Marcel Dücker: Stabilität und Vereinstreue haben einen Namen

Marcel Dücker

Kurze Wege sind oft hilfreich, auch zum Treffpunkt im Herzen. Nur 800 Meter muss Marcel Dücker zurücklegen auf dem Weg von seinem Wohnort bis zur Rhönkampfbahn. Hier pulsiert das sportliche Leben des Hünfelder SV. Hier haben sich nicht nur die Leichtathleten als eines der prägendsten Teams in Osthessen, Hessen und darüber hinaus herausgeschält in den letzten Jahren – hier spielen auch die Hessenliga-Fußballer des HSV, deren Innenverteidiger Dücker ist. Der 28-Jährige ist so etwas wie das Herzstück seiner Mannschaft. Und eines ist sicher: Stabilität und Vereinstreue haben einen Namen. Diese Etikette und Begrifflichkeiten scheinen für ihn erfunden worden zu sein.

Nähern wir uns der Stabilität. Früher spielte Marcel Dücker Sechser, heute ist er Innenverteidiger. Da fehlt noch etwas. Zwischendurch hatte es auch mal ein Intermezzo als Rechtsverteidiger gegeben. Zwei Jahre lang. „Zentral ist besser“, findet der Mannschafts-Spieler eine diplomatische Antwort. Und er schiebt nach: „Das Körperliche zeichnet mein Spiel aus.“ Er ist die „Zuverlässigkeit in Person“, wie manche sagen. Er führt keine Zweikämpfe, er gewinnt sie. Reden schlaue Leute im Fernsehen oft über Zweikampfquoten, bei Marcel bräuchten sie das nicht zu tun. Er hat stets eine gute Quote. Er wirft immer an die 70 Prozent und mehr in den Mannschaftstopf. Das freut jeden Trainer. Es gibt Spieler, die man blind aufstellt, oder nachts um halb Vier anruft, ob sie spielen – Marcel gehört zu diesem Kreis.

Ob Dücker, in Mittelaschenbach geboren, die Körpergröße fehlt als Innenverteidiger? „Das ist immer relativ“, sagt er, „es kommt auf das Timing und die Schnelligkeit an“. Er sei eher mannschaftsdienlich, „mir ist es auch nicht so wichtig, ein Tor zu schießen“ – wo doch Stürmer wegen ihrer Tore oder Keeper wegen ihrer Paraden und abgewehrten Bälle weitaus mehr im Fokus stehen. Im Rampenlicht. Dort, wo die Sonne scheint. „Dücki“ betont indessen – und wenn man es einem glaubt, dann ihm – „die geschlossene Mannschaftsleistung ist das Wichtigste. Keiner kann ohne die Mannschaft glänzen“.

Diese Haltung symbolisiert auch seine Rolle als Kapitän der Mannschaft. Seit acht Jahren kickt er in der Rhönkampfbahn, seit zwei Jahren füllt er das Amt mit der Binde aus. „Ich hab‘ eigentlich zu allen guten Kontakt. Ich bin ja Kapitän“, sagt er mit der nüchternen Trockenheit, mit der er seine Spiele und Auftritte auf dem Platz abreißt. Er führe auch mal Gespräche mit Spielern, warum sie denn nicht spielen oder in der Anfangsbesetzung stehen. „Das Kapitäns-Amt führe ich gerne aus“. Er ist einer, der das in die Tat umsetzt, was in der deutschen Gesellschaft immer mehr verschwindet: Marcel Dücker übernimmt Verantwortung. Und die Verantwortlichen des Hünfelder SV sollten sich überlegen, ob sie ihm diese Etikette nicht eingravieren. Jedenfalls Treue. Oder auch, falls Unternehmen dieses Charakteristikum mal mit Leben füllen wollen oder eine Person suchen, die das vortrefflich ausfüllt. „Verantwortung auf und neben dem Platz“, ergänzt Dücker, der den kurzen Weg von seiner Arbeitsstelle Finanzamt zu unserem Termin gefunden hat, noch. Es gebe immer Dinge, die er verbessern könne. „Ich bin ein Harmonie-bedürftiger Mensch. Ich will gucken, dass keiner hinten runter fällt.“ Typisch Dücker.

