700.000 Maifischlarven im Rhein ausgesetzt: Vier Bundesländer treiben Wiederansiedlung voran

Jung maifisch
700.000 Maifischlarven im Rhein ausgesetzt. Foto: HMLU

Am Rheinufer in Wiesbaden-Biebrich standen am Freitag nicht nur Ministerinnen und Minister im Mittelpunkt, sondern auch zwei Schulklassen, die dabei halfen, Tausende winziger Maifischlarven in den Fluss zu setzen. Gemeinsam mit Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung, Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Christine Schneider und Ministerialdirektorin Isabel Kling aus Baden-Württemberg wurden 50.000 Larven in den Rhein entlassen. Rund um den offiziellen Besatztermin sollen insgesamt etwa 700.000 Larven ausgesetzt werden.

Der Maifischbesatz findet seit Jahren im Wechsel zwischen den beteiligten Bundesländern statt und gilt als Symbolprojekt für die Rückkehr einer Fischart, die im Rhein lange verschwunden war. Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung sprach von einem erfolgreichen Vorhaben, das zeige, dass länderübergreifende Projekte funktionieren könnten, wenn sie möglichst unbürokratisch organisiert würden. Zugleich werde Natur- und Umweltschutz für Schülerinnen und Schüler greifbar gemacht.

Auch Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen wertete die Entwicklung als Zeichen dafür, dass biologische Vielfalt in den Kulturlandschaften zurückkehre. Dass der Maifisch inzwischen wieder regelmäßig den Rhein hinaufwandere und sich dort reproduziere, sei Ergebnis jahrelanger Arbeit entlang des Flusssystems. Die Wiederansiedlung solcher Wanderfische sei eine Aufgabe über Generationen hinweg.

Für Rheinland-Pfalz verwies Umweltministerin Christine Schneider auf erste sichtbare Erfolge. Pünktlich zum Welt-Wanderfischtag seien in der Mosel erwachsene Maifische gesichtet worden, die von der Nordsee über den Rhein zum Ablaichen aufgestiegen seien. Das wertete sie als Hinweis darauf, dass der Besatz mit Jungfischen Wirkung zeige. Vielfältige Ökosysteme könnten sich besser an Veränderungen anpassen, sagte Schneider, und der Maifisch sei inzwischen auch ein Indikator dafür, dass Gewässer sauberer würden und Lebensräume zurückkehrten.

Baden-Württemberg beteiligt sich nach Angaben von Ministerialdirektorin Isabel Kling seit zehn Jahren an dem Projekt und unterstützt es jährlich mit 20.000 Euro sowie personell über den Landesfischereiverband und die Fischereiverwaltung. Besonders Wanderfische in den großen Stromsystemen seien weiterhin auf Unterstützung angewiesen, damit sie sich dauerhaft wieder ansiedeln könnten.

Der Maifisch galt einst als typischer Wanderfisch in Westeuropa und war über Jahrzehnte ein bedeutender Speisefisch. Verschmutzte Gewässer, Wanderhindernisse in den Flüssen, zerstörte Laichgebiete und Überfischung führten jedoch dazu, dass die Art Mitte des 20. Jahrhunderts in den heimischen Gewässern verschwand. Das Projekt zur Wiederansiedlung wurde 2007 gestartet und läuft inzwischen in mehreren Phasen. Hessen beteiligt sich seit Beginn daran und unterstützt die aktuelle Projektphase von 2022 bis 2026 mit insgesamt 125.000 Euro. Das Gesamtbudget liegt derzeit bei rund 930.000 Euro.

Neben dem Aussetzen der Larven gehören wissenschaftliche Untersuchungen zur Bestandsentwicklung ebenso zum Projekt wie Öffentlichkeitsarbeit. Die nun im Rhein ausgesetzten Larven stammen aus der französischen Region Nouvelle-Aquitaine, einer Partnerregion Hessens. Nach einigen Monaten wandern die Jungfische ins Meer ab. Erst im Alter von drei bis fünf Jahren kehren die Tiere wieder aus dem Meer in die Flüsse zurück, um dort zu laichen.

Nach Angaben der Projektpartner zeigen Monitoringuntersuchungen bereits, dass sich Maifische im Rhein und einigen Zuflüssen wieder natürlich vermehren. Eine vollständig stabile Population, die sich ohne Unterstützung selbst erhält, gibt es bislang jedoch noch nicht. Deshalb sollen die Maßnahmen in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

An der aktuellen Projektphase sind neben Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unter anderem auch der Landesfischereiverband Baden-Württemberg, der Verband Hessischer Fischer, Sportvisserii Nederland, die französische Association MIGADO, die Alosa-Stiftung, die Rheinfischereigenossenschaft NRW sowie die Hochschule Trier beteiligt. Koordiniert wird das Projekt vom Rheinischen Fischereiverband von 1880 e. V.

Der Maifisch gehört zur Familie der Heringe und kann bis zu 70 Zentimeter groß werden. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht von Skandinavien bis nach Marokko. Heute existieren größere Bestände vor allem noch an der französischen Atlantikküste, daneben kleinere Populationen in Portugal. Der Rhein gehörte einst zu den wichtigsten Lebensräumen der Art. +++


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*