Für die Anwohner des Heerwegs in Poppenhausen ist die Verkehrsbelastung seit Jahren ein Dauerthema. Seit der Sperrung der Ortsdurchfahrt in Gersfeld hat die Diskussion jedoch eine neue Schärfe bekommen. Mit der Vollsperrung der B 279 wird der Verkehr über eine offizielle Umleitungsstrecke geführt, die auch durch Poppenhausen und Gackenhof verläuft. Anwohner berichten von einer deutlichen Zunahme des Schwerlastverkehrs und warnen vor Lärm, Abgasen und Gefahren im Ortskern. Eine Anfrage der Redaktion an die Gemeinde Poppenhausen blieb bislang unbeantwortet.
Die Belastung ist für die Anwohner nach eigenen Angaben nicht neu. Schon vor der Sperrung der Gersfelder Ortsdurchfahrt gehörten internationaler Lkw-Durchgangsverkehr, sommerlicher Reiseverkehr sowie Motorräder zu den regelmäßigen Erscheinungen entlang der Strecke. Bei Staus auf der A7 zwischen Fulda-Süd und Bad Brückenau/Volkers werde die Verbindung zudem als Ausweichroute genutzt. Besonders in den Abendstunden und an Wochenenden sei der Verkehr deutlich wahrnehmbar.
Seit dem 5. August hat sich die Situation nach Einschätzung der Anwohner jedoch verschärft. Die B 279 ist in Gersfeld wegen der Erneuerung der Ortsdurchfahrt voll gesperrt. Hessen Mobil geht davon aus, dass die Arbeiten voraussichtlich bis Mai 2027 dauern. Bei günstiger Witterung könnte die Maßnahme bereits im Dezember 2026 abgeschlossen werden. Während einer geplanten Winterpause soll die Strecke zwischenzeitlich wieder für den Verkehr freigegeben werden.
Die offizielle Umleitung führt über die B284 bei Obernhausen, weiter über die B278 durch Wüstensachsen und Batten sowie über die B458 durch Dietges und Steinwand. Von dort führt die Strecke über die L3330 durch Poppenhausen und Gackenhof. Damit ist der Ort nicht lediglich von einzelnen Ausweichfahrern betroffen, sondern liegt ausdrücklich auf der ausgeschilderten Umleitungsroute.
Für die Anwohner ist gerade das problematisch. Sie hatten nach eigenen Angaben erwartet, dass der zusätzliche Schwerlast- und Reiseverkehr möglichst weiträumig über die Autobahn A 7 und übergeordnete Bundesstraßen geführt würde. Stattdessen rollt der Verkehr über eine Landesstraße durch den Ort. Besonders kritisch sehen die Anwohner die Situation im Bereich der Georgstraße und des Heerwegs.
Dort befinden sich unter anderem eine Altersheim-Tagesstätte, eine Kinderkrippe, ein Kindergarten und Geschäfte. Nach den Schilderungen der Anwohner fahren insbesondere schwere Lastwagen aus Richtung Gackenhof in den Ort hinein. Die Rede ist von 40-Tonnern, die teilweise ohne erkennbare Geschwindigkeitsreduzierung in Richtung Ortsmitte unterwegs seien. Der Tempo-30-Bereich in der Georgstraße sei aus Sicht der Anwohner zu kurz bemessen. Gleichzeitig werde die zulässige Geschwindigkeit immer wieder überschritten.
In den Sommernächten werde die Belastung besonders deutlich. Bei geöffneten Fenstern sei an ruhigen Schlaf kaum zu denken. Schwere Lastwagen seien teilweise im Minutenabstand zu hören, wenn sie von Gackenhof kommend talwärts in Richtung Poppenhausen fahren. Hinzu kämen Abgase und die Sorge vor Erschütterungen sowie möglichen Schäden an den Gebäuden entlang der Strecke.
Noch stärker beschäftigt die Anwohner die Verkehrssicherheit. Sie verweisen auf die Kurve im Bereich der Georgstraße zum Heerweg und auf die Gefahren, die von schweren Fahrzeugen ausgehen könnten. Besonders sensibel sei die Situation dort, wo Kinder auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Kinderkrippe unterwegs sind.