Benjamin Fuß, der nunmehr in die Rolle des Cheftrainers geschlüpft ist beim Hessenligisten, sagt über Marcel Dücker: „Er verkörpert den HSV wie kein Anderer. Er lebt den Verein. Das sind Werte, die ihn widerspiegeln. Alleine, durch seine Einstellung und Verlässlichkeit. Er ist immer für das Team da.“ Ob es nichts zu verbessern gebe? „Das einzige Manko ist, dass er den Mund aufmachen könnte. Wenn es mal nicht so läuft, könnte er dem Team mehr helfen.“

Seine ersten Spiele bestritt Marcel bei den Bambini in Nüsttal. Mit Beginn der D-Junioren kickte er für den HSV – ehe er sich nach Fulda orientierte. Die C-Junioren-Zeit war angebrochen, und „Dücki“ schloss sich dem JFV Viktoria Fulda an. Henny Kohlhepp, Birger Pfannenstiel oder der Ehrenberger Daniel Heil waren da seine Trainer – ehe der heute in Hofbieber tätige Sebastian Vollmar diesen Job übernahm. Er rückte in den Männerbereich auf und kickte unter Coach Marco Lohsse ein Jahr lang beim TSV Lehnerz. Zur Saison 2019/20 wurde endgültig die Rhönkampfbahn in Hünfeld seine sportliche Heimat. Plötzlich lacht Marcel Dücker das Herz. Und das ist kein Wunder. „Ich komme ins Überlegen, mit welchen Leuten ich zusammen gespielt habe.“ Stellvertretend nennt er Steffen Witzel, das aktuelle Trainer-Duo der Ersten, Benjamin Fuß und Julian Rohde, den jetzt nach Eichenzell abgewanderten Dennis Müller oder auch Ex-Keeper „Benne“ Kaiser, der aktuell den Job als Torwart-Trainer des Hessenliga-Teams ausfüllt.

Womit wir wieder die Brücke zur Vereinstreue und zum HSV schlagen können. Er identifiziere sich „zu 100 Prozent“ mit dem Verein. „Wir haben jetzt eine Achse von mehreren Spielern, die seit mehreren Jahren zusammen spielen. Da sind Freundschaften im privaten Bereich entstanden. Das zeichnet die Mannschaft aus.“ Eine kleine Art Liebeserklärung oder einfach ein Signal, wie der Hünfelder SV tickt? Egal. Auch wenn es dafür keine Punkte gibt. Jedenfalls nicht auf Anhieb. Was er am Verein wertschätzt. Auch das mag er spontan beantworten. „Das Familiäre. Es ist ein Verein, bei dem man ambitionierten Fußball und den familiären Aspekt miteinander vereinen kann.“ Und man fragt sich, warum das nicht auf einem Schild steht beim Eingang zur Rhönkampfbahn.

Hören wir abschließend einen, der Marcel Dückers Weg lange begleitete. „Marcel Dücker ist prädestiniert für den HSV“, lässt Steffen Witzel keinen Zweifel über seinen einstigen Mitspieler. „Er ist verantwortungsbewusst. Kümmert sich um Vieles. Das hängt auch mit seinen Eltern zusammen, die extrem bodenständig sind.“ Witzel, Kopffigur des U35-Teams und bis vor Kurzem selbst noch auf höchstem Niveau spielend, stellt indessen auch den Menschen in den Fokus. „Marcel ist ein guter Freund. Ein Pfundskerl.“ Er bemüht eine hübsche Anekdote, bei der Dückers Vereinszugehörigkeit auf die Probe gestellt wird. „Es war im Sommer 2018. Ich hab‘ da geheiratet. Marcel und ich haben uns zu dieser Zeit im Schwimmbad kennengelernt – und ich habe gehört, dass er zu uns wechselt. Da hab‘ ich ihn gleich zum Polterabend eingeladen.“ Wie auch immer: Der Weg in die Rhönkampfbahn ist nicht weit. Ob zu Fuß. Oder beim Spazierengehen im Kopf. +++ rl


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