Es gibt vermutlich einfachere Wege, für das Handwerk zu werben. Man kann Statistiken vorlegen, über Fachkräftemangel sprechen, Ausbildungszahlen veröffentlichen oder politische Forderungen formulieren. Im Fuldaer Eiscafé Monte Carlo wurde am heutigen Samstag ein anderer Weg gewählt: Das Handwerk kam auf den Löffel. Mit „Joseph’s Eis“ wurde eine ungewöhnliche Eiskreation der Öffentlichkeit vorgestellt, die Genuss mit einer Botschaft verbinden will – mit der Wertschätzung für eine Berufs- und Lebenswelt, die für die Gesellschaft unverzichtbar ist und dennoch nicht immer die Aufmerksamkeit erhält, die ihr zusteht.
Schon die Atmosphäre bei der Vorstellung machte deutlich, dass die Idee auf Interesse stieß. Das Eiscafé Monte Carlo war für die Präsentation beinahe zu klein. Jeder Sitzplatz war besetzt, die Stimmung war ausgesprochen gut. Im Theater würde man wohl sagen: ausverkauftes Haus. Nur dass diesmal keine Bühne im klassischen Sinne auf die Besucher wartete, sondern eine Eistheke und eine Kreation, die sich erst beim Probieren vollständig erschloss.
Und dabei blieb es nicht bei einem wohlklingenden Namen. Man schmeckte deutlich Dattel, Mandel, Honig, Zimt, Zitrone und Veilchen heraus. Jeder einzelne Geschmack war dabei dezent gesetzt – nicht zu aufdringlich, aber auch nicht zu schwach. Die Rezeptur lebt gerade davon, dass keine der Zutaten die anderen überlagert. Die einzelnen Aromen treten hervor, ziehen sich wieder zurück und ergeben zusammen einen ungewöhnlichen, aber ausgewogenen Geschmack. Das Eis selbst wird damit zum praktischen Beispiel für einen Gedanken, der bei seiner Entwicklung immer wieder eine Rolle spielte: Handwerk bedeutet auch, das richtige Maß zu finden.
Dass diese Ausgewogenheit nicht dem Zufall überlassen wurde, zeigt der Blick auf die Entstehungsgeschichte. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung verging fast ein Jahr. Die Sommermonate waren dabei sowohl im Eiscafé als auch beim Entwicklungspartner arbeitsintensiv. Begonnen hatte alles zunächst eher scherzhaft. Nachdem der Eismacher dem Partner eine seiner Kreationen gezeigt hatte, entstand der Gedanke, gemeinsam ein eigenes Eis zu entwickeln. Aus einem zunächst beiläufigen Einfall wurde im Laufe der Zeit ein Projekt, das immer konkretere Formen annahm.
Die Entwicklung verlief in mehreren Etappen. Vor rund zwei Monaten entstand ein erster Prototyp. Dieser wurde zunächst unter der Bezeichnung „Dattel und Mandelkrokant“ im Eiscafé angeboten. Die Kunden reagierten positiv auf das Eis. Dass dahinter bereits die besondere Kreation steckte, die nun als „Joseph’s Eis“ vorgestellt wurde, durfte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht verraten werden. Der Arbeitstitel war Teil der Entwicklung – und zugleich ein kleines Geheimnis gegenüber den Gästen.
Die eigentliche Herausforderung lag jedoch nicht nur in der Auswahl ungewöhnlicher Zutaten. Speiseeis herzustellen, verlangt Erfahrung und Feinarbeit. Das Verhältnis der einzelnen Bestandteile entscheidet über Geschmack und Konsistenz. Wird beispielsweise zu wenig Zucker verwendet, kann das Eis zu hart werden. Bei zu viel Zucker wird es dagegen zu süß und kann gleichzeitig eine zu cremige Konsistenz bekommen. Deshalb gehört zum Eismachen das ständige Ausprobieren, Nachjustieren und Verändern der Rezeptur.
Für den Betreiber des Eiscafés ist das Eismachen entsprechend weniger ein Beruf als eine Passion. Er bezeichnet sich selbst als Eismacher oder Eismaker. Produziert wird in einer eigenen Manufaktur, zu der auch ein Eislabor im hinteren Bereich des Eiscafés gehört. Dort wurde an der Rezeptur gearbeitet, dort wurde ausprobiert und dort musste sich letztlich entscheiden, ob aus der Idee tatsächlich ein Eis werden konnte, das den eigenen Ansprüchen genügt.
Die Entwicklung war mit erheblichen Kosten verbunden. Umso wichtiger ist den Verantwortlichen, dass „Joseph’s Eis“ nicht als einmalige Aktion verstanden wird. Das Eis soll langfristig ein fester Bestandteil des Eiscafés bleiben. Auch in den Wintermonaten soll es angeboten werden, solange das Wetter einen Betrieb des Eiscafés zulässt. Damit bekommt die Präsentation eine andere Dimension: Es geht nicht lediglich um einen besonderen Tag und eine außergewöhnliche Vorstellung, sondern um den Versuch, aus einer Idee ein dauerhaftes Produkt zu machen.
