90 Jahre Musikverein Blankenau: Ein Verein zwischen Tradition, Blasmusik und Geselligkeit

Der Musikverein 1936 e. V. im Jubiläumsjahr 2026. Foto: privat

Hosenfeld-Blankenau. Der Musikverein Blankenau 1936 e.V. feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass laden die „Blankenauer Musikanten“ am Sonntag, 20. September 2026, zu einem Tag der Blasmusik in das Sport- und Bürgerhaus in Blankenau ein. Die Feierlichkeiten beginnen um 10 Uhr mit einem musikalischen Frühschoppen. Bereits während der Jahreshauptversammlung im April dieses Jahres waren zahlreiche aktive und passive Mitglieder für ihre Verdienste mit einer Urkunde und der Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet worden.

Die Geschichte des Musikvereins reicht bis in das Jahr 1936 zurück. Seine Entstehung verdankte der Verein dem damaligen Bürgermeister Leo Schlitzer und dem Ortsbrandmeister Anton Wess. An der Gründung beteiligt und zugleich aktiv waren Josef Appel, Wilhelm Wess, August Michel, Josef Michel, Willi Pfeffer, Willi Reith, Roman Schad, Leo Schenk, Emil Scheibelhut und Emil Schlitzer.

Der erste Auftritt des neu gegründeten Vereins fand 1936 bei der Fronleichnamsprozession unter dem Dirigenten Adolf Dehler statt. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden kirchliche und weltliche Feste musikalisch umrahmt. Nach einer Unterbrechung trafen sich ab 1955 regelmäßig sonntags weitere Musikbegeisterte auf dem Tannenhof, den „Höf“ zwischen Blankenau und Hosenfeld, um gemeinsam zu proben. Zu ihnen gehörten Hans Gies, Karl Schenk, Karl Kress, Karl Knobloch, Rudolf von Keitz, Hans Gärtner und Willi Rützel. Später kamen Willi Schmitt, Ewald Knobloch und Horst Wellenhofer hinzu.

Instrumente und Noten wurden damals aus eigenen Mitteln angeschafft. Unter der Leitung von Hans Gies begann die Gruppe auch wieder mit öffentlichen Auftritten. 1956 wurde beschlossen, einen Vorstand zu wählen. Den Vorsitz übernahm Josef Appel II., sein Stellvertreter wurde Emil Schlitzer. Karl Kress fungierte als Kassierer, Wilhelm Appel als Schriftführer. Der Mitgliedsbeitrag betrug damals zwei D-Mark.

In den 1950er- und 1960er-Jahren umrahmten die Musiker zahlreiche Veranstaltungen. Eine besondere Rolle spielten dabei Hochzeiten, von denen der Verein eine hohe Zahl musikalisch begleitete. Nach mehr als 15 Jahren Tätigkeit als Dirigent übergab Hans Gies Ende 1965 die musikalische Leitung an Richard Roffeis. Zu den damaligen aktiven Mitgliedern gehörten Karl Schenk, Ewald Schenk, Alois Kress, Manfred von Keitz, Alfred Brähler, Rudolf von Keitz, Willi Rützel, Oskar Borschel, Karl Knobloch, Karl Kress, Erhard Deigert und Gerhard Brähler.

Anfang der 1970er-Jahre widmete sich Richard Roffeis gemeinsam mit Karl Schenk, Manfred von Keitz und Rudolf von Keitz verstärkt der Ausbildung Jugendlicher. In dieser Zeit stieg die Zahl der aktiven Musiker in Blankenau sprunghaft auf rund 40 Mitglieder an. Die Nachwuchsarbeit sollte den Verein über Jahre prägen und gehört bis heute zu den Bemühungen der Verantwortlichen.

Eine besondere Verbindung zur Blankenauer Vereinsgeschichte besteht mit Generalmusikdirektor Hugo Balzer aus Düsseldorf. In den Jahren 1983 und 1984 hielt er sich in seiner ehemaligen Heimat Blankenau auf, um die Mariengrotte einzuweihen und seinen 90. Geburtstag zu feiern. Balzer unterstützte den Musikverein mit einer großzügigen Spende und überließ ihm außerdem den von ihm bereits in jungen Jahren komponierten „Blankenauer Marsch“ sowie den dazugehörenden Text „Blankenau mein Heimatland“. Hugo Balzer starb am 3. April 1985 in seinem Heimatort Hösel.

Das Jahr 1987 brachte mehrere Veränderungen für den Musikverein. Bei den damaligen Neuwahlen wurde mit Beate Dimmerling erstmals eine Frau im Blankenauer Vereinsleben zur ersten Vorsitzenden gewählt. Sie löste Emil Schlitzer ab, der dieses Amt 30 Jahre lang ausgeübt hatte und anschließend zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Zu den ersten Maßnahmen des neuen Vorstands gehörten die Anschaffung einer neuen Vereinstracht und einer Gesangsanlage. Vor allem die Gesangsanlage brachte nach Vereinsangaben neuen Schwung in das Vereinsleben. Einen wesentlichen Anteil daran hatten die Gesangsduos. Bei Auftritten wurde zu dieser Zeit erstmals die Bezeichnung „Blankenauer Musikanten“ verwendet.

