30 Millionen Euro für die Zukunft: Warum Otterbein in Müs auf klimafreundlichen Zement setzt

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Große Freude beim offiziellen Spatenstich: Die OTTERBEIN-Geschäftsführer Winfried Müller (4. v. links) und Dr. Christian W. Müller (5. v. rechts) sowie Werksleiter Dr. Tilman Scholten (5. v. links) geben gemeinsam mit den Projektverantwortlichen aus den beteiligten Unternehmensbereichen den Startschuss für das Investitionspaket ‹NovaCEM 2027›. Foto: privat

Wer über die Zukunft der Industrie in Deutschland spricht, tut das oft in düsteren Farben. Hohe Energiepreise, wachsende regulatorische Anforderungen und ein internationaler Wettbewerb, der kaum Rücksicht auf nationale Befindlichkeiten nimmt, prägen die Debatten. Umso bemerkenswerter ist die Nachricht aus Großenlüder-Müs. Dort entscheidet sich ein traditionsreiches Familienunternehmen nicht für das Abwarten, nicht für den Rückzug und auch nicht für das Verwalten des Bestehenden. Die Zement- und Kalkwerke OTTERBEIN investieren.

Mit dem Investitionspaket „NovaCEM 2027“ nimmt das Unternehmen rund 30 Millionen Euro in die Hand, um seine Produktionsprozesse grundlegend weiterzuentwickeln. Das Ziel ist ebenso anspruchsvoll wie konkret: Klimaschutz, Energieeffizienz und die langfristige Sicherung des Standorts sollen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander verbunden werden. Gerade für energieintensive Industrien sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit herausfordernd. Dass OTTERBEIN unter diesen Voraussetzungen eine derart umfangreiche Investition tätigt, ist deshalb auch ein Bekenntnis zur eigenen Zukunft und zu den Menschen, die an diesem Standort arbeiten.

Das in fünfter Generation geführte Familienunternehmen verfolgt mit dem Vorhaben das Ziel, neue klinkerreduzierte Zementsorten herzustellen, die bei gleichbleibend hoher Qualität einen um bis zu 60 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck aufweisen als herkömmliche Portlandzemente. Gleichzeitig sollen die eingesetzten Technologien die Energieeffizienz in der Zementproduktion deutlich verbessern. Der Stromverbrauch des Werks könnte dadurch um bis zu 20 Prozent sinken.

Für OTTERBEIN gehört das Projekt zu den bedeutendsten Investitionen der 137-jährigen Unternehmensgeschichte. Die erheblichen Einsparpotenziale bei Energie und CO₂ haben dazu geführt, dass das Vorhaben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Mit dem kürzlich erfolgten Spatenstich hat die praktische Umsetzung begonnen. Im Mittelpunkt steht der Bau einer hochmodernen Vertikalmahlanlage der Firma LOESCHE. Auf ihr sollen künftig verschiedene Materialien für die Zementproduktion besonders energieschonend vermahlen werden.

Zum Projekt gehören darüber hinaus eine neue Siebanlage, eine Zementmischanlage, mehrere Silos und Förderanlagen für Lagerung und Transport der Materialien sowie begleitende Umbauten im Werk. Ergänzt wird das Vorhaben durch eine KI-gestützte, vollautomatische Laborautomation, die die Qualitätssicherung und die Prozesssteuerung weiter optimieren soll. Es geht dabei nicht allein um einzelne technische Verbesserungen, sondern um einen tiefgreifenden Umbau zentraler Produktionsabläufe.

„Diese Großinvestition markiert einen wegweisenden Meilenstein in der traditionsreichen Geschichte unseres Unternehmens“, erklären die OTTERBEIN-Geschäftsführer Dr. Christian W. Müller und Winfried Müller. „Das Investitionspaket ‚NovaCEM 2027‘ knüpft nahtlos an unser Leuchtturmprojekt ‚Eco-Plus 2023‘ an, das seit seiner Umsetzung außerordentliche Maßstäbe beim Umwelt- und Klimaschutz im Zementklinkerbrennbetrieb gesetzt hat. Nun erschließen wir darauf aufbauend gänzlich neue Möglichkeiten, klinkereffiziente Zementsorten mit geringem CO₂-Fußabdruck besonders energieeffizient herzustellen. So können wir unseren Kunden künftig noch nachhaltigere Produkte bei gleichbleibend hoher Qualität anbieten und zugleich langfristig hochwertige Industriearbeitsplätze am Standort sichern.“

In einer Zeit, in der industrielle Transformation häufig mit Verzicht, Unsicherheit und Arbeitsplatzsorgen verbunden wird, erzählt die Entscheidung aus Müs eine andere Geschichte. Sie handelt von dem Versuch, die notwendigen Veränderungen aktiv zu gestalten, statt von ihnen überrollt zu werden. Der Anspruch ist hoch: Emissionen senken, Ressourcen effizienter nutzen, wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig die Perspektiven für die Beschäftigten sichern.

Der Zeitplan dafür ist ambitioniert. Die Bauarbeiten sollen gegen Ende des Jahres 2026 abgeschlossen werden. Für 2027 ist die Inbetriebnahme der neuen Anlagen vorgesehen. Die Auswirkungen dieser Investition dürften damit schon bald sichtbar werden. Für das Familienunternehmen mit seiner rund 140-köpfigen Belegschaft bedeutet das vor allem eines: Zuversicht. Nicht als Schlagwort, sondern als Ergebnis einer Entscheidung, die Geld kostet, Mut verlangt und auf die Überzeugung setzt, dass Tradition und Wandel kein Widerspruch sein müssen. +++


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