SG Barockstadt: Offensiv sehr belebend und stark – aber zu viele „billige“ Gegentore werden zum Problem

Sgb 1
Daniyel Cimen. Foto: rl

Es macht nicht unbedingt Spaß, solche Situationen durchzuarbeiten. Auf dem Trainingsplatz. Und auch eine Menge psychische Arbeit steckt darin. Die Fußballer der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz durchleben eine solche Phase. Beim 2:3 gegen die U23 des Bundesligisten SC Freiburg wurde das wieder offenbar – und das, obwohl sie zweimal vorn gelegen und über weite Strecken, fast das gesamte Spiel über, tollen Offensivfußball gezeigt hatte. Doch das Verhalten in der Entstehung der Gegentore macht ihnen seit geraumer Zeit einen dicken Strich durch die Rechnung. Bis auf den vorletzten Platz der Regionalliga Südwest sind sie abgerutscht. Und, so banal es sich anhören mag, im Fußball sind nur dreifache Punktgewinne, mit denen man von der Stelle kommt, echte Erfolgserlebnisse.

Auch am Tag danach war Daniyel Cimen noch angefasst und wirkte sauer. Und wenn er dies – auch öffentlich ist – braucht es schon etwas. „ So’n bisschen sind es immer wieder die gleichen Themen, die uns beschäftigen und uns das Leben schwer machen.“ Und die Auseinandersetzung war ein erneutes Beispiel dafür – fast eine goldene Kopie der letzten Wochen. „Nach vorne hin haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht; über die gesamte Dauer“, benannte er das Positive. Es ist nicht überliefert, ob er sich schnell am Kopf kratzte, doch im gleichen Atemzug stellte er dem Positiven das nicht so Gute gegenüber. „Trotzdem: Ein oder zwei Gegentore sind zu billig. Wo wir viel zu schnell die Tiefe hergeben und rausrücken.“ Eigentlich könnten wir jetzt Schluss machen. Das aber tun wir nicht.

Beginnen wir mit dem Positiven. Das Spiel mit Ball ist mittlerweile richtig anzuschauen bei der SGB. Nicht immer und in praktikablen Mustern – aber so, dass es zum Sieg reichen müsste. Die Entstehung des 1:0 war klasse: Nach einem Ballgewinn auf der linken Seite ging es ab nach vorn. Im schnellen Tempo. Direkt. Schnörkellos. Elekwa setzte sich im Zweikampf gegen Freiburgs Kletten durch, bediente Keanu Kraft, der den Ball mitnahm und vorantrieb, Moritz Dittmann den wichtigen vertikalen Laufweg anbot, Kraft ihm die Kugel in den Raum legte, „Ditti“ gar nach fintiert gewonnenem Zweikampf den Ball rüberholte – und Doppelpacker Sebastian Schmitt für traf. Sehr früh. Nicht mal eine Minute war vorüber in der Johannisau. Die Zuschauer sprangen auf und frohlockten. Wird das etwa was heute?, mag manch einer gehofft haben.

„Wir hatten uns vorgenommen“, sagte Cimen, „kompakter und etwas tiefer zu stehen. Um Ballgewinne zu provozieren.“ Und über schnelle Umschaltmomente zu kommen. Denn er erklärte die Stärken des Gastes und stellte Freiburgs Fußball ein spezielles Zeugnis aus. „Freiburg besitzt sehr viel Speed. Die Mannschaft ist sehr stark im Eins-gegen-eins. Solche Mannschaften auszuschalten, das ist enorm schwer.“ Die Außenverteidiger standen extrem hoch – das machen viele Teams so. Gleichzeitig hatte der Gast aber auch drei Spieler im Zentrum. Sehr kreative. Die oft Lösungen finden. Freiburg wurde immer stärker, zeigte Kostproben seines Fußballs. Und glich nach dem frühen Schockmoment aus.

Rouven Tarnutzer dribbelte stark im Mittelfeld, keinem SGB-Spieler gelang es, ihn zu stören – und Tarnutzer spielte einen Ball mitten in die aufgerückte letzte Reihe der SGB hinein. Man könnte auch sagen: Er traf sie ins Herz. Mladen Mijajlovic nutzte das zum 1:1. Es war klar: Das meinte Cimen mit „Tiefe aufgeben“. Warum gegen einen solch überlegenen Gegner mit mehreren kreativen Spielern im Zentrum?