1988 übernahm Gerhard Brähler den Dirigentenstab von Richard Roffeis, der zum Ehrendirigenten ernannt wurde. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein kontinuierlich weiter und absolvierte zahlreiche Auftritte im In- und Ausland sowie in den angrenzenden Bundesländern. Das Repertoire umfasste zunächst Stücke von Robert Payer und wurde nach und nach um Titel von Ernst Mosch, Elmar Wolf, Michael Klostermann und weiteren Komponisten ergänzt.

In dieser Phase entwickelte die Kapelle ihren eigenen, unverkennbaren „Egerländer Sound“. Verfeinert wurde dieser Stil durch Wochenendseminare mit dem Berufsmusiker Frank Ecker, dem ersten Flügelhornisten von Elmar Wolf.

1990 ging als „das Frauenjahr“ in die Geschichte des Musikvereins ein. Neben Beate Dimmerling als erster Vorsitzender wurden Kirsten Rost zur zweiten Vorsitzenden, Sabine Kress zur ersten Schriftführerin und Sandra Wess zur zweiten Schriftführerin gewählt. „Gott sei Dank blieben die Geldgeschäfte in Männerhand“, heißt es rückblickend in der Vereinschronik.

Seit 1999 steht Matthias Kress als erster Vorsitzender an der Spitze des Musikvereins und hat dieses Amt bis heute inne. Nach 15-jähriger Tätigkeit übergab Gerhard Brähler im selben Jahr den Taktstock an Hermann Zitfeld. Dieser setzte die musikalische Richtung fort und studierte zahlreiche neue Stücke mit den Musikanten ein. Zitfeld war außerdem über viele Jahre Jugendwart. Dieses Amt übergab er 1997 an Jürgen von Keitz, der es zehn Jahre lang erfolgreich ausübte.

Die Nachwuchsarbeit blieb für den Musikverein stets ein wichtiges Thema. Jugendliche für die Blasmusik zu begeistern und entsprechend auszubilden, gelang zunächst auch immer wieder. Heute, so beschreibt es der Verein selbst, ist diese Aufgabe deutlich schwieriger geworden. Seit den 2000er-Jahren wechselten sich im Grunde die aktuell aktiven Mitglieder mit den jeweiligen Aufgaben im Vorstandsteam ab. Freiwillige für die Vorstandsarbeit waren nur schwer zu finden, auch von außerhalb konnte niemand für einen Posten gewonnen werden.

Auch die Suche nach einem neuen Dirigenten erwies sich als schwierig, nachdem Hermann Zitfeld seinen Taktstock niedergelegt hatte. Schließlich entschied sich der Verein für den musikalischen Leiter Ansgar Schenk. Er hält die Musiker nach wie vor mit seinem Können und seiner angenehmen Art zusammen und sorgt für ein ausgewogenes musikalisches Programm.

In den vergangenen Jahren musste der Musikverein zugleich den Verlust zweier Vollblutmusiker verkraften. Dieter Honikel, der die Tuba spielte, und Joachim Faust an der Posaune hinterließen große Lücken, die im Verein nach wie vor spürbar sind.

Trotz aller Veränderungen sind den Aktiven zwei Dinge besonders wichtig geblieben: das gemeinsame Musizieren und die Geselligkeit. Vereinsfahrten sowie Wander- und Grillveranstaltungen gehören deshalb ebenso zum Vereinsleben wie die musikalischen Auftritte.

Im Jubiläumsjahr 2026 zählt der Musikverein Blankenau 1936 e.V. insgesamt 86 Mitglieder, darunter 15 aktive Musikerinnen und Musiker. Sie stammen aus Blankenau und der näheren Umgebung. Der malerische Hosenfelder Ortsteil liegt im westlichen Landkreis Fulda und zählt rund 750 Einwohner.

Ziel des Vereins ist es weiterhin, die Blasmusik und die Gemeinschaft in der Freizeit zu pflegen. Das musikalische Repertoire der „Blankenauer Musikanten“ reicht heute von volkstümlicher Blasmusik mit Gesang bis hin zu modernen Melodien aus Tanz- und Unterhaltungsmusik. In den vergangenen Jahren konnte die kleine, aber feine Besetzung erneut zahlreiche Auftritte in Hessen und den angrenzenden Bundesländern absolvieren. Besonders wohl fühlen sich die Musikerinnen und Musiker bei vollbesetzten Festzelten und insbesondere bei Kirmesveranstaltungen. Zu den aktuellen Gesangssolisten gehören Nicole und Gerhard Faust.

Das 90-jährige Bestehen soll am 20. September mit einem ganzen Tag im Zeichen der Blasmusik gefeiert werden. Beginn ist um 10 Uhr im Sport- und Bürgerhaus Blankenau mit einem musikalischen Frühschoppen. Den Auftakt gestaltet der Musikverein aus Mittelrode. Anschließend stehen die Fuldatal-Musikanten aus Kämmerzell auf dem Programm.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Ein reichhaltiger Mittagstisch aus dem Landgasthof „Zur Linde“ aus Großenlüder-Bimbach sowie unter anderem Kreuzbergbier, Kaffee und Kuchen sollen die Jubiläumsfeier abrunden.

Der Musikverein Blankenau 1936 e.V., der auch dem Kreis- und Stadtmusikverband Fulda angehört, freut sich zum 90. Geburtstag auf Gäste aus nah und fern. Der Tag der Blasmusik soll damit nicht nur an neun Jahrzehnte Vereinsgeschichte erinnern, sondern zugleich zeigen, dass gemeinsames Musizieren und Geselligkeit in Blankenau weiterhin ihren festen Platz haben. +++


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