Sozialplan für Frankfurter Societäts-Druckerei beschlossen

Weniger Kündigungen als geplant

Verdi

In Verhandlungen, die sich von Freitag früh bis in die frühen Morgenstunden des Samstag hinzogen, konnte der Konflikt um die beabsichtigten Entlassungen von 100 der noch 270 Beschäftigten der Frankfurter Societäts Druckerei (FSD) beigelegt werden. „Wir sind froh, dass wir am Ende die Entlassung von 26 unserer Kolleginnen und Kollegen abwenden konnten“, so der Betriebsratsvorsitzende Nektarios Androulidakis. Für die über 70 betroffenen Druckereimitarbeiter, die nach dem Verlust von Aufträgen des Axel Springer Verlags das Unternehmen verlassen müssen, konnten angemessene Abfindungen ausgehandelt werden, so der Wiesbadener Fachanwalt für Arbeitsrecht Otto Jäckel, der die Verhandlungen für den Betriebsrat führte. Ohne den entschiedenen Widerstand der Belegschaft wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen, ist der Betriebsratsvorsitzende überzeugt.

Wegen des gleichzeitig geführten Kampfes der Belegschaft für die Tarifbindung der FSD wurde von der Gewerkschaft ver.di zuletzt seit fast drei Wochen zum Arbeitskampf aufgerufen. Den Streikaufrufen war die überwiegende Mehrzahl der Beschäftigten gefolgt, so dass die Produktion von Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Neue Presse und anderer Medienprodukte zum Teil nur eingeschränkt und unter Einsatz von auswärtigen Streikbrechern durchgeführt werden konnte. Die im Arbeitskampf stehende Belegschaft, die in einer spektakulären Aktion auch die neuen Eigentümer der Druckerei an ihrem Stammhaus, der Gießener Allgemeinen, aufsuchte, erhielt vielfältige Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland.

Mit dem heute abgeschlossenen Sozialplan bleibt der Tarifkonflikt in dem Traditionsunternehmen allerdings vorerst ungelöst. Die neuen Eigentümer, die das Unternehmen im Frühjahr 2018 übernommen haben, waren entgegen ihrer anfänglichen Versprechungen im Oktober aus der tarifgebundenen Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband ausgetreten und nutzen nach Überzeugung des Betriebsrats den Wegfall der Aufträge des Springerverlags als Gelegenheit, um möglichst viele nach Tarifvertrag beschäftigte Druckereimitarbeiter los zu werden. Neu eingestellte Mitarbeiter sollen dann nicht mehr die bisherigen Facharbeiterlöhne nach Tarif erhalten. „Sie sollen dann dem Billiglohnsektor angehören“, beklagt sich Androulidakis, der auch einer der Sprecher der gewerkschaftlichen Vertrauensleute ist. „Hierüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, so der Gewerkschaftsaktivist. +++

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1 Kommentar

  1. Es ist immer bedauerlich, wenn man aus welchen Gründen auch immer eine Arbeitsstelle verliert oder an Einkommen gekürzt wird. Allerdings muß man auch die andere Seite sehen und das ist der immense Kostendruck bei den Unternehmern im Presse- und Druck-Gewerbe, wo es bekanntlich bei vielen kriselt. Zudem ist hier bei der FSD-Societät ein großer Druckauftrag von BILD, WELT verloren gegangen. Die FAZ hatte gewiß nicht aus Nächstenliebe FNP und FR an die Ippen-Rempl-Gruppe verkauft, sondern weil sie diese als Verlustträger loswerden wollte. Insbesondere die in Frankfurt-Stadt laut meedia nur noch 12.000 Exemplare verkaufende Rundschau, einst das Flaggschiff der BRD-Linksszene, scheint redaktionell noch zu aufgebläht, sich noch in der einstigen Bedeutung zu wähnen.

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