Der Hessentag in Fulda soll nicht nur ein Fest der Kultur und der Begegnung werden, sondern auch ein sichtbares Zeichen kirchlicher Zusammenarbeit. Mit einem gemeinsamen Auftritt präsentieren sich das Bistum Fulda, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau erstmals in dieser Form auf dem Landesfest. Unter dem Leitwort „Im Herzen eins“ entsteht vom 12. bis 21. Juni ein ökumenisches Programm, das mit rund 110 Veranstaltungen an vier Standorten zu den umfangreichsten kirchlichen Beiträgen der vergangenen Hessentage zählt.
Die Entscheidung für einen gemeinsamen Auftritt ist mehr als eine organisatorische Zusammenarbeit. Sie steht für den Versuch, konfessionelle Grenzen im öffentlichen Raum zunehmend in den Hintergrund treten zu lassen und stattdessen gemeinsame Anliegen sichtbar zu machen. Unterstützt von der Diakonie Hessen und dem Caritasverband für die Diözese Fulda tragen mehr als 170 Ehrenamtliche das Programm. Ihr Engagement bildet die Grundlage für ein Angebot, das spirituelle Impulse ebenso umfasst wie Musik, Kultur und Gesprächsmöglichkeiten.
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber verbindet mit dem Hessentag die Hoffnung auf Begegnungen über gesellschaftliche und kulturelle Grenzen hinweg. Gerade in einer Zeit, in der Zusammenhalt nicht selbstverständlich erscheine, gewännen Orte an Bedeutung, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsame Erfahrungen machen könnten. Ähnlich argumentiert die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann. Dass evangelische und katholische Kirche sich erstmals gemeinsam beim Landesfest präsentierten, sei Ausdruck eines Verständnisses von Ökumene, das weniger auf Unterschiede als auf gemeinsames Handeln für die Menschen gerichtet sei.
Auch die Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Christiane Tietz, sieht im Programm die Chance, neue Zugänge zu traditionellen Inhalten zu eröffnen. In der Fuldaer Stadtpfarrkirche, die während des Hessentags als zentrale „Herzmitte“ fungiert, sollen multimediale Installationen biblische Geschichten neu erfahrbar machen. Der Ansatz verbindet moderne Präsentationsformen mit jahrtausendealten Texten und setzt damit bewusst auf einen Dialog zwischen Tradition und Gegenwart.
Eröffnet wird das gemeinsame Programm am 12. Juni um 18 Uhr in der Stadtpfarrkirche. Während des gesamten Landesfestes verwandelt sich das Gotteshaus in die Hessentagskirche. Zwei stündlich wechselnde Inszenierungen führen die Besucherinnen und Besucher in rund fünfzehn Minuten durch biblische Herzensgeschichten. Ergänzt wird das Angebot durch tägliche Orgelmusik am frühen Nachmittag, Posaunenserenaden am späten Nachmittag sowie einen nächtlichen geistlichen Impuls.
Neben der Stadtpfarrkirche prägen drei weitere Orte das kirchliche Programm. In den Fulda-Auen entsteht mit der Himmelsbühne ein Veranstaltungsort für Konzerte, Familienangebote und Begegnungen. Rund 1.000 Grundschulkinder werden dort zu einem gemeinsamen Singprojekt erwartet. Am 15. Juni steht zudem ein Inklusionstag mit interaktiven Stationen auf dem Programm. Die Severikirche lädt unter dem Titel „Herzzeit“ zum Innehalten ein und bietet einen ruhigen Gegenpol zum Trubel des Landesfestes.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte die sogenannte Segensgondel im Riesenrad erhalten. Unter dem Motto „Herzblick“ verbinden sich dort Ausblicke über die Stadt mit persönlichen Gesprächen und Segensangeboten. Täglich zwischen 15 und 19 Uhr sowie bei den Abendveranstaltungen am 19. und 20. Juni können Besucherinnen und Besucher den Hessentag aus ungewohnter Perspektive erleben. Das Angebot verdeutlicht den Anspruch der Veranstalter, Spiritualität nicht ausschließlich an traditionelle Orte zu binden, sondern sie auch inmitten des Festgeschehens erfahrbar zu machen.
Als Höhepunkt des Programms gilt der ökumenische Hessentags-Gottesdienst am 14. Juni auf dem Domplatz. Die Arena soll sich dabei in eine große Open-Air-Kirche verwandeln. Gemeinsam mit Bischöfin Hofmann und Bischof Gerber wollen die Kirchen sichtbar machen, wie gelebte Ökumene aussehen kann. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von den „Mambo Kingx“, dem ökumenischen Hessentagschor mit rund 120 Sängerinnen und Sängern sowie einem 160 Mitglieder starken Posaunenchor. Hinzu kommen Dennis Martin und Ethan Freeman mit musikalischen Beiträgen aus dem Musical „Bonifatius“. Kinder aus Grundschulen, Kindertagesstätten und Chören werden zudem das eigens für den Hessentag komponierte Lied „Im Herzen eins“ präsentieren.
Einen weiteren Schwerpunkt setzt der erste ökumenische Landesposaunentag am 20. Juni. Musikerinnen und Musiker aus beiden evangelischen Landeskirchen sowie dem Bistum Fulda gestalten gemeinsam ein Programm, das traditionelle Bläsermusik mit modernen Arrangements verbindet. Der Festgottesdienst „Gott gab uns Atem“ und ein Konzert des Ensembles Genesis Brass auf der Himmelsbühne sollen den Tag abrunden.
Seinen Abschluss findet das kirchliche Programm am 21. Juni mit dem Gottesdienst „Vom Kopf zum Herz“ auf der Hessenbühne am Universitätsplatz. Gestaltet wird er von Dekan Thorsten Waap und Dechant Stefan Buß. Im Anschluss beteiligen sich die Kirchen mit einem eigenen Wagen am großen Hessentags-Festzug.
Der gemeinsame Auftritt der Kirchen beim Hessentag ist damit weit mehr als ein Begleitprogramm zum Landesfest. Er ist zugleich Ausdruck eines Verständnisses von Kirche, das Präsenz nicht allein im Gottesdienst sucht, sondern dort, wo Menschen zusammenkommen. Ob auf einer Bühne, in einer Kirche oder in einer Gondel hoch über der Stadt – der Versuch, Gemeinschaft sichtbar zu machen, dürfte zu den bemerkenswertesten Signalen dieses Hessentags gehören. +++
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