Reformationsgottesdienst in Fulda: Sieben Predigten über Mut zum Tun und Lassen in der Christuskirche

Foto: privat

Statt einer einzelnen langen Predigt standen am Samstagabend in der Fuldaer Christuskirche gleich sieben kurze Ansprachen im Mittelpunkt. Zum gemeinsamen Gottesdienst des Kooperationsraums Fulda-Mitte anlässlich des Reformationstages waren sechs Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Dekan Dr. Thorsten Waap zusammengekommen. Unter dem Leitgedanken „Vom Tun und vom Lassen – Mut zu beidem!“ versammelten sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher in dem voll besetzten Gotteshaus, während andernorts am selben Abend Halloween gefeiert wurde.

Pfarrer Stefan Bürger eröffnete den Gottesdienst und führte in das Thema ein. Er betonte, wie viele Erwartungen an Menschen gerichtet seien, stets aktiv zu handeln, Entscheidungen zu treffen und Dinge zu gestalten. Der Reformationstag erinnere jedoch daran, dass der Wert eines Menschen nicht von seiner Leistung abhängt, sondern allein darin begründet liegt, Gottes geliebtes Kind zu sein. Aus dieser reformatorischen Grunderkenntnis – dass der Mensch aus Gnade und nicht durch eigene Werke lebt – erwachse eine Freiheit, die gleichermaßen Raum für das Tun wie für das bewusste Lassen gibt. Wo entschlossenes Handeln nötig ist und wo es ebenso viel Mut erfordert, Dinge ruhen zu lassen, beleuchteten die Mitwirkenden im weiteren Verlauf aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die Reihe der kurzen Predigten eröffneten Pfarrer Marvin Lange, Pfarrerin Julia Kaiser, Pfarrer Jörg Scheer und Pfarrerin Heike Dietrich. Nach einer Orgelimprovisation folgten die Impulse von Dekan Dr. Thorsten Waap, Pfarrer Stefan Bürger und Pfarrer Christian Pfeifer. Die Predigenden ermutigten einerseits dazu, sich aktiv in Mitmenschen einzufühlen, voller Hoffnung zu bleiben und Gelassenheit zu wahren. Andererseits plädierten sie für das Loslassen: Auch durch Nichtstun lasse sich Liebe zu Gott ausdrücken, da schließlich auch Gott selbst ruhe und Pausen einlege.

Für den musikalischen Rahmen sorgten zwei Ensembles: der Posaunenchor der Gesamtgemeinde unter der Leitung von Joachim Enders sowie die Kantorei Fulda unter Leitung von Professor Andreas Schneidewind, die unter anderem Martin Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ darbot. In den anschließenden Fürbitten griffen die Pfarrerinnen und Pfarrer das Spannungsfeld erneut auf: Sie beteten für Menschen, die trotz großen Einsatzes das Gefühl haben, nicht zu genügen, sowie für eine Gesellschaft, die den Menschen nicht allein nach seiner Leistungsfähigkeit bewertet. Nach dem Wandelabendmahl machten viele Anwesende vom Angebot Gebrauch, sich von den Seelsorgern einen persönlichen Segen spenden zu lassen. Als Kernbotschaft des Abends stand das Vertrauen auf Gottes Gnade, aus dem heraus Menschen beides vermögen: mutig handeln und ebenso mutig Dinge sein lassen. +++


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