Tichanowskaja: Putin soll Weißrusslands Souveränität respektieren

Die Anführerin des Widerstands in Weißrussland, Swetlana Tichanowskaja, hat an Russlands Präsidenten Wladimir Putin appelliert, Weißrusslands Souveränität als Staat zu respektieren. „Es geht darum, dass ein Volk das Recht hat, selbst über seinen Präsidenten zu bestimmen. Es sind unsere inneren Angelegenheiten“, sagte sie der „Bild“. Derzeit habe sie keinen Kontakt zum Kreml, signalisierte aber Gesprächsbereitschaft: „Wir sind offen für jeden Kontakt mit unseren Nachbarn und wir würden mit Freude mit jedem Repräsentanten des Kreml reden. Es gibt keinen Grund für uns, nicht mit ihnen zu reden.“ Sollte Putin sich melden, werde sie „mit Sicherheit“ ans Telefon gehen. Auf die Frage, ob sie eine Eingreifen Moskaus in den Konflikt befürchte, sagte sie: „Wir sind besorgt, aber haben keine Furcht.“ Tichanowskaya bekräftigte ihren Machtanspruch gegenüber Machthaber Alexander Lukaschenko. „Ich bin die vom Volk gewählte Präsidentin. Ich bin die Frau, für die di e Menschen gestimmt haben“, sagte sie der „Bild“. Die Bezeichnung Oppositionsführerin lehnte sie ab: „Entschuldigung, aber ich bin nicht die Oppositionsführerin, ich die Anführerin der Mehrheit. Wir sind nicht mehr die Opposition.“ Für Weißrussland könne es nur eine Zukunft ohne Lukaschenko geben: „Unsere Leute haben ihn satt und sind seiner überdrüssig. Sie werden nicht in der Lage sein, zu vergessen und zu vergeben, was er getan hat, was Ihnen angetan worden ist.“ Sie würden ihn und seine Macht nicht weiter akzeptieren, sagte Tichanowskaja der Zeitung. Sie trat zudem Spekulationen entgegen, die Proteste könnten abflauen: „Unser Volk scheint mir nicht den Eindruck zu machen, dass es aufgeben wird. Lukaschenko muss verstehen, dass die Leute nicht wieder gehen werden, dass das belarussische Volk um den Sieg kämpfen wird.“ Und weiter: „Wir bleiben, bis wir gesiegt haben.“ Der Wille der Weißrussen sei zu stark, als dass sie aufgeben, sich beruhigen würden. Tichanowskaja warnte zudem vor der Gefahr eines Bürgerkriegs in Weißrussland: „Unsere Demonstranten sind absolut friedlich, wir wollen keinen Krieg in unserem Land.“ Lukaschenko aber scheine die Leute nun provozieren zu wollen, damit die Demonstranten aggressiver werden. „Aber das wird nicht geschehen, so sind wir nicht. Unsere Waffe ist die Liebe.“ Ihr Ziel sei es, eine neue Abstimmung zu erreichen, so Tichanowskaja, die anstelle ihres inhaftierten Mannes zur Wahl angetreten war: „Wir werden Neuwahlen haben.“ Sie selbst werde bei Neuwahlen nicht wieder antreten, aber wohl ihr seit Ende Mai inhaftierter Ehemann: „Da er derjenige ist, mit dem das alles anfing, hat er wohl das Recht dazu, anzutreten, und ich gehe davon aus, dass er antreten wird.“

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