Kreis Fulda: Studie sieht massiven Nachholbedarf bei altersgerechten Wohnungen

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Der Landkreis Fulda steht nach Einschätzung des Pestel-Instituts vor einer wohnungspolitischen Herausforderung. Einer Untersuchung zufolge sind von den knapp 112.500 Wohnungen im Kreis lediglich rund 7.000 so gebaut, dass ältere Menschen auch mit Rollator oder Rollstuhl ohne größere Einschränkungen darin leben können. Damit erfüllen nur etwa sechs Prozent des Wohnungsbestands die Voraussetzungen, die notwendig sind, um auch bei körperlichen Einschränkungen oder im Pflegefall in der eigenen Wohnung bleiben zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine regionale Wohnungsmarktanalyse, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt hat.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die sogenannte Alterstauglichkeit der Wohnungen. Nach Angaben des BDB gewinnt dieses Thema im Landkreis Fulda in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung. Hintergrund ist, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre rund 35.000 Menschen der Baby-Boomer-Generation in den Ruhestand gehen werden. Aus Sicht des Verbandes müsse deshalb möglichst schnell zusätzlicher altersgerechter Wohnraum entstehen. Langfristig sei eine seniorengerechte Sanierung von Wohnungen günstiger als ein späterer Umzug in ein Pflegeheim. Gleichzeitig entspreche sie dem Wunsch vieler Menschen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben.

Nach Einschätzung des Pestel-Instituts wird dieses Ziel vor allem dann erreichbar sein, wenn bestehende Wohnungen umfassend umgebaut werden. Gefragt seien möglichst barrierearme Grundrisse ohne Schwellen, Stufen oder Treppen sowie breite Türen und ausreichend Bewegungsflächen für Rollatoren oder Rollstühle. Besonders im Bad und in der Küche fehle es jedoch häufig an Platz.

Die Untersuchung zeigt, dass Hindernisse oft bereits am Hauseingang beginnen. Nach Angaben des Pestel-Instituts sind 29 Prozent aller Hausflure im Landkreis Fulda nicht breit genug, um mit einem Rollstuhl problemlos passiert zu werden. Das betrifft rund 31.100 Wohnungen. In vielen Fällen seien zudem die Haustüren zu schmal.

Auch innerhalb der Wohnungen sehen die Wissenschaftler erhebliche Defizite. Zwar verfügen 69 Prozent der Wohnungen über eine ausreichend große Küche. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass in rund 34.500 Küchen Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden können. Noch deutlicher fällt das Ergebnis bei den Badezimmern aus. Rund 50.100 Bäder und damit 45 Prozent gelten als zu klein.

Als entscheidendes Merkmal für altersgerechtes Wohnen nennt das Pestel-Institut jedoch die bodengleiche Dusche. Sie sei das wichtigste Kriterium, um eine Wohnung auch im Alter sicher nutzen zu können. Im Landkreis Fulda verfügen derzeit lediglich rund 28.600 Wohnungen über eine solche begehbare Dusche. Das entspricht 25 Prozent aller Wohnungen.

Nach Einschätzung von Institutsleiter Matthias Günther sollte deshalb insbesondere der Umbau von Badezimmern im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig verweist er auf bauliche Grenzen älterer Gebäude. Vor allem bei Wohnhäusern aus den 1950er-Jahren seien die Deckenkonstruktionen häufig zu dünn, um ohne Weiteres eine bodengleiche Dusche einzubauen.

Insgesamt sieht das Pestel-Institut beim Wohnungsbestand im Landkreis Fulda erheblichen Nachholbedarf. Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel hält den seniorengerechten Umbau bestehender Wohnungen für den entscheidenden Ansatz. Neubauten könnten zwar einen Beitrag leisten, den wachsenden Bedarf aber nicht allein decken. Im Mittelpunkt müsse deshalb der Umbau der Wohnungen stehen, in denen die Baby-Boomer heute bereits leben.

Nach Auffassung des Verbandes ist der altersgerechte Umbau über viele Jahre vernachlässigt worden. Deshalb fordert der BDB eine „Senioren-Umbau-Offensive“. Mieter sowie Wohnungs- und Hauseigentümer im Landkreis Fulda benötigten aus Sicht des Verbandes finanzielle Unterstützung aus Berlin. Gefordert werden sogenannte „Boomer-Zuschüsse“, mit denen Standardwohnungen zu barrierearmen Wohnungen umgebaut werden können.

Auch das Pestel-Institut spricht sich für eine deutlich stärkere Förderung aus. Der Bund solle den überwiegenden Teil der Umbaukosten in Form von Zuschüssen übernehmen. Wer sich kurz vor dem Ruhestand befinde, sei häufig nicht bereit, für einen altersgerechten Umbau noch einen Kredit aufzunehmen. Die derzeit übliche staatliche Förderung von zehn Prozent beim Badumbau bezeichnet Institutsleiter Matthias Günther als unzureichend. Sie reiche nicht aus, um den notwendigen Umbau von Seniorenwohnungen im großen Stil anzustoßen.

Kritik übt auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel am bestehenden Fördersystem. Die unterschiedlichen Programme von KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung seien aus Sicht des Verbandes zu unübersichtlich. Der notwendige Sanierungsschub bleibe deshalb aus. Statt vieler einzelner Förderangebote fordert der BDB einen milliardenschweren Bundeszuschuss und eine Wohnungsbaupolitik, die den altersgerechten Umbau künftig zu einem ihrer Schwerpunkte macht. +++


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