Mit dem symbolischen Spatenstich hat an diesem Mittwoch in Fulda der Bau der Wohngenossenschaft Waides Höfe eG begonnen. Nach mehr als viereinhalb Jahren Projektentwicklung wird aus einer Idee nun ein konkretes Bauvorhaben. Rund 24 Millionen Euro werden investiert, bis Anfang 2029 sollen insgesamt 72 moderne Genossenschaftswohnungen für Menschen verschiedener Generationen entstehen. Die Waides Höfe sind dabei Teil einer deutlich größeren Entwicklung: Im neuen Stadtteil Waidesgrund sollen insgesamt rund 500 Wohneinheiten entstehen.
Der Baustart markiert deshalb mehr als den Beginn einer weiteren Baustelle. Hinter dem Projekt liegen Jahre der Planung, Gespräche und Überzeugungsarbeit. Als Ende 2023 die ersten Menschen Mitglied der Genossenschaft wurden, gab es auf dem Grundstück noch keine Gebäude. Es existierten Pläne, Visualisierungen und vor allem die gemeinsame Vorstellung davon, dass sich eine andere Form des Wohnens auch in Fulda verwirklichen lässt. Seitdem ist die Genossenschaft kontinuierlich gewachsen. Heute sind 55 der insgesamt 72 Wohnungen vergeben. Mit der vollständigen Belegung werden die Mitglieder gemeinsam rund sieben Millionen Euro Eigenkapital in das Projekt einbringen. Bereits im Dezember 2025 wählten die Mitglieder ihren Aufsichtsrat aus den eigenen Reihen und schufen damit die Grundlage für die spätere Selbstverwaltung.
Genau darin liegt der Unterschied zu einem klassischen Wohnungsbauprojekt. Die künftigen Bewohner sind nicht lediglich Mieter, sondern Mitglieder ihrer eigenen Genossenschaft. Sie erhalten ein dauerhaftes Nutzungsrecht an ihrer Wohnung und können die Gemeinschaft demokratisch mitgestalten. Das Modell verbindet damit Elemente von Eigentum und Nutzungsentgelt. Es geht um langfristige Sicherheit und gemeinschaftliche Verantwortung, aber auch um die Frage, ob Wohnraum jenseits kurzfristiger Renditeerwartungen organisiert werden kann.
Fuldas Oberbürgermeister bezeichnete das Vorhaben beim Spatenstich als Gemeinschaftsprojekt. Zahlreiche Beteiligte hätten dazu beigetragen, dass die Pläne nun umgesetzt werden könnten. Ausdrücklich bedankte er sich bei der Sparkasse Fulda für die in weiten Teilen unkomplizierte Zusammenarbeit. Zugleich verwies er auf den übergeordneten Bedarf an Wohnraum. In Teilen des Landes werde zu wenig Wohnraum geschaffen. Im Waidesgrund entstehe dagegen ein neues Quartier mit insgesamt rund 500 Wohneinheiten. Nun müsse es gelingen, dass dieser Wohnraum möglichst zeitnah tatsächlich entstehe.
Ein wesentlicher Teil der technischen Voraussetzungen dafür ist bereits geschaffen. Die RhönEnergie Gruppe hat im Waidesgrund die Energie- und Wärmeversorgung vorbereitet und gratulierte zum ersten Spatenstich der Waides Höfe. Alle Wohnungen im Neubaugebiet werden an ein zentrales Nahwärmenetz angeschlossen. Entwickelt wurde dieses Wärmenetz von der RhönEnergie Gruppe, die auch als Betreiberin fungiert. Sämtliche Leitungen sind bereits verlegt.
„Wir werden dafür sorgen, dass die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Projekts eine hochmoderne und klimaschonende Energie- und Wärmeversorgung erhalten“, sagt Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Gruppe. Der Anschluss aller Wohnungen an ein gemeinsames Wärmenetz sei eine kluge und nachhaltige Lösung. „Wir können hier von einem Leuchtturmprojekt für die Region sprechen“, so Heun.
Das Wärmenetz im Waidesgrund wird mit dem bestehenden Wärmenetz Ziehers verbunden. Die Verbindung entsteht in Höhe der Rabanus-Maurus-Schule. Als letzter Schritt wird derzeit am Rand des Schulgeländes eine neue Übergabestation errichtet. Sie übernimmt die technische Anpassung der unterschiedlichen Temperaturniveaus beider Wärmenetze und ermöglicht damit die Verbindung der Systeme.
Dass eine Wärmeversorgung über ein Nahwärmenetz nicht für jedes Quartier gleichermaßen geeignet ist, räumt auch die RhönEnergie Gruppe ein. Im Waidesgrund passten jedoch die entscheidenden Voraussetzungen zusammen. Dazu gehört die Möglichkeit, auf eine bereits vorhandene Infrastruktur aufzubauen. „Im Waidesgrund passen aber alle Parameter. Dazu gehört auch, dass wir auf eine vorhandene Infrastruktur aufbauen können. Das war wichtig“, erklärt Heun. Eine weitere Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit des Gesamtvorhabens sei gewesen, dass tatsächlich jedes Gebäude im Baugebiet an das zentrale Wärmenetz angeschlossen werde. Die Stadt Fulda habe dies durch entsprechende Verträge sichergestellt.
Auch die Gebäude selbst sind auf eine energieeffiziente Wärmeversorgung ausgelegt. Die Neubauten werden gut gedämmt und mit Fußbodenheizungen ausgestattet. Dadurch kann die Wärme mit einer Vorlauftemperatur von lediglich 48 Grad Celsius bereitgestellt werden. Im bisherigen Versorgungsgebiet liegt die Vorlauftemperatur dagegen bei 80 Grad Celsius. Die neue Übergabestation gleicht die unterschiedlichen Temperaturniveaus technisch aus.
