Windkraft im Dreiländereck – Projektierer reicht Unterlagen für Kohlwald ein

Bürger wütend und sauer

Windanlage

Kein anderes Gebiet Hessens, in dem Windkraftanlagen erbaut wurden oder in der Beantragung sind, ist wohl so bekannt, wie das Dreiländereck. Hier stoßen die drei Regierungspräsidien Hessens aneinander. Gebiets- und RP-übergreifend sind seit dem Jahr 2013 intensive Planungen zum Bau von Windkraftanlagen (WKA) im Gang. Aus diesem Grund haben sich die Bürgerinnen und Bürger der genannten Ortschaften bereits im Mai 2014 zur Interessengemeinschaft (IG) „Pro Lebensraum Fulda/Vogelsberg“ zusammengeschlossen, um die Überbelastung von Mensch und Natur zu verhindern. Die Gemeinden Neuhof und Flieden im Landkreis Fulda unterstützen die Bürgerinitiative aktiv.

„Nun ist das passiert, was wir von Anfang an befürchtet haben. Nachdem der Oberwald auf Steinauer Gebiet trotz starker avifaunistischer Bedenken mit acht Anlagen gebaut worden ist, wurden nun die Unterlagen für den geplanten, direkt angrenzenden Windpark Kohlwald auf Freiensteinauer Gebiet beim Regierungspräsidium (RP) Gießen eingereicht. Dies stellt eine neue und nicht hinnehmbare Dimension für die bereits, über das Maß belastete Region dar. Diese Salami-Taktik ist nicht hinnehmbar. Wir sind wütend.“, bekundet André Heil, Sprecher der Bürgerinitiative, seinen Missmut. Der erste Bauantrag des Projektierers zum Bau von sechs Windkraftanlagen mit einer Höhe von 210 Metern wurde bereits im Jahr 2013 beim Regierungspräsidium Gießen eingereicht. Seitdem wurden keinerlei aktuellere Unterlagen nachgereicht. „Ein Bauantrag, bei dem nach mehr als vier Jahren keine weiteren Unterlagen vorgelegt wurden oder der Bau nicht begonnen wurde, wird nach normalen Maßstäben abgelehnt. Anders bei der Windkraft. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Sind die Behörden wirklich neutral?“, fragt sich Hubert Lauer, Ortsvorsteher von Hauswurz. Zudem stehen im Umkreis von 15 Kilometern mittlerweile mehr als 100 Windkraftanlagen. „Diese Überbelastung und Konzentration in einer sowieso strukturschwachen Region, ist nicht hinnehmbar. Die Bürgerinnen und Bürgerinnen vor Ort leiden unter dem permanenten Geräuschpegel, dem Funkfeuer sowie dem Schattenwurf. Was wird nur aus unserer Heimat?“, fragt sich Caroline Günther aus dem Freiensteinauer Ortsteil Reinhards. Im Oberwald in der Gemarkung des Ortsteils Grebenhain in der gleichnamigen Gemeinde Grebenhain im Vogelsbergkreis wurden erst im Jahr 2017 acht Anlagen mit einer Höhe von jeweils 212 Metern in Betrieb genommen. Die Genehmigung des Antrags war zum damaligen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar. Weshalb?

In einer Entfernung von circa 500 Metern wurde kurz vor Beendigung der Genehmigungsphase ein Schwarzstorchhorst gefunden und wenige Tage später durch Dritte abgetragen. Das Regierungspräsidium Darmstadt ha dies nicht nur geduldet, sondern war dem Projektierer sogar bei der Suche nach dem anfänglich geheimgehaltenen Standort behilflich. Das zeigte im Nachhinein die Akteneinsicht. Der Horst eines Rotmilans, ein absoluter Hinderungsgrund für den Bau von Windkraftanlagen – inmitten der Planungsgebiete – wurde entfernt. Das Regierungspräsidium stellte in der Genehmigung lediglich fest, dass der Horst nicht mehr vorhanden ist, anstatt diese Gesetzeswidrigkeit zu verfolgen. Eine Windkraftanlage wurde inmitten einer Quelle errichtet. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). „Was für eine Enttäuschung! Ich dachte, wir sind im falschen Film. Normalerweise kümmert sich doch eine Behörde darum, dass alles nach Recht und Gesetz geht und nicht umgekehrt.“, beklagt André Heil aus Freiensteinau – Reinhards. „Wenn auch wir es damals nicht geschafft haben, so hoffen wir doch, dass der ‚baumkratzende Gutachter‘ aus dem Vogelsberg, der mutmaßlich die Vögel nicht nur begutachtet, sondern vertrieben hat, jetzt auch einer breiten Bevölkerungsschicht verdeutlicht, was hier an Unrecht gegenüber Mensch und Tier an den Tag gelegt wird.“ „Die Kontakte mit dem RP Gießen gestalten sich bisher fair und aufrichtig. Wir hoffen natürlich, dass das auch so bleibt.“, betont der Sprecher der Bürgerliste.

