Das Erinnern an die Schicksale ermordeter Juden, jüdisches Leben in der Nachbarschaft, der Abbau von Vorurteilen und der Umgang mit antisemitischen Äußerungen: Mit all diesen Themen haben sich Jugendliche aus Bensheim, Biedenkopf, Frankfurt, Grünberg, Hanau und Wiesbaden beschäftigt. Die Ergebnisse aus den Schulprojekten – Gemälde, Fotografien, Interviews oder 3D-Simulationen – wurden im Hessischen Landtag vorgestellt. Die Aktion bildete den Abschluss der Bildungsreihe „Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart“.
Die Initiatorin der Reihe, Landtagspräsidentin Wallmann, betonte die Bedeutung solcher Angebote, insbesondere nach dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel: „Die antisemitischen Zerrbilder, Lügen und Verschwörungsmythen, die im Netz kursieren und über die digitalen Plattformen millionenfach weiterverbreitet werden, verfangen insbesondere bei oftmals noch sehr jungen Nutzerinnen und Nutzern. Hierin sehe ich eine große Gefahr, der wir durch Aufklärung sehr gezielt begegnen müssen.“
Begegnung schafft Verständnis: „Jüdisches Leben gehört zu Hessen“
Teil des Aktionstages mit etwa 200 Jugendlichen war das Format „Meet a Rabbi“, bei dem junge Menschen mit dem Rabbiner Julian-Chaim Soussan ins Gespräch kamen. Landtagsvizepräsidentin Dr. Daniela Sommer sagte zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: „Heute endet eine Veranstaltungsreihe. Unsere Verantwortung endet nicht. Denn jüdisches Leben gehört selbstverständlich zu Hessen. Es soll nicht allein als Teil unserer Erinnerung sichtbar sein, sondern als lebendiger Teil unserer gemeinsamen Gegenwart und Zukunft. Dafür einzustehen ist eine Aufgabe, die wir alle miteinander teilen.“
Uwe Becker, Beauftragter der Landesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, ergänzte: „Der Schlüssel im Kampf gegen Antisemitismus liegt in einer von demokratischer Haltung und Respekt geprägten Bildung. Je früher und umfassender Begegnung mit jüdischem Leben stattfindet und Wissen vermittelt wird, desto weniger können sich antisemitische Stereotype verbreiten. Deshalb freue ich mich über das Engagement der beteiligten Schulen und ihrem Verständnis von gelebter und gestalteter Demokratie.“
„Die Projekte machen Mut, nicht zu schweigen.“
Daniel Neumann, Landesvorsitzender der Jüdischen Gemeinden dankte ebenso den Jugendlichen für ihre Auseinandersetzung mit jüdischem Leben im Alltag: „Diese Projekte müssen weiterleben durch Gespräche mit Freunden, in Ausstellungen, bei neuen Begegnungen. Sie machen Mut, nicht zu schweigen, wenn jemand wegen seiner Herkunft oder seines Glaubens abgewertet wird. Dies bedeutet auch, die Geschichte Israels viel stärker im Schulunterricht zu thematisieren und das kritische Denken zu fördern. Wenn jungen Menschen dieses Wissen fehlt und Informationen nicht kritisch hinterfragen können, sind sie dem Hass und der Propaganda ausgeliefert.“
Auch Manuel Lösel, Staatssekretär im Bildungsministerium, sprach mit den Jugendlichen bei ihren Projektpräsentationen. Er sagte: „Wir dürfen so viele junge motivierte Menschen erleben. Sie interessierten sich für das jüdische Leben und stellen sich gegen Antisemitismus: Das verdient Anerkennung und sollte uns alle zu noch mehr Engagement ermutigen. Unseren Schulen kommt beim entschlossenen und frühzeitigen Vorgehen gegen antisemitische Tendenzen und in der Prävention bei Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle zu.“ +++





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