Die Geldnöte der Terror-Rentner

Berlin. Hinter der Meldung, dass Terroristen der dritten RAF-Generation im Verdacht zweier Raubüberfälle stehen, verbirgt sich eine grandiose Blamage des deutschen Sicherheitsapparates. Man kann diese Blamage auch als Frage formulieren: Wie kann es sein, dass Schwerbrecher nach Jahrzehnten noch nicht gefasst sind?

Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass die Geschichte des Linksterrorismus in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit als abgeschlossen gilt. Allenfalls die Erinnerung an den „Deutschen Herbst“ des Jahres 1977 ist einigermaßen wach geblieben. Er bildete den Höhepunkt der Terrorwelle – mit der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“, mit den Selbstmorden der in Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen, mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Was davor war, was danach kam, verliert sich langsam im historischen Dunstkreis.

Doch als die RAF im Jahr 1998 offiziell ihre Auflösung erklärte, waren schwerste Verbrechen, darunter zehn Morde, ungeklärt. Sie sind es bis heute geblieben. Der Polizei ist es nicht gelungen, auch nur einen einzigen Verdächtigen, eine einzige Verdächtige, festzunehmen. Die Fahnder haben den Anschein erweckt, dass die Akte RAF-Terror geschlossen sei. Jedenfalls war der harte Fahndungsdruck weg. Wer die generell extrem hohe Aufklärungsquote bei Kapitalverbrechen zur Kenntnis nimmt, kann da eigentlich nur ungläubig den Kopf schütteln.

Jetzt könnte den Terror-Rentnern der Versuch, ihre Geldnot durch Raubüberfälle zu lindern, zum Verhängnis werden. Sie haben ihren Phantom-Status verloren, und es dürfte nach aller Erfahrung eine Frage der Zeit sein, bis sie gefasst sind. Spätestens dann muss die Akte RAF wieder komplett geöffnet werden. Zu den für die Angehörigen der Opfer widerlichsten Begleitumständen zählt ja das eisige Schweigen der bisher gefassten Mörder. Es hat die Aufklärung schlimmster Verbrechen verhindert. Der Staat schuldet aber diese Aufklärung – den Angehörigen und sich selbst, so die Schwäbische Zeitung. +++ fuldainfo

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1 Kommentar

  1. Linker Terror ist absolut zuverlässig…….er passiert immer dann,
    wenn er von der herrschenden Klasse gebraucht wird.

    wie etwa 1974:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schm%C3%BCcker-Prozess#Ulrich_Schm.C3.B
    Ccker

    „Rechts“-Staat per excellence:
    „Unter anderem war die Tatwaffe, eine Luger-Pistole, am Tag nach dem
    Mord in die Hände des Verfassungsschutzes gelangt, wo sie
    anschließend für 15 Jahre in einem Tresor versteckt und dies
    absichtlich vor den Strafverfolgungsbehörden verheimlicht wurde.“

    oder 1977:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Buback
    Dessen Ermordung wurde auch 34 Jahre später nicht aufgeklärt, warum:
    „Der RAF-Forscher Kraushaar [..] kommentierte, dass [..] „der Staat
    die Angeklagte verteidigt“. Es sei eine „Perversion des Rechtsstaats,
    wenn der Vertreter der Anklage insgeheim die Interessen der
    Angeklagten, in diesem Fall einer Exterroristin, vertritt“.

    oder 1978:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Celler_Loch
    meine Lieblingspassage ist die Beweismittelfälschung durch staatliche
    Stellen:
    „Der Verfassungsschutz hatte Ausbruchswerkzeug in Debus’ Zelle
    schmuggeln lassen, das bei der dem Anschlag folgenden Durchsuchung
    gefunden wurde und die Tatbeteiligung von Debus beweisen sollte.“

    oder 1989:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Herrhausen
    Ein psychisch kranker V-Mann wurde staatlicherseits unter
    Mord-Drohung zum Kronzeugen aufgebaut – der Generalbundesanwalt hielt
    an der Version fest, die offensichtlich eine Lüge war.
    Nach dessen Platzen heisst es lapidar:
    „Wer Alfred Herrhausen tatsächlich ermordet hat, ist [..] ungeklärt.
    Das Ermittlungsverfahren läuft „gegen Unbekannt““

    oder 1991 – da gab’s gleich zwei interessante Dinge:
    Erst ein – bis heute unaufgeklärter – Anschlag auf die US-Botschaft,
    der der vorher mächtigen deutschen Friedensbewegung gegen den
    Irakkrieg das Genick bricht
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Deichmannsaue
    und dann die Ermordung des besten Treuhänders, den die DDR
    Bevölkerung hätte haben können
    https://en.wikipedia.org/wiki/Detlev_Karsten_Rohwedder
    Der Täter konnte nie ermittelt werden, das deutsche wiki wurde
    blankgeputzt, das englische enthält aber noch einen wichtigen
    Hinweis:
    „Rohwedder, reportedly opposed to an unrestricted sell-off of GDR’s
    public-owned factories, may have occasionally favoured a worker-owned
    solution. His successor, Birgit Breuel, was more in favour of a
    speedy sell-off to investors.“

    .. also wenn es die RAF nicht gäbe, hätten die Herrschenden sie
    erfinden müssen ..

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