Hessen Mobil weist die grundsätzliche Kritik an der Streckenwahl zurück. Nach Angaben der Behörde wurde die Umleitungsführung mit den zuständigen Stellen und der Polizei abgestimmt. Auch die Gemeinde Poppenhausen sei in das Verfahren einbezogen worden. Die L3330 sei als klassifizierte Landesstraße grundsätzlich für den Schwerlastverkehr ausgelegt. Hessen Mobil hält die gewählte Strecke deshalb für eine geeignete Umleitung.
Gleichzeitig bestätigt Hessen Mobil, dass sich das Verkehrsaufkommen auf der Umleitungsstrecke erhöht. Eine gesonderte Verkehrszählung, mit der sich die tatsächliche zusätzliche Belastung in Poppenhausen beziffern ließe, ist nach Angaben der Behörde derzeit allerdings nicht vorgesehen. Damit fehlt bislang eine aktuelle Datengrundlage, die zeigen könnte, wie stark der Verkehr tatsächlich zugenommen hat und welchen Anteil daran der Schwerlastverkehr hat.
Die Diskussion ist dabei nicht völlig neu. Bereits im hessischen Lärmaktionsplan waren für die Georgstraße beziehungsweise die L3330 verschiedene mögliche Maßnahmen genannt worden. Dazu gehörten unter anderem eine Verlängerung des Tempo-30-Bereichs, stärkere Geschwindigkeitskontrollen, eine erneute Verkehrszählung und als weitergehender Vorschlag ein Lkw-Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen mit Ausnahme des Anliegerverkehrs. Diese Vorschläge stellen allerdings keine beschlossenen Maßnahmen dar.
Für die aktuelle Situation ist deshalb die Haltung der Gemeinde Poppenhausen von besonderem Interesse. Die Redaktion hat das Rathaus nach Beginn der Sperrung um eine Stellungnahme gebeten. Gefragt wurde unter anderem, ob der Gemeinde eine Zunahme des Schwerlastverkehrs bekannt ist, ob eigene Verkehrszählungen oder andere Daten vorliegen und ob Gespräche mit Hessen Mobil, dem Landkreis Fulda oder weiteren zuständigen Stellen geführt wurden.
Auch zur Verkehrssicherheit im Bereich der Georgstraße und des Heerwegs wurde um eine Einschätzung gebeten. Die Redaktion wollte wissen, ob die Gemeinde den bestehenden Tempo-30-Bereich für ausreichend hält, ob zusätzliche Kontrollen angeregt wurden und ob weitere Maßnahmen zum Schutz der Anwohner und der dort lebenden beziehungsweise betreuten Kinder geprüft werden.
Eine Antwort aus dem Rathaus ist bis heute nicht eingegangen.
Damit bleibt ausgerechnet die Einschätzung der Kommune offen, die nach Angaben von Hessen Mobil in die Abstimmung der Umleitungsstrecke eingebunden war. Während der Straßenbaulastträger die L3330 als geeignete Strecke bezeichnet und zugleich eine Zunahme des Verkehrs bestätigt, berichten Anwohner von einer erheblichen Belastung unmittelbar vor ihren Häusern. Ohne aktuelle Verkehrsdaten lässt sich die tatsächliche Größenordnung dieser Mehrbelastung allerdings nicht zuverlässig bestimmen.
Für Poppenhausen dürfte die Frage deshalb noch länger aktuell bleiben. Die Sperrung der Gersfelder Ortsdurchfahrt ist keine kurzfristige Baustelle. Je nach Baufortschritt und Witterung reicht der Zeitraum bis Ende dieses Jahres oder sogar bis in das Frühjahr beziehungsweise den Mai 2027. Während dieser Zeit wird Poppenhausen weiterhin mit dem zusätzlichen Verkehr leben müssen.
Für die Anwohner geht es damit längst nicht mehr allein um eine Umleitung. Sie wollen wissen, wie stark ihr Ort tatsächlich zusätzlich belastet wird, welche Sicherheitsrisiken bestehen und ob es Möglichkeiten gibt, die Auswirkungen zu begrenzen. Und sie erwarten dabei offenbar nicht nur Antworten von Hessen Mobil, sondern auch von ihrer eigenen Gemeinde.
Die Redaktion wird die Entwicklung weiter beobachten. Insbesondere die Frage, ob die Gemeinde Poppenhausen noch Stellung zu den konkreten Belastungen und möglichen Maßnahmen nimmt, bleibt offen. +++

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