Mystery-Musical „Der Schimmelreiter“ eröffnet Fuldaer Musical Sommer

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Im Schlosstheater Fulda ist gestern Abend mit der Premiere von „Der Schimmelreiter – Ein Mystery-Musical“ eine weitere Spotlight-Produktion vor ausverkauftem Haus gebührend gefeiert und damit der Fuldaer Musical Sommer eröffnet worden. Das Publikum feierte die über 90-minütige Bühnenadaption am Schluss mit minutenlangem Beifall.

Dass ein literarischer Stoff aus dem Schulkanon – oft bereits in der Sekundarstufe I ein großes Musicalpublikum fesseln kann, ist keineswegs selbstverständlich. In der Musical- und Kulturstadt Fulda ist am Freitagabend genau das gelungen: Mit der Weltpremiere von „Der Schimmelreiter – Ein Mystery-Musicals“ hat die Fuldaer Musicalproduktionsfirma „Spotlight Musicals“ Theodor Storms berühmte Novelle aus der Literaturepoche des Bürgerlichen Realismus in eine aufwendige Bühneninszenierung adaptiert, diese die düstere Kraft der Vorlage bewahrt und zugleich eigene und verklärte Akzente setzt.

Schon die ersten Bilder machen deutlich, welchen Anspruch die Produktion verfolgt. Wind peitscht durch den Zuschauerraum, gewaltige Wellen rollen über eine riesige LED-Leinwand, Nebel zieht über die Bühne – die Geschichte des Deichgrafen Hauke Haien, gespielt von Sascha Kurth, entfaltet sich in einer Welt, die von Naturgewalten beherrscht wird und in der sich Realität und Aberglaube unaufhörlich überlagern. Komponist und Autor Dennis Martin hat Storms Erzählung dabei nicht nur adaptiert, sondern sie um die Atmosphäre einer Gothic Novel erweitert. Aus der bekannten Vorlage entsteht ein Musical, das weniger auf spektakuläre Effekte allein als auf Stimmung, Emotionen und innere Konflikte setzt.

Einen wesentlichen Anteil daran hat die Inszenierung von Regisseur Simon Eichenberger. Mit präzise choreografierten Ensembleszenen, modernen Tanzelementen und einer technisch anspruchsvollen Bühnenumsetzung verwandelt sich das Schlosstheater immer wieder in eine von Wind und Wasser geprägte Küstenlandschaft. Wolken türmen sich auf, Deiche brechen, Sturmfluten nähern sich. Die Kombination aus LED-Technik, Windmaschinen, Lichtgestaltung und Drehbühne erzeugt eine eindringliche Dynamik, die das Publikum unmittelbar in die raue Welt Nordfrieslands versetzt.

Bei der Exposition passierte jedoch etwas Unvorhergesehenes, das es so in über 20 Jahren Spotlight-Produktion wohl auch noch nicht gegeben hat. Die Vorstellung hatte gerade wenige Minuten begonnen, als die LED-Wand ausfiel. Doch bei dieser Zäsur blieb es nicht. Der Ausfall eines Mikrofons bei einem Solisten brachte eine weitere Verzögerung von wenigen Minuten. Doch Produzent und Geschäftsführer Peter Scholz wusste wie immer souverän zu überbrücken. Bei der Generalprobe sei nahezu alles schiefgelaufen, was schiefgehen konnte, etwas, das Dramaturgen für die Eröffnungspremiere positiv deuten. Nach knapp 15 Minuten konnten die technischen Probleme behoben und die Vorstellung fortgesetzt werden.

Zu den eindrucksvollsten Elementen der Inszenierung zählt der titelgebende Schimmel. Die eigens in einer südafrikanischen Spezialwerkstatt gefertigte Pferdepuppe wird von zwei Darstellern bewegt und entwickelt auf der Bühne eine bemerkenswerte Präsenz. Sie verleiht der Figur des geheimnisvollen Tieres jene Unwirklichkeit, die bereits in Storms Novelle eine zentrale Rolle spielt, und wird damit zum sichtbaren Bindeglied zwischen Wirklichkeit und Legende.

Auch die Besetzung trägt wesentlich zur Wirkung des Abends bei. Sascha Kurth gestaltet die Figur des Hauke Haien als Mann zwischen Vernunft und Leidenschaft, zwischen Fortschrittsglauben und persönlicher Zerrissenheit. Seine Rolle macht deutlich, dass der Deichgraf nicht allein von Logik und Berechnung geleitet wird, sondern von dem Wunsch, etwas verändern zu wollen und gegen Widerstände anzukämpfen.

