Maximilian Jäger Der Para-Radsportler fährt international glänzende Erfolge ein – und qualifiziert sich für EM und WM

Wer Sport lebt, meint auch die Para-Sportler. Maximilian Jäger aus Bad Brückenau ist längst in der internationalen Spitze angelangt. Das bewies er in den vergangenen Tagen bei gleich zwei Weltcups der Radsportler: den im belgischen Gistel nahe Oostende und im italienischen Monteselvano in den Abruzzen nahe Pescara eindrucksvoll. Zwar sprang in vier Rennen keine Podiumsplatzierung heraus – doch mit Rängen im Vorderfeld tankte er nicht nur reichlich Selbstvertrauen, er machte erneut auf sich aufmerksam und zeigte seinen Kontrahenten, dass mit ihm zu rechnen ist.

Maximilians stolze Bilanz: einmal Vierter, zweimal Fünfter und einmal Siebter. Und das Beste: Maximilian erreichte seine Ziele: sich für die Europameisterschaft vom 12. bis 14. Juni im italienischen Magnago in der Lombardei zu qualifizieren – und für die Weltmeisterschaft im September im US-amerikanischen Huntsville in Alabama. In Vorbereitung dieser Weltcup-Veranstaltungen absolvierte „Maxi“ drei Aufenthalte auf Mallorca. Im Dezember vergangenen Jahres, sowie im März und April 2026.

Los ging es in Belgien. Genauer gesagt in Gistel nahe Oostende an der Nordseeküste. Im Einzelzeitfahren hatte Maximilian mit extremem Seitenwind zu kämpfen. Er hatte darauf gesetzt, mit „Scheiben“ zu fahren – das aber erwies sich als eher kontraproduktiv und weniger aerodynamisch. Dennoch: Er kam zunächst als Zweiter ins Ziel, musste aber noch warten auf seine Platzierung. Zwei Fahrer waren schneller, am Ende sprang Platz vier heraus – in seinem ersten internationalen Wettkampf des Jahres. „Ich war sehr zufrieden“, bekannte er. Kein Wunder, hatte er sein Ziel doch erreicht.

Rang vier im ersten Rennen in Belgien folgte Platz fünf im Straßenrennen. Die Strecke, analog der des Einzelzeitfahrens, sei sehr unselektiv gewesen. Man habe keine Sprints oder Attacken fahren können. Zwei englische Fahrer bleiben in Erinnerung – einer von ihnen achtete sehr darauf, Konkurrenten seines Mitstreiters von dessen Leib zu halten. Zum Ende des Rennens hin gab es einen Sturz, „zum Glück war ich darin nicht involviert und schon vornweg“, sagt Maximilian. Den Zielsprint setzte er zu früh an – Platz fünf blieb übrig.

In Italien unternahm er einen erneuten Angriff aufs Podium. Genauer gesagt, in Monteselvano bei Pescara in den Abruzzen. Im Einzelzeitfahren über 15 Kilometer, die in zwei Runden zu bewältigen waren, musste er die Erfahrung machen, gegen Widerstände anzukämpfen – und lernen, mit ihnen bestmöglich umzugehen. Lange lag er aussichtsreich auf Rang vier. Doch er hatte sich so belastet, dass er die letzte Rechtskurve – 50 Meter vor dem Ziel – falsch einschätzte. „Als ich es gemerkt hatte, war es zu spät“, sagte er später. Mit dem linken Hinterrad blieb er an der Absperrung hängen – er war nicht gerade langsam unterwegs – und geriet natürlich aus dem Rhythmus. Schmerzhafte Verletzungen zog er sich zu: der untere Tiel des Rückens war geprellt, Schürfwunden kamen hinzu.

Beim Straßenrennen sah es besser aus. Maximilian Jäger startete von der dritten Reihe aus – auch ein Fakt daraus, dass die deutsche Delegation nicht am ersten Weltcup des Jahres 2026 in Thailand teilgenommen hatte, und Maximilian einen Wettkampf weniger hatte als seine Konkurrenten. Die fuhren zunächst vorne weg – und es kostete Kraft, sich heranzukämpfen. Und der Bad Brückenauer leistete Enormes: In der letzten Runde lag er nur zehn Sekunden auf Platz vier zurück. Im Zielsprint gab er alles – Platz fünf blieb übrig.

Maximilian Jäger war mit seinem Abschneiden bei beiden Weltcups äußerst einverstanden. Schließlich warten die beiden internationalen Großveranstaltungen – die EM im Juni und die WM im September.

Notiz am Rande: Was Sportler mit Handicap leisten, wird in der öffentlichen Wahrnehmung, der Anerkennung, dem Respekt und Bewusstsein noch immer etwas gering geschätzt. Zwar ist dies in den letzten Jahren erheblich besser geworden, dennoch tut Deutschland weiterhin gut daran, dieses Gesicht aufzupolieren. Denn genannte Zielgruppe hat in ihrer psychischen Arbeit ja zwei Hürden zu überwinden: ihr Handicap zu akzeptieren und fürs Leben zu nutzen – und mehr oder weniger ambitioniert Sport zu betreiben. Maximilian Jäger setzt seine Energien – wie andere auch, etwa der Handballer Bernd Fichtner in Eisenach oder, mit etwas geringerem Aufwand, die Tischtennis-Spielerin Silke Kind in Niesig – gar im Leistungssport ein. Hochachtung gilt indessen auch denen, die das aus diversen Gründen nicht können. Also, Deutschland: Es kann noch besser werden. +++ rl


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