Mit der Umstellung auf die Winterzeit beginnen das hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, der ADAC Hessen-Thüringen und der Landesjagdverband Hessen eine gemeinsame Hörfunk- und Social-Media-Kampagne gegen Wildunfälle. Unter dem Motto „Wildunfälle verhindern – Tierleid vermeiden“ werden Informationsbeiträge als Verkehrstipps direkt im Umfeld der regulären Verkehrsmeldungen im Radio platziert, wenn viele Berufstätige auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Heimweg sind. Parallel dazu veröffentlichen die beteiligten Institutionen Aufklärungsinhalte über ihre eigenen Social-Media-Präsenzen.
Vor allem auf Landstraßen sowie an unübersichtlichen Wald- und Feldrändern raten die Experten dazu, die Fahrgeschwindigkeit zu verringern, ausreichend Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug zu halten und die Straßenränder aufmerksam zu beobachten. Wird ein Tier am Rand der Fahrbahn gesichtet, sollte der Fahrer das Tempo kontrolliert verringern, das Fernlicht unverzüglich ausschalten und bei Bedarf hupen. Zudem muss in solchen Situationen stets damit gerechnet werden, dass weitere Tiere aus dem Rudel nachfolgen.
Springt ein Wildtier plötzlich direkt vor das Fahrzeug auf die Fahrbahn, gilt es, das Lenkrad mit beiden Händen fest im Griff zu behalten, sofort eine Vollbremsung auszuführen und die eigene Spur nicht zu verlassen. Riskante Lenk- und Ausweichmanöver führen häufig zu ungleich schwereren Unfällen, da das Auto dabei in den Gegenverkehr geraten, von der Straße abkommen oder gegen einen Baum prallen kann.
Hessens Verkehrsminister und stellvertretender Ministerpräsident Kaweh Mansoori hob hervor, dass jeder Verkehrsteilnehmer sicher an sein Ziel kommen müsse. Auf dem Land stelle der Wildwechsel in der Morgen- und Abenddämmerung ein wiederkehrendes Risiko dar, auf das Autofahrer eingestellt sein müssen. Wer an Wald- und Feldrändern langsamer und mit erhöhter Aufmerksamkeit unterwegs sei, gewinne entscheidende Bremszeit, was Menschenleben schütze und Tierleid mindere.
Auch der Präsident des Landesjagdverbandes Hessen, Jürgen Ellenberger, betonte: „Wenn ein Tier unvermittelt auf die Fahrbahn läuft, heißt es: Lenkrad mit beiden Händen festhalten, sofort stark bremsen und in der eigenen Fahrspur bleiben. Ein riskantes Ausweichmanöver kann weitaus schlimmere Folgen haben.“ Jeder auf diese Weise verhinderte Unfall vermeide schwere Verletzungen bei Fahrzeuginsassen und erspare den Wildtieren erhebliche Qualen.
Victoria Herzig, Vorstandsmitglied für Verkehr, Umwelt und Technik des ADAC Hessen-Thüringen, appellierte ebenfalls an die Autofahrer, Gefahrenstellen rechtzeitig zu registrieren und die Fahrweise entsprechend defensiv zu gestalten. Auf Straßenabschnitten mit möglichem Wildwechsel sollten Verkehrsteilnehmer durchgehend bremsbereit bleiben.
Sollte eine Kollision trotz Bremsung nicht mehr abzuwenden sein, darf nicht versucht werden, dem Tier um jeden Preis auszuweichen. Bei einem Zusammenstoß mit einem Rothirsch bei Tempo 60 wirken zwar Kräfte von rund fünf Tonnen auf den Wagen ein, dennoch gehen die allermeisten Wildunfälle für die Insassen ohne Personenschäden aus.
Kommt es dennoch zum Zusammenprall, muss die Unfallstelle umgehend abgesichert werden: Zuerst wird die Warnblinkanlage eingeschaltet, der Wagen am rechten Seitenstreifen abgestellt, die Warnweste angelegt und das Warndreieck vorschriftsmäßig aufgestellt. Danach ist die Polizei über den Notruf 110 zu verständigen, bei Verletzten unverzüglich der Rettungsdienst unter 112. Von verletzten Wildtieren müssen Autofahrer Abstand halten, damit die Tiere nicht in Panik verfallen und womöglich erneut auf die Straße laufen.
Für die Schadenregulierung mit der Teilkaskoversicherung ist eine Wildunfallbescheinigung erforderlich, die entweder von der Polizei oder vom zuständigen Jäger ausgestellt wird. Wenn das Tier verletzt geflüchtet ist, leitet die Polizei die Meldung an den örtlichen Jagdpächter weiter. Die Unfallstelle sollte in diesem Fall am Fahrbahnrand gut sichtbar markiert werden, um den Jägern die spätere Nachsuche zu erleichtern. +++




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