Pamina Lenn setzt als Elke Volkerts einen überzeugenden Gegenpol. Ihre Darstellung verbindet Stärke, Selbstbewusstsein und Einfühlsamkeit und verleiht der Beziehung der beiden Hauptfiguren Glaubwürdigkeit und emotionale Tiefe. Dennis Henschel und Anja Backus sorgen als Antagonisten-Pärchen, Ole Peters und Vollina Harders, im Stück für Spannung und Dramatik. Unverklärt hat das Kreativteam den Charakter der alten Trin Jans, gespielt von Kaatje Dierks, übernommen, deren Angora-Kater, der auf der Bühne überraschend viel Eigendynamik entwickelt, vom jungen Hauke Haien totgeschlagen wurde, da sich dieser an seinem verletzten Vogel vergriff. Auch das übrige Ensemble fügt sich geschlossen in das Gesamtbild ein.

Für Spotlight Musicals ist die Produktion von „Der Schimmelreiter“ nach dem literarischen Klassiker von Theodor Storm mehr als nur eine weitere Premiere. Während frühere Werke wie „Bonifatius“ (2004), „Kolpings Traum“ (2013) oder „Die Päpstin“ (2011) häufig auf Heiligen-Legenden zurückgehen oder in Fulda ihren Originalschauplatz haben, galt der „Schimmelreiter“ lange als schwieriger Kandidat für die große Musicalbühne. Für Dennis Martin und Peter Scholz war die Beschäftigung mit dem Stoff nach eigenen Angaben jedoch eine langgehegte Herzensangelegenheit. Entsprechend groß war das Risiko, einen literarisch anspruchsvollen Klassiker für die Musical zu schreiben.

Produzent Peter Scholz machte kurz bevor er die Bühne für sein jüngstes Stück freigab, keinen Hehl daraus, das von einer solchen Produktion auch ein hoher Erwartungsdruck mitschwinge, die dementsprechend auch Gefahr laufe, zu scheitern. Gerade darin liege aber auch ein besonderer Reiz, weil das Stück nicht den vertrauten Mustern eines gewissen Genres folge, sondern ganz bewusst auch die Auseinandersetzung suche.

Von einem möglichen Scheitern war bei der gestrigen Eröffnungspremiere des Fuldaer Musical Sommer keine Spur. Die große Resonanz, die die Fuldaer Musical Produktionsfirma bislang verzeichne, widerlegt anfangs gehegte Zweifel. So wurden nach Angaben von Spotlight Musicals schon vor der Premiere bereits 46.000 Karten für mehr als 90 Shows verkauft. Aufgrund der hohen Nachfrage wird die Spielzeit bis zum 6. September dieses Jahres verlängert.

Die Fuldaer Uraufführung zeigt damit nicht nur, dass literarische Klassiker auf der Musicalbühne bestehen können. Sie verdeutlicht auch, dass Geschichten von Macht, Fortschritt, Naturgewalten und menschlichen Konflikten ihre Wirkung nicht verlieren, wenn sie neu erzählt werden. Gerade der „Schimmelreiter“, oft auf die Erinnerung an den Schulunterricht reduziert, erweist sich in Fulda als überraschend gegenwärtiger Stoff – düster, emotional und von einer Aktualität, die weit über die nordfriesische Küste hinausreicht.

Zu den zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft zählten unter anderem auch die Hessische Ministerin für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege, Staatsministerin Diana Stolz, der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Michael Brand MdB, der Landrat des Landkreises Fulda sowie Präsident des Hessischen Landkreistages Bernd Woide, Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, dessen Vorgänger Gerhard Möller und Dr. Alois Rhiel, Minister des Landes Hessen a.D., Fuldas Bürgermeister Dag Wehner sowie dessen Vorgänger Dr. Wolfgang Dippel, Staatssekretär a.D. +++ nh/ja


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1 Kommentar

  1. Schön, dass hier offenbar noch Berichterstattung stattfindet. Bei manch anderen Beiträgen dominieren dagegen Fotos – Bilder, Bilder, Bilder. Zu sehen sind meist die immer gleichen Vertreter der sogenannten osthessischen Gesellschaft.

    Die eigentliche Frage bleibt jedoch: Worum ging es bei der Weltpremiere? Interessant war doch vor allem das Stück selbst – seine Handlung, seine Besonderheiten und die Reaktionen des Publikums. Darüber erfährt man auf anderen Seiten leider oft nur wenig. Umso ausführlicher wird dagegen gezeigt, wer anwesend war und auf den Bildern zu sehen ist.

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