im Kernort gelegt wird.
Zu Beginn der Beratungen rief Bürgermeister Christopher Gärtner (CDU) die lange Vorgeschichte des Projekts in Erinnerung. Als man in Flieden das erste Mal über eine neue Veranstaltungshalle nachgedacht habe, seien manche der heutigen Mandatsträger, die nun ihre Zustimmung gaben, noch gar nicht geboren gewesen. Nach fünfzig Jahren der Standortsuche werde diese Debatte nun beendet. Der Wunsch nach einem Ort für Feste, Kultur, Vereinsleben und gemeinschaftliche Veranstaltungen habe in Flieden schon lange bestanden, um auch im Kernort – wie in den anderen Ortsteilen – über eine entsprechende Versammlungsstätte zu verfügen. Die Entscheidung für einen passenden Standort hatte sich über viele Jahre hinweg jedoch als schwierig erwiesen.
Klarheit brachte schließlich eine Machbarkeitsstudie, die das Gemeindeparlament im Juni 2025 in Auftrag gegeben hatte, um unterschiedliche Optionen und deren Kosten detailliert zu ermitteln. Für vier der untersuchten Varianten ergaben sich vergleichbare Summen: Für das Messegelände beziehungsweise den Festplatz wurden 9,2 Millionen Euro veranschlagt, für den Seepark am Paddelteich zehn Millionen Euro. Das Mehlergelände wurde mit 9,2 Millionen Euro und der Standort am Schwimmbad mit 9,8 Millionen Euro beziffert. Die fünfte Option lag deutlich darunter: Für die Sanierung und Erweiterung der bestehenden TV-Halle kalkulierte die Untersuchung mit 5,7 Millionen Euro.
Auch das bauliche Gutachten fiel positiv aus. Aus der Beschlussvorlage der Verwaltung geht hervor, dass der Zustand der vorhandenen Bausubstanz unerwartet positiv bewertet wurde. Auf Basis der vorliegenden Untersuchungsergebnisse sei die TV-Halle insbesondere wegen der deutlich geringeren Investitionskosten, der gut erhaltenen Substanz sowie immissionsschutzrechtlicher Schwierigkeiten an mehreren Alternativstandorten als vorzugswürdige Variante eingestuft worden.
Bürgermeister Gärtner verwies bei den Beratungen zudem auf die angespannte Haushaltslage der Gemeinde, die einen Neubau schlichtweg nicht mehr zulasse. Das Sondervermögen des Bundes eröffne der Kommune jedoch den nötigen finanziellen Spielraum. Im Gemeindevorstand herrsche die Überzeugung, dass dieses Geld am besten in ein Bürgerhaus für die gesamte Großgemeinde investiert werden könne. Gärtner betonte die Tragweite des Votums und erklärte, die Gemeindevertretung könne nun auf den roten Knopf drücken und das Projekt nach so vielen Jahren endlich starten.
Innerhalb der Fraktionen zeigte sich Erleichterung darüber, nach der langwierigen Diskussion zu einem gemeinsamen Ergebnis gelangt zu sein. CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Huber sprach davon, nun den gordischen Knoten durchschlagen zu wollen. Die Sanierung und der Ausbau des in die Jahre gekommenen Gebäudes seien die richtige Entscheidung, wofür die Sondermittel des Bundes eine günstige Gelegenheit böten. Für die FDK begrüßte Julia Rodriguez den Beschluss und bezeichnete es als vernünftig, auf den Bestand zu setzen, statt einen Neubau zu forcieren. Sie verband damit die Hoffnung, dass die modernisierte Halle künftig allen Vereinen offenstehe, die sie benötigen.
SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Leitschuh unterstützte die Standortwahl ebenfalls und nannte die Entscheidung für das Vereinsgebäude konsequent. Man schaffe eine zeitgemäße Halle, gebe dem TV Flieden eine verlässliche Zukunftsperspektive und belebe einen traditionsreichen Standort neu. Der Verein hätte eine solche Maßnahme aus eigener Kraft nicht finanzieren können, weshalb das Sondervermögen eine einmalige Chance darstelle. Zustimmung kam auch von der FDP: Fraktionschef Mario Klotzsche hob hervor, dass die Kommune viel Geld spare und bestehende Werte saniert würden. Trotz noch offener Detailfragen, etwa beim Lärmschutz, sei die Wahl der TV-Halle der richtige Weg.
Mit der Umsetzung soll künftig mehr entstehen als eine reine Turnhalle. Geplant ist ein zentraler Treffpunkt für das Vereins- und Kulturleben in Flieden. Neben Konzerten und Theateraufführungen sind Fastnachtssitzungen, Jubiläen, Ehrungen, Versammlungen sowie private Feiern vorgesehen, während die bisherige Funktion als Sport- und Turnhalle uneingeschränkt erhalten bleibt. Damit verfügt Flieden nach fünf Jahrzehnten erstmals über eine verbindliche Lösung, die das Vereinsleben sowie das kulturelle und gesellschaftliche Miteinander vor Ort nachhaltig sichert. +++
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