Klinikum Fulda: Herzrhythmusstörungen erfolgreich behandeln

Ärzte des Herz-Thorax-Zentrums des Klinikums Fulda setzten erstmals den kleinsten Herzschrittmacher der Welt ein: die so genannte Kardiokapsel, die nicht viel größer als eine ordentliche Tablette ist. Das auf Herzrhythmus-Erkrankungen spezialisierte Team des Klinikums unter Leitung von Dr. Joachim Krug (Leiter der Abteilung für Elektrophysiologie, Medizinische Klinik I) und Dr. Oliver Rode (Oberarzt der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie) implantierte das neue System gemeinsam. „Die Systeme eigenen sich insbesondere für Patienten, bei denen der übliche Weg des Schrittmachers zum Herzen über Drahtkabel (sog. Elektroden) durch Vorerkrankungen oder anatomische Besonderheiten versperrt ist“, so Dr. Krug. „Für ausgewählte Patienten ist dieser Herzschrittmacher bereits heute eine wertvolle Alternative“, ergänzt Dr. Rode.

Bradykardie ist eine Erkrankung, bei der das Herz zu langsam schlägt. Es kann demzufolge nicht genügend sauerstoffreiches Blut für eine normale körperliche Aktivität oder gar eine stärkere Belastung bereitstellen. Das führt zu Benommenheit, Müdigkeit, Kurzatmigkeit und Ohnmachtsanfällen. Herzschrittmacher – das gebräuchlichste Mittel zur Behandlung der Bradykardie – senden elektrische Impulse und übertragen diese über Drähte auf das Herz wodurch der natürliche Herzrhythmus wiederhergestellt wird und Symptome gelindert werden.
Die Kardiokapsel bietet die fortschrittlichste Herzschrittmachertechnologie: Mit weniger als drei Zentimeter und einem Gewicht von knapp zwei Gramm ist sie zehnmal kleiner als ein herkömmlicher Schrittmacher und damit winzig genug, um sie über einen Katheter minimalinvasiv unmittelbar ins Herz einzubringen. Weder sind Drähte („Elektroden“) erforderlich, noch muss operativ eine „Tasche“ unter der Haut angelegt werden. Stattdessen wird das System mit winzigen Titanärmchen in der Herzwand verankert und gibt über einen Pol an der Spitze des Geräts die elektrischen Impulse für die Herzaktivität ab.

Trotz der geringen Größe der Kardiokapsel beträgt die voraussichtliche Laufzeit der Batterie etwa zehn Jahre. Das System reagiert auf den Aktivitätsgrad des Patienten, indem es die Schrittmachertätigkeit automatisch anpasst. Es ist für Kernspinn (MRT) -Untersuchungen aller Körperregionen zugelassen –was für die meisten „normalen Herzschrittmacher nicht der Fall ist – und hält dem Patienten so den Zugang zu den fortschrittlichsten diagnostischen Bildgebungsverfahren offen. „Die erfolgreiche Implantation der Kardiokapsel zeigt wieder einmal wie gut die Medizinische Klinik I und die Klinik für Herz-Thoraxchirurgie am Herz-Thorax-Zentrum „Hand-in-Hand“ zusammen arbeiten“ stellen Prof. Volker Schächinger (Direktor der Medizinischen Klinik I) und Prof. Hilmar Dörge (Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie) gemeinsam fest. +++ pm

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