Antisemitismus: Semmelroth nimmt Arbeit auf

Bouffier: „Wir setzen ein klares Zeichen, dass Hass und Hetze gegen Juden in Hessen keinen Platz haben“

Ministerpräsident Volker Bouffier überreicht Prof. Dr. Felix Semmelroth seine Ernennungsurkunde zum Antisemitismusbeauftragten der Hessischen Landesregierung, es gratulieren Prof. Dr. Salomon Korn (Vorsitzender des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Frankfurt) und Dr. Jacob Gutmark (Vorsitzender des Landesverbands der jüdischen Gemeinden Hessen) (von links). Bild: Hessische Staatskanzlei.

Ministerpräsident Volker Bouffier hat am Montag den Antisemitismusbeauftragten der Hessischen Landesregierung, Professor Dr. Felix Semmelroth, vorgestellt. „Mit der Berufung von Professor Semmelroth zum Antisemitismusbeauftragten setzen wir ein klares Zeichen, dass Hass und Hetze gegen Juden in Hessen keinen Platz haben. Der Antisemitismus wird stärker, die Vorfälle werden sichtbarer und die Hemmschwellen sinken. Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Professor Semmelroth wird dazu beitragen, den Antisemitismus in unserem Land mit aller Kraft zu bekämpfen. Er ist eine geachtete Persönlichkeit, mit dem jüdischen Leben vertraut und hat sich bereits während seiner Amtszeit als Kulturdezernent der Stadt Frankfurt dezidiert gegen Judenhass und für die historische Aufarbeitung des Holocaust eingesetzt. Ich bin überzeugt, dass er dieses verantwortungsvolle Amt, das er heute in der Staatskanzlei antritt, hervorragend ausfüllen wird“, sagte Volker Bouffier.

Der 68 Jahre alte Frankfurter soll als unabhängiges Bindeglied zwischen den jüdischen Gemeinden in Hessen und der Landesregierung fungieren und Konzepte und Strategien entwerfen, um Judenhass und Vorurteilen in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Die neue Aufgabe werde fordernd sein, aber Professor Semmelroth fange nicht bei Null an: „Die Hessische Landesregierung ist sich seit Jahrzehnten der besonderen Verantwortung für jüdisches Leben bewusst. Wir stehen fest an der Seite der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger und werden nicht müde, daran zu erinnern, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich jüdisches Leben in Hessen entfalten konnte“, sagte Volker Bouffier. „Unser Land hat seit langem eine führende Rolle in Deutschland im Bereich der Extremismusprävention. Vor allem an unseren Schulen dürfen wir nicht nachlassen, genau hinzuschauen, Sensibilitäten zu schaffen, aufzuklären, geschichtliche und historische Zusammenhänge zu vermitteln und gegenzusteuern. Die bisher erfolgte Arbeit gilt es weiter zu fördern.“ Zudem habe die Landesregierung erst vor Kurzem ein spezielles Dezernat beim Landesamt für Verfassungsschutz für die wissenschaftliche Beobachtung des Antisemitismus eingerichtet – das sei bundesweit einmalig.

„Um die Anstrengungen im Kampf gegen Extremismus zu verstärken, um Vorurteilen entgegen zu wirken und das jüdische Leben in Hessen zu fördern, dient nun ergänzend das Amt des Antisemitismusbeauftragten“, sagte der Ministerpräsident. Professor Semmelroth ist unter anderem Ansprechpartner für Fragestellungen und Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus und wird die Zusammenarbeit und Vernetzung der bereits bestehenden Aktivitäten der Landesregierung gegen Antisemitismus verstärken, bestehende Präventionsmaßnahmen bündeln und fördern sowie eigene Strategien und Handlungsempfehlungen entwickeln. Auch die Kontaktpflege zu Verbänden, Vereinen und Institutionen, die sich mit jüdischem Leben und dem Kampf gegen Antisemitismus in Hessen, in anderen Bundesländern und auf Bundesebene befassen, gehört zu seinen Aufgaben. „Das ist wahrlich ein breites Spektrum und noch längst nicht alles. Das Amt ist neu und es wird durch die Ausübung sein endgültiges Profil gewinnen“, sagte der Regierungschef.

Professor Semmelroth ergänzte: „Dass es überhaupt der Funktion von Antisemitismusbeauftragten mehr als 70 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur bedarf, zeugt von der ungebrochenen Virulenz des Phänomens. Unstreitig ist, dass es gerade in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten immense pädagogische und soziale Anstrengungen zur Aufklärung über den Nationalsozialismus und zur Bekämpfung des Antisemitismus, gerade auch in Hessen, gab. Gleichwohl hat sich an antisemitischen Einstellungen in allen Generationen wenig geändert.“ Nach wie vor sei zutreffend, was Theodor W. Adorno 1959 in seinem Vortrag „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“ gesagt habe: „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären. Nur weil die Ursachen fortbestehen, ward sein Bann bis heute nicht gebrochen.“

Abschließend unterstrich Volker Bouffier: „In Hessen darf kein Platz sein für Antisemitismus, Extremismus oder Rassismus. Jeder einzelne Vorfall ist ein Vorfall zu viel. Und egal, ob diese Übergriffe von Rechtsextremisten, von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft oder Personen mit arabisch-muslimischem Hintergrund begangen werden – wir akzeptieren das nicht. Deshalb freue ich mich, dass wir nunmehr in Hessen einen weiteren Schritt gehen, um gegen Antisemitismus vorzugehen. Ich danke Herrn Professor Semmelroth für die Bereitschaft, dieses Amt zu übernehmen und wünsche ihm viel Erfolg.“ +++

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