Das potenzielle direkt angrenzende Vorranggebiet auf der Seite des RP Nordhessen wurde zudem aus avifaunistischen Gründen aus den Planungen genommen. Trotz all dieser Vorkommnisse und Fakten, hat das RP Südhessen die Genehmigung ausgesprochen. „Die Bürger haben ein kostenaufwendiges avifaunistisches Gutachten in Auftrag gegeben. Ergänzend haben ehrenamtliche Naturschützer permanent die Flugbewegungen von Großvogelarten beobachtet, auch in den letzten beiden Jahren. Die Vielzahl der Flugbewegungen des Schwarzstorchs und des Rotmilans über das Planungsgebiet, sind mehr als bemerkenswert. Und dies, obwohl direkt nebenan, im Oberwald, acht Anlagen gebaut wurden. Eine Ausweitung des Windkraftgebietes durch sechs weitere Anlagen im Kohlwald, die damit einhergehende Zerstörung der Natur im Dreiländereck und die Gefahr für Vögel und Fledermäuse ist aus Gründen des Naturschutzes nicht zu verantworten.“, sagt Harald Auth, ehrenamtlicher Naturschützer und Mitglied des NABU Flieden.

Leidhafte Erfahrungen haben die Bürger aus dem Fliedener Ortsteil Stork im Landkreis Fulda gemacht. In einem Abstand von 400 Metern zum Ortsrand stehen die ersten Windkraftanlagen. „Mit dem genehmigten Oberwald und dem beantragten Kohlwald sowie den weiteren, bestehenden Windkraftgebieten fühlen sich die Bürger der umliegenden Ortschaften des Dreiländerecks umzingelt. Die Wirkung auf Mensch und Natur sind verheerend.“, betonen Martina Krebs aus Stork sowie Frank Krah aus Buchenrod. „Wenn der Wind aus Richtung Osten oder Norden weht, hört man ein permanentes, autobahnähnliches Rauschen. Durch die Umzingelung von Hintersteinau mit über 40 Windkraftanlagen, leidet die Lebensqualität in Bezug auf Erholung durch Land und Natur enorm.“, ergänzt Marco Fehl aus Hintersteinau. „Die Interessen vor Ort, höhere Mindestabstände zu Windkraftanlagen einzuhalten und die baurechtliche Privilegierung von Windkraftanlagen abzuschaffen, finden sich aktuell auch in der politischen Diskussion auf Bundesebene wieder. Die Vorteile für mögliche ‚Schein-Bürgerenergiegesellschaften‘ müssen abgeschafft werden. Der Ländliche Raum darf nicht weiter durch den Bau von überdimensionierten Industrieanlagen an Attraktivität verlieren. Wie kann es zudem sein, dass zu den Wohnbebauungen 1.000 Meter Abstand einzuhalten sind, zu einem Schwarzstorchhorst der dreifache Abstand? Sind Menschen weniger wert als Vögel?“, diese Frage stellt sich Emil Schad, ehemaliger Vorsitzender der Gemeindevertretung Neuhof. Die Bürgerinitiative Pro Lebensraum Fulda/Vogelsberg wird mit Unterstützung der örtlichen Politik und den Gemeinden mit ihnen allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen eine Genehmigung des Antrags im Kohlwald vorgehen., heißt es abschließend der Mitteilung. +++ pm

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