Was Fuldas Coach freute, war wieder einmal „die gute Reaktion“ auf den Ausgleich. Dittmann verdiente sich einen zweiten Scorerpunkt, nachdem er sich über die rechte Seite willensstark durchgesetzt hatte im Eins-gegen-eins und noch genügend Energie zu einer langen Flanke – Schmitt, der wenig später verletzt raus musste, veredelte die Zulieferarbeit seines Teamkollegen und traf ein zweites Mal. Dieser Moment sah fußballerisch erneut gut aus. Stark. Richtig stark. Nur vier Minuten nach dem erstmaligen Ausgleich des Gastes.

Doch diese kurze Zeitspanne benötigte auch Freiburg, um erneut zurückzuschlagen. Dieses Mal war der SGB wenig vorzuwerfen. Denn Mateo Zelic bewies, was er in engen Räumen drauf hat – und ist ein Spieler schon in der Box oder wird dort hineingelassen, ist er schwer zu verteidigen. Das betrifft auch das Siegtor des Gastes, als erst wenige Minuten im zweiten Abschnitt gespielt waren. Zelic nahm seine Rolle ein zweites Mal ein – als er in der Box war, und SGB-Kapitän Aaron Frey ihn foulte. Unterdessen traf SGB-Fleißbiene Roko Ivankovic noch vor der Pause den Pfosten – in Folge dieser Szene stand dem Gastgeber das Glück nicht bei, als zwei weitere Versuche vom Gast geblockt wurden.

Es halt nichts, dass die SGB auch beim zeitigen 2:3-Rückstand weiter ihr starkes Gesicht im Spiel mit Ball und im offensiven Verhalten zeigte. Ali Gün vermochte die Vorarbeit des eingewechselten Tobi Göbel nicht nutzen (58.), später war auch Dittmann im Abschluss glücklos. Freiburg indessen hatte in Person des ebenfalls ins Spiel gekommenen Dizenza-Nkoussou in Minute 75 die erstklassige Möglichkeit, das Spiel zu entscheiden. Als „Charly“ Niklas Höfler, Ex-Bundesliga-Profi des SC Freiburg, nach 80 Minuten Gelb gesehen hatte, brachen die Schlussminuten angebrochen. Und die spitzen sich in der Johannisau oftmals zu. So schien es auch dieses Mal.

Die Zuschauer freuten sich schon über das vermeintliche 3:3 des Innenverteidigers Milian Habermehl. Das Tor wurde wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt. Pech gesellt sich hinzu bei der SGB. Cimen sagte: „Auf dem Video ist zu sehen, dass Freiburgs Kapitän Fabian Rüdlin noch im Fünfer steht. Milian aber nur auf dem Rand der Linie oder ein paar Zentimeter drin.“

In den letzten Minuten passierte nichts mehr. Und der Coach der SG Barockstadt bilanzierte: „Seit vier Spielen sprechen wir über die gleichen Fehler. Das ärgert und nervt mich.“ Er schob nach: „Und nach vorne müssen wir einen hohen Aufwand betreiben. Offensiv machen wir viele Sachen gut. Aber in dieser Kombination wird es schwer, Spiele zu gewinnen. Diese Themen müssen wir einfach in den Griff bekommen.“ Positiv: Leon Pomnitz‘ Leistung. Vom Trainer bekam er ein Extra-Lob ab: „Er hat richtig gut gespielt. Und war gefühlt überall.“

Noch ein Wort zum Verhalten der Tore, die die SGB schlucken muss. „Es geht ja auch darum, Räume preiszugeben“, sagte der Trainer. Zu früh und zu einfach. Nunmehr geht es darum, sich weiteres Selbstvertrauen zu erarbeiten und es gegebenenfalls zu erzwingen. Nicht zuletzt das Spielglück. Auch bei den jetzt folgenden Auswärtsaufgaben beim VfR Mannheim und dem FC Homburg. Das nächste Heimspiel findet am 14. Oktober statt, wenn der VfR Aalen zu Gast ist.

SG Barockstadt: Horz – Kraft (72. Iljazi), Habermehl, Frey, Hillmann – Sarpei (87. Wähling) – Ivankovic (72. Reinhard), Pomnitz – Dittmann, Schmitt (39. Gün) – Elekwa (46. Göbel)

SC Freiburg II: Katz – Klein, Rüdlin, Raweri (62. Dizenza-Nkoussou), Catak (78. Michelbach), Zelic, Mohamed (46. Hug), Höfler, Tarnutzer, Adomah (87. Schiertz)

Schiedsrichter: Felix Stephan

Tore: 1:0 Sebastian Schmitt (1.), 1:1 Mladen Mijajlovic (24.), 2:1 Sebastian Schmitt (28.), 2:2 Mateo Zelic (32.), 2:3 Fabian Rüdlin (52., Foulelfmeter) +++ rl


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