SPD 60 Plus besucht Fuldaer Tafel: Ehrenamtliche Arbeit unter wachsendem Druck

„Gäbe es die Tafel nicht, müsste man sie erfinden“ – zu diesem Schluss kamen Mitglieder der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 Plus nach einem Besuch bei der Fuldaer Tafel. Auf Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft hatte der SPD-Kreisverband Fulda den Blick hinter die Kulissen der Einrichtung ermöglicht. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die Abläufe bei der Lebensmittelverteilung, sondern auch die Frage, vor welchen Herausforderungen die Tafel angesichts einer steigenden Zahl bedürftiger Menschen und zugleich schwankender Lebensmittelspenden steht.

Nachdem der Vorsitzende der AG 60 Plus, Heribert Werner, die Teilnehmer begrüßt hatte, erläuterte Stefan Schunck, 1. Vorsitzender der Tafel Fulda e.V., zunächst die Grundlagen des bundesweit geltenden Tafel-Modells. Das Leitmotiv „Lebensmittel retten und Menschen helfen“ beschreibt dabei zugleich den sozialen Auftrag der Einrichtung. Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden können, werden vor der Vernichtung bewahrt und an Menschen weitergegeben, die finanziell bedürftig sind.

Die Dimension des Problems wird deutlich, wenn man die Zahlen betrachtet, die bei dem Besuch genannt wurden. In Deutschland werden jährlich etwa zehn bis elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Gleichzeitig sind rund 16 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Für die Tafeln bedeutet dieser Gegensatz einen täglichen Spagat zwischen der Rettung überschüssiger Lebensmittel und der Versorgung jener Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind.

Dabei ist die Ausgabe von Lebensmitteln bei der Tafel keine staatliche Leistung, auf die ein rechtlicher Anspruch besteht. Eine der wichtigsten Regeln lautet vielmehr, dass es keinen Rechtsanspruch auf die Ausgabe von Waren gibt. Nur finanziell bedürftige Menschen, die von Armut bedroht sind, können einen Kundenausweis erhalten und damit bei der Tafel einkaufen. Voraussetzung sind entsprechende Nachweise. Dazu gehören beispielsweise ein Bescheid über Grundsicherung sowie ein gültiger Personalausweis. Die sogenannten Bedürftigkeitsnachweise werden bei der Tafel kontrolliert.

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit spielt sich dabei ab, bevor die Kunden überhaupt die Ausgabestellen erreichen. Überschüssige Lebensmittel oder Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, werden von Supermärkten, Discountern, Bäckereien und anderen Betrieben abgeholt. Die Ehrenamtlichen übernehmen dabei die Logistik und bringen die Lebensmittel zur Tafel. Dort werden sie sortiert, in den Kühlräumen eingelagert und für die Ausgabe an den Öffnungstagen vorbereitet. Die Kunden können die Waren anschließend gegen ein geringes Entgelt erhalten.

Bei einem Rundgang konnten sich die Teilnehmer selbst ein Bild von den Räumlichkeiten machen. Die Tafel verfügt seit rund einem Jahr über ihre modernen Räume am Aschenberg. Die Besucher erhielten dabei Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitsabläufe und konnten sich von der Funktionalität der Einrichtung überzeugen. Hinter der Ausgabe von Lebensmitteln steht ein organisatorischer Aufwand, der für die Kunden häufig kaum sichtbar ist: Waren müssen abgeholt, kontrolliert, sortiert, gelagert und schließlich verteilt werden.

Besonders ausführlich wurde über die Herausforderungen gesprochen, die auf die Fuldaer Tafel zukommen könnten. Stefan Schunck sieht dabei eine Entwicklung, die für die Arbeit der Einrichtung problematisch werden kann: Einer steigenden Zahl bedürftiger Bürgerinnen und Bürger könnten künftig weniger verfügbare Lebensmittel gegenüberstehen. Die Tafel ist dabei auf die Spenden der Händler angewiesen und kann fehlende Waren nicht einfach durch zusätzliche Einkäufe ausgleichen.

„Wir kaufen keine Lebensmittel dazu, das verbietet die bundeweite Richtlinie für die Tafeln“, erläuterte Schunck. Damit wird deutlich, wie abhängig die Arbeit der Einrichtung von den Mengen ist, die von den Handelspartnern zur Verfügung gestellt werden. Diese Mengen können erheblich schwanken. Für die Tafel bedeutet das, dass sie nicht allein den Bedarf der Menschen betrachten kann, die auf ihre Unterstützung angewiesen sind, sondern gleichzeitig mit dem Angebot der gespendeten Lebensmittel auskommen muss.

Neben den Lebensmitteln ist deshalb auch die Zahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von entscheidender Bedeutung. Ihre Bereitschaft und ihr Engagement bilden nach den Worten Schuncks ein wesentliches Fundament der Tafel. „Ohne sie würde das nicht funktionieren“, betonte er. Die Ehrenamtlichen übernehmen dabei nicht nur praktische Aufgaben bei Abholung, Sortierung und Ausgabe der Lebensmittel. Sie stehen auch in Kontakt mit den Kunden und leisten damit einen sozialen Beitrag, der über die reine Versorgung mit Lebensmitteln hinausgeht.

Gerade dieser Aspekt wurde bei dem Besuch besonders hervorgehoben. Die Tafel ist für viele Menschen nicht ausschließlich eine Anlaufstelle, an der sie Lebensmittel zu einem geringen Entgelt erhalten. Sie ist zugleich ein Ort sozialer Begegnung. „Sie verteilen nicht nur, sondern pflegen auch sozialen Kontakte mit den Kunden. Hier trifft man sich und tauscht sich aus, das ist sehr wichtig“, sagte Schunck. Damit wird die ehrenamtliche Arbeit zu einem Bestandteil des sozialen Miteinanders, der sich nicht allein in der Menge verteilter Lebensmittel messen lässt.

Zum Abschluss des Besuchs übergab Silvia Hillenbrand, Mitglied im Vorstand der AG 60 Plus, eine von den Teilnehmern gesammelte Geldspende an die Fuldaer Tafel. Sie verband die Übergabe mit einem Dank für die ausführlichen Informationen und die Arbeit der Einrichtung. Im Namen der Teilnehmer wünschte sie der Tafel eine gute Zukunftsperspektive und unterstrich zugleich die Bedeutung des Ehrenamts. Gerade bei der Tafel werde sichtbar, wie wertvoll freiwilliges Engagement für eine soziale Einrichtung und für die Menschen, die auf deren Arbeit angewiesen sind, sei.

Der Besuch der Fuldaer Tafel ist Teil einer Reihe von Informationsbesuchen, die die SPD nach Angaben des Stadtverbandes bei sozialen Einrichtungen fortsetzen will. Als nächste Station ist die Bahnhofsmission vorgesehen. Damit will die SPD den direkten Einblick in Einrichtungen ermöglichen, die im sozialen Alltag der Stadt eine wichtige Rolle spielen und mit ihrer Arbeit Menschen unterstützen, die auf Hilfe und gesellschaftliche Teilhabe angewiesen sind. +++


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