Selten fallen kommunalpolitische Entscheidungen einstimmig aus, wenn es um verkehrspolitische Maßnahmen geht. In Eichenzell jedoch herrschte Einigkeit: Die Gemeindevertretung hat einen Antrag der Bürgerliste zur Verbesserung der Verkehrssicherheit an der Gersfelder Straße geschlossen unterstützt und damit ein deutliches Signal für mehr Schutz und Teilhabe im öffentlichen Raum gesetzt.
Im Mittelpunkt steht ein Straßenabschnitt im Bereich der Neulandstiftung und des Herrenhauses, der von vielen Menschen täglich genutzt wird. Insbesondere ältere Bürgerinnen und Bürger, Menschen mit Behinderungen sowie Bewohner der umliegenden Einrichtungen sehen sich dort regelmäßig mit der Herausforderung konfrontiert, eine stark befahrene Straße sicher zu überqueren. Aus Sicht der Bürgerliste besteht deshalb Handlungsbedarf.
Der Antrag sieht zunächst vor, prüfen zu lassen, welche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation möglich sind. Dabei geht es sowohl um eine mögliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer als auch um die Einrichtung einer sicheren und barrierefreien Querungsmöglichkeit. Als denkbare Lösung wird unter anderem ein Zebrastreifen genannt.
Für die Bürgerliste steht dabei weniger die verkehrstechnische Betrachtung im Vordergrund als die konkrete Alltagserfahrung der Betroffenen. „Es geht hier nicht nur um Verkehrszahlen, Straßenbreiten oder eine Tempo-30-Regelung. Es geht um Menschen, die jeden Tag vor der Herausforderung stehen, diese Straße sicher zu überqueren“, erklärt Udo Bauch, Fraktionsmitglied der Bürgerliste und ehemaliger ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter. Die Frage der Inklusion dürfe nicht an den Grenzen privater Lebensbereiche enden. Wer gesellschaftliche Teilhabe ernst nehme, müsse dafür sorgen, dass sich Menschen auch im öffentlichen Raum sicher und eigenständig bewegen können.
Bauch kennt die Situation aus eigener Anschauung. Während seiner Zeit als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter hat er die Überquerung der Gersfelder Straße gemeinsam mit Betroffenen erlebt. Die Erfahrungen hätten gezeigt, wie belastend der Straßenverkehr an dieser Stelle für Menschen mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen sein kann. Für Personen mit Rollator oder Rollstuhl ebenso wie für Menschen mit Seh- oder Gehbeeinträchtigungen werde die Straße schnell zu einem Hindernis im Alltag.
Deshalb will sich Bauch auch über die politische Entscheidung hinaus in den weiteren Prozess einbringen. Er kündigte an, für gemeinsame Ortstermine mit den zuständigen Behörden jederzeit zur Verfügung zu stehen. Aus seiner Sicht sei es entscheidend, die Situation nicht ausschließlich anhand von Plänen, Zahlen oder Gutachten zu bewerten. Wer die tatsächlichen Herausforderungen verstehen wolle, müsse die Gegebenheiten vor Ort aus der Perspektive der betroffenen Menschen betrachten.
Die Bürgerliste wertet die einstimmige Zustimmung der Gemeindevertretung als ermutigendes Zeichen. Das Votum zeige, dass Fragen der Sicherheit, der Rücksichtnahme und der gesellschaftlichen Teilhabe in Eichenzell über Parteigrenzen hinweg als gemeinsame Aufgabe verstanden werden. Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten häufig von Gegensätzen geprägt sind, erhält ein solcher Konsens besonderes Gewicht.
Mit der Entscheidung beginnt nun die nächste Phase des Verfahrens. Gemeindevorstand, Landkreis und die zuständigen Fachbehörden sollen prüfen, welche Maßnahmen rechtlich und praktisch umgesetzt werden können. Die Bürgerliste verbindet mit diesem Prozess die Hoffnung, dass am Ende eine sichere Querungsmöglichkeit entsteht. Eine solche Lösung würde nicht nur die Verkehrssicherheit erhöhen, sondern zugleich ein sichtbares Zeichen dafür setzen, dass Inklusion und Menschlichkeit im Alltag einer Gemeinde ihren konkreten Ausdruck finden können. +++
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