In Hessen dürfen sich 90 Schulen für die kommenden zwei Jahre „Hessische Umweltschulen“ nennen. Die entsprechenden Urkunden wurden in Kassel von Bildungsstaatssekretär Dr. Manuel Lösel und Michael Ruhl, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, überreicht. 23 der ausgezeichneten Schulen nehmen erstmals an dem Landesprogramm teil.
Für die Auszeichnung haben Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zwei Jahre lang an Projekten zur nachhaltigen Entwicklung gearbeitet. Begleitet und beraten wurden sie dabei von abgeordneten Lehrkräften an außerschulischen Umweltzentren. Die Projekte reichen von Schulgärten mit Blühwiesen sowie Gemüse- und Obstanbau über sogenannte Grüne Klassenzimmer bis hin zu Maßnahmen zur Mülltrennung und Abfallvermeidung. Auch die Folgen von Handel und Konsum, klimafreundliche Ernährung in Schulkiosken und Mensen, Energiesparen und nachhaltige Mobilität waren Gegenstand der Arbeit. Darüber hinaus beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit Themen der politischen Bildung, darunter Kinderrechte und globale Verteilungsfragen.
„Wissen allein verändert noch nichts. Erst wenn aus Wissen Überzeugung und aus Überzeugung Handeln wird, entsteht Veränderung“, sagte Staatssekretär Dr. Manuel Lösel bei der Auszeichnung. Genau das führten die Umweltschulen vor Augen. Wer einen Schulgarten pflege, verstehe den Wert von Lebensmitteln auf eine andere Weise, wer Lebensräume für Insekten schaffe, erlebe Artenvielfalt nicht nur im Lehrbuch. Wer eigene Ideen umsetze, erfahre zudem, dass Engagement etwas bewirken könne. Lösel dankte den Schülerinnen und Schülern, ihren Lehrkräften und Schulleitungen sowie den Umweltzentren, die die Schulen mit Fachwissen und Engagement begleiten.
Staatssekretär Michael Ruhl betonte die Bedeutung der Umweltschulen für Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Durch die Projekte lernten Schülerinnen und Schüler praxisnah und nachhaltig Wissenswertes rund um Natur-, Arten- und Klimaschutz und entwickelten dabei auch eigenständig Lösungen.
Die Aktivitäten finden nicht nur in einzelnen Projekten statt, sondern werden in Arbeitsgemeinschaften und Ganztagsangeboten, bei Projekttagen und Projektwochen sowie im Unterricht umgesetzt. Auf diese Weise sollen Strukturen im Schulalltag entstehen, die das Engagement langfristig tragen. Durch eine wiederholte Teilnahme am Landesprogramm können Schulen ihre Arbeit und die Qualität ihrer Aktivitäten Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Mit den nun ausgezeichneten 90 Schulen gibt es in Hessen insgesamt 226 Umweltschulen aller Schulformen. 136 Schulen waren bereits im vergangenen Jahr ausgezeichnet worden. Die neuen Schulen dürfen sich für zwei Jahre Umweltschule nennen, 23 von ihnen sind erstmals Teil des Programms. Über die aktuelle Auszeichnung entschied im Juni 2026 eine Jury aus den Leitungen aller elf Umweltzentren des Landesprogramms und abgeordneten Lehrkräften.
Auch Osthessen ist in dem Landesprogramm breit vertreten. Aus Fulda nehmen die Brüder-Grimm-Schule, die Marienschule, die Rabanus-Maurus-Schule, die Eduard-Stieler-Schule, die Bardoschule und die Geschwister-Scholl-Schule teil. Hinzu kommen das Kompetenzzentrum für Sprache und Erziehung Petersberg, die Keltenwallschule Margretenhaun in Petersberg sowie die Grundschule Marbach. Aus Gersfeld sind die Rhönschule, die Otto-Lilienthal-Schule und die Anne-Frank-Schule dabei. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Ulstertalschule Hilders, die Wigbertschule und die Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld. Aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg gehören die Ernst-von-Harnack-Schule Bad Hersfeld, die Schule für Erwachsene Osthessen in Bad Hersfeld, die Jakob-Grimm-Schule Rotenburg an der Fulda und die Modellschule Obersberg Bad Hersfeld dazu.
Das Programm „Umweltschule – Lernen und Handeln für unsere Zukunft“ ist eine gemeinsame Initiative des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen und des Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat. Teilnehmende Schulen erhalten auf ihrem Weg zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung unter anderem Fortbildungen, Fachtagungen und fachliche Unterstützung. Das Angebot richtet sich an alle Schulformen – von Grundschulen über Haupt-, Real- und Mittelstufenschulen, Gymnasien und Gesamtschulen bis hin zu Berufsschulen.
Die Ausschreibung „Umweltschule“ gibt es in Hessen seit 1999. Im Jahr 2021 wurden die Hessischen Umweltschulen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen UNESCO-Kommission als hervorragende Bildungsinitiative für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Die Jury hob damals insbesondere hervor, dass das Netzwerk Hessische Umweltschulen dazu beitrage, Nachhaltigkeit stärker in der deutschen Bildungslandschaft zu verankern.
Die große Zahl der teilnehmenden Schulen zeigt, dass Umweltbildung längst nicht mehr auf einzelne Aktionstage beschränkt ist. Schulgärten, Energieprojekte, Abfallvermeidung, nachhaltige Ernährung oder die Beschäftigung mit globalen Verteilungsfragen werden zunehmend mit dem normalen Schulalltag verbunden. Entscheidend wird dabei sein, ob aus einzelnen Projekten dauerhaft gelebte Strukturen werden. Genau darauf zielt das Landesprogramm mit seiner wiederholten Teilnahme und der langfristigen Begleitung der Schulen. +++





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