Die Wärmelieferung im Waidesgrund soll Ende 2026 beginnen. Den Anfang macht die Immobilie des Siedlungswerks. Die weiteren Gebäude sollen schrittweise hinzukommen, sobald sie fertiggestellt und für die Wärmeversorgung bereit sind. Neben dem Wärmenetz hat die RhönEnergie Gruppe im neuen Stadtteil auch die Strom- und Wasserleitungen verlegt und damit einen weiteren wichtigen Teil der Infrastruktur geschaffen.
Für Fulda entsteht mit den Waides Höfen zugleich ein Projekt von besonderer Bedeutung. Es handelt sich um die erste private Wohngenossenschaft der Stadt und zugleich um eines der größeren genossenschaftlichen Neubauprojekte in Osthessen. Rund 40 Prozent der Wohnungen werden öffentlich gefördert und sollen damit Menschen mit unterschiedlichen Einkommen den Zugang zu modernem und bezahlbarem Wohnraum ermöglichen. Bei den geförderten Wohnungen beginnen die monatlichen Nutzungsentgelte bei 6,50 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten. Die Sozial- und Mietpreisbindung besteht für 25 Jahre.
Auch bei der baulichen Ausgestaltung steht das generationenübergreifende Wohnen im Mittelpunkt. Unterschiedliche Wohnungsgrößen richten sich an Singles, Paare, Familien und Seniorinnen und Senioren. Eine barrierearme und schwellenfreie Ausstattung soll zudem Menschen mit Behinderung die Nutzung erleichtern. Gemeinschaftsflächen sollen Begegnung, Nachbarschaft und ein generationenübergreifendes Miteinander ermöglichen. Die Gebäude werden nach einem hohen energetischen Standard errichtet und verbinden nachhaltige Bauweise mit moderner Architektur und Wohnqualität.
Initiiert wurde das Projekt von der TING Projekte GmbH & Co. KG, die sich auf nachhaltige und gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte spezialisiert hat. Das Unternehmen begleitete die Waides Höfe von der Konzeption der Genossenschaft über die Grundstücksentwicklung und Projektsteuerung bis hin zu Finanzierung, Fördermittelkoordination und Mitgliedergewinnung. Gleichzeitig wurden die Voraussetzungen für die spätere Selbstverwaltung geschaffen. Die Mitglieder wurden frühzeitig in Entscheidungsprozesse eingebunden und auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet.
Architektonisch wird das Vorhaben vom Fuldaer Büro Sichau + Walter Architekten GmbH unter der Leitung von Architekt Patrick Tetzlaff begleitet. Entwickelt wurde ein modernes und zugleich zeitloses Wohnensemble, das sich in das neue Stadtquartier Waidesgrund einfügen soll. Die Gemeinschaftsflächen sind dabei nicht nur Bestandteil der Gebäudeplanung, sondern sollen auch Räume für Begegnung und Nachbarschaft schaffen.
Der Weg bis zum Baustart wurde von zahlreichen Partnern begleitet. Die Wohngenossenschaft dankt der Stadt Fulda für die konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit während der gesamten Projektentwicklung. Auch die Sparkasse Fulda als Hausbank, die Planungsbüros, Fachingenieure, Behörden, ausführenden Unternehmen und weiteren Projektpartner werden als Beteiligte an dem Vorhaben genannt. Die bereits fertiggestellte Infrastruktur der RhönEnergie Gruppe bildet dabei eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des gesamten neuen Stadtteils.
Eine besondere Rolle kommt den Mitgliedern der Wohngenossenschaft zu. Ihr Vertrauen, ihre Geduld und ihr persönliches Engagement haben das Projekt über Jahre getragen. Lange bevor auf dem Grundstück gebaut wurde, hatten sie sich für das genossenschaftliche Wohnmodell entschieden und damit finanzielle und persönliche Verantwortung übernommen.
Dr. Jasna Baumgarten, Vorständin der Wohngenossenschaft Waides Höfe eG und Geschäftsleitung der TING Projekte GmbH & Co. KG, sieht genau darin die Besonderheit des Projekts. Mit dem Spatenstich werde eine Idee Wirklichkeit, an die viele Menschen über Jahre geglaubt hätten. Die Genossenschaft sei bereits lange vor Baubeginn gelebt worden. Menschen seien Mitglied geworden, hätten Verantwortung übernommen und gemeinsam die Grundlage für das Vorhaben geschaffen.
Nun beginnt die Phase, in der sich die jahrelange Vorbereitung auf der Baustelle bewähren muss. Bis Anfang 2029 sollen die 72 Wohnungen der Waides Höfe fertiggestellt sein. Gleichzeitig wächst ringsum ein neuer Stadtteil mit insgesamt rund 500 Wohneinheiten, dessen Infrastruktur bereits in wichtigen Teilen vorbereitet ist. Die Verbindung aus genossenschaftlichem Wohnmodell, gefördertem Wohnraum und einer zentralen Wärmeversorgung macht die Waides Höfe zu einem Projekt, bei dem Wohnen, Energieversorgung und Quartiersentwicklung von Beginn an zusammengedacht werden.
Der Spatenstich markiert damit nicht das Ende jahrelanger Planung, sondern den sichtbaren Beginn eines Vorhabens, das in den kommenden Jahren das Bild des neuen Waidesgrunds prägen wird. Entscheidend wird nun sein, ob aus den ambitionierten Konzepten tatsächlich ein Quartier entsteht, das nicht nur neue Wohnungen schafft, sondern dauerhaft bezahlbares, gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnen ermöglicht. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Jetzt muss sich zeigen, was daraus auf dem Baugrundstück wird. +++
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