Unternehmertreffen im Hünfelder Lokschuppen

Gemeinsam vor großen Herausforderungen

Kommende Herausforderungen wie der Energiepreisschock, aber auch die Corona-Pandemie sowie Fragen zur Digitalisierung standen im Mittelpunkt des Unternehmertreffens der Stadt Hünfeld im Alten Lokschuppen. Wichtig sei es, die Netzwerke zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik zu pflegen, sagte Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok. Das Format des Unternehmertreffens habe sich dabei gut bewährt, weil viele Kontakte geknüpft und manche Gesprächsfäden aufgenommen worden seien.

In den nächsten Monaten und Jahren stünden große Herausforderungen an, die nur gemeinsam bestanden werden könnten, betonte Tschesnok. Ein wichtiges Thema dabei sei auch die Digitalisierung, bei der sowohl Verwaltung als auch Unternehmen in einem großen Veränderungsprozess steckten. Auch Erster Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt sieht in den intakten Netzwerken eine große Stärke der gesamten Region, die beispielsweise die Corona-Krise vergleichsweise gut bestehen ließ. Hünfeld habe in den letzten Jahren eine außerordentlich gute wirtschaftliche Entwicklung genommen, sagte der Vize-Landrat und machte das an dem hohen Zuwachs von Arbeitsplätzen deutlich. Die Zukunft werde die Stadt vor neue Aufgaben stellen, beispielsweise bei der Fachkräftegewinnung, aber auch in der digitalen Transformation.

Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer kritisierte, dass die Bundespolitik zurzeit sehr langsam auf notwendige Veränderungsprozesse reagiere. Völliges Unverständnis bei den Unternehmen habe die Kritik des Landesrechnungshofes hervorgerufen, dass der Landkreis Fulda, aber auch die Kommunen zu viel im Bereich der Wirtschaftsförderung täten. Diese Förderung habe einen großen Beitrag dazu geleistet, dass der Landkreis Fulda und besonders die Stadt Hünfeld sehr gut aufgestellt seien.

Als Gastreferent des Abends konnte der Darmstädter Professor Dr. Peter Buxmann gewonnen werden, der sich dem Thema „Wie Daten und Algorithmen die Wirtschaft veränderten“ annahm. Die künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zum Treiber der digitalen Transformation der Wirtschaft. Deutschland und Europa habe hier im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, aber auch zu China, großen Nachholbedarf. Noch vor 20 Jahren hätten zwei IT-Unternehmen zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt gehört, heute seien es acht von zehn, alle Amerikaner.

Einen neuen Innovationsschub werde die künstliche Intelligenz auslösen, betonte der Professor, sie sei gekommen, um zu bleiben. IT-Anwendungsmöglichkeiten sieht er insbesondere in der Qualitätssicherung, in der Industrie oder auch in der Medizin, wo radiologische Befunde viel präziser ausgewertet werden könnten. Er plädiere dafür, dass künstliche Intelligenz jeweils in Zusammenarbeit mit Menschen genutzt werden müsse, denn nur im Team würden die besten Ergebnisse erzielt.

Keiner brauche davor Angst zu haben, weil alle Grundlagen der künstlichen Intelligenz bereits lange vorhanden seien. Es gebe die Algorithmen, es liegen die notwendigen Daten vor und künstliche Intelligenz sei nur spezialisiert auf bestimmte Anwendungsaufgaben. Trotzdem werde die öffentliche Diskussion mitunter auch von einem Gefühl der Angst bestimmt. Dies ist allerdings aus seiner Sicht nicht begründet, sagte der Professor. Allerdings müsste im Zusammenhang mit dem Einsatz der künstlichen Intelligenz auch die Frage der Ethik immer mit gesehen werden. Das gelte insbesondere dann, wenn diese Prozesse intransparent seien. Er machte dies an einigen Praxisbeispielen deutlich. Maschinelles Lernen könne nur so gut sein, wie die Daten, die zur Verfügung gestellt würden. Künstliche Intelligenz könne auch unfair werden, das gelte aber gleichermaßen für Menschen. Als großen Vorteil sieht Professor Buxmann, dass künstliche Intelligenz auch einen wesentlichen Beitrag beispielsweise bei der Cybersicherheit oder der Entwicklung neuer Impfstoffe geleistet habe.

In geselliger Runde wurde der Abend von den Unternehmen und ihren Gesprächspartnern aus Politik und Verwaltung genutzt, um sich auszutauschen oder auch um einander kennen zu lernen. Bei Kartoffelsuppe und kleinen Leckereien gab es viele Gespräche. +++ pm

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