Die Idee entstand ursprünglich aus einem viel gewöhnlicheren Vorhaben. Mergim Durmishi und Joseph Dehler wollten eine neue Eissorte entwickeln. Doch schon bald stellte sich die Frage, ob es wirklich darum gehen sollte, die 1001. Variante in die Eistheke zu stellen. Aus der Suche nach einer neuen Geschmacksrichtung entwickelte sich die Überlegung, ein Produkt mit einer Geschichte und einer gesellschaftlichen Aussage zu schaffen. Am Ende stand die Idee eines Eises, das nicht nur schmecken, sondern zugleich an den Wert handwerklicher Arbeit erinnern soll.
Der Name war dabei kein Zufall. Aus dem zunächst geplanten „Handwerker-Eis“ wurde „Joseph’s Eis“. Namensgeber ist der heilige Joseph, der Schutzpatron der Handwerkerinnen und Handwerker, insbesondere der Zimmerleute und Schreiner. Für Dehler kommt eine persönliche Ebene hinzu. Sein bereits verstorbener Großvater Bonaventura war dem heiligen Joseph besonders verbunden. So verbindet sich in dem Namen religiöse Tradition mit einer persönlichen Erinnerung und mit dem Anliegen, das Handwerk in den Mittelpunkt zu stellen.
Auch die Rezeptur folgt diesem Gedanken. Dattel, Mandel, Honig, Zimt, Zitrone und Veilchen bilden die Grundlage der Eiskreation. Es handelt sich um Zutaten, die bereits zu Lebzeiten des heiligen Joseph im ersten Jahrhundert eine Rolle gespielt haben sollen. Aus historischen Bezügen wurde eine moderne Eissorte, die damit bewusst eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt. Auch das Erscheinungsbild nimmt das Thema auf: Der bärtige heilige Joseph wird als handwerklicher Eismacher dargestellt.
Dass aus einer Idee tatsächlich ein fertiges Produkt wurde, war damit keineswegs mit einem Nachmittag im Eislabor erledigt. Drei Monate lang wurde auf einer kleinen Laboreismaschine gearbeitet. Es folgten geheime Tests und anschließend die Übertragung auf eine professionelle Eismaschine. Geschmackstests mit Kunden einer befreundeten Eismanufaktur in Karlstadt am Main sowie weitere Versuche im Eislabor des Eiscafés Monte Carlo gehörten ebenfalls zur Entwicklung. Die nun fast einjährige Entstehungsgeschichte zeigt dabei ziemlich genau, was das Projekt vermitteln möchte: Eine Idee allein reicht nicht. Zwischen Einfall und Ergebnis liegen Erfahrung, Geduld, Versuch und handwerkliches Können.
„Mit dem Joseph’s Eis ist nicht einfach nur ein Werbeslogan oder eine Kampagne für das Handwerk entstanden, sondern eine Eiskreation, die Genuss mit einer gesellschaftlichen Botschaft verbindet“, sagt Mergim Durmishi vom Eiscafé Monte Carlo. Der Satz beschreibt ziemlich genau den Anspruch des Projekts. Es geht nicht allein um ein neues Produkt, sondern um die Frage, wie sich Wertschätzung für das Handwerk überhaupt vermitteln lässt. Und vielleicht ist gerade die ungewöhnliche Form ein Teil der Antwort.
Denn die Diskussion über das Handwerk wird häufig aus der Perspektive des Mangels geführt. Es fehlen Mitarbeiter, es fehlt Nachwuchs, Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, während zugleich die Akademisierung der Gesellschaft zunimmt. Joseph Dehler entwickelte die Idee für eine eigene Eismarke auch vor diesem Hintergrund. Die Frage war, wie ein Eis aussehen und schmecken könnte, das für Wertschätzung des Handwerks steht. Die Antwort fällt nun ungewöhnlich aus: süß, aromatisch, historisch aufgeladen und bewusst mit dem Namen eines Schutzpatrons verbunden.
Bei der Vorstellung von „Joseph’s Eis“ wurde dieser Gedanke auch in den Ansprachen von Obermeister der Zimmererinnung Dietmar Dimmerling und Fuldas Stadtpfarrer Buß aufgegriffen. Beide stellten den heiligen Joseph als Patron des Handwerks und als Vorbild für die Gegenwart in den Mittelpunkt. Die gemeinsame Ausgangsfrage lautete: Wie kann dem Handwerk wieder eine größere Wertschätzung entgegengebracht werden?
Die Antwort darauf erschöpft sich nicht in der Feststellung, dass das Handwerk ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Handwerk bedeutet Können, Kreativität, Erfahrung und Verantwortung. Es bedeutet, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, das Bestand hat. Gerade darin liegt eine Qualität, die in einer Gesellschaft, in der vieles zunehmend digital, abstrakt und theoretisch organisiert wird, leicht aus dem Blick geraten kann. Wer etwas mit den eigenen Händen herstellt, muss sich am Ergebnis messen lassen. Ein Werkstück, ein Gebäude, ein Möbelstück, eine Reparatur oder auch ein Lebensmittel sprechen letztlich für sich selbst.
Der heilige Joseph steht in dieser Betrachtung für einen Menschen, der nicht durch große Reden bekannt geworden ist. Der Zimmermann von Nazareth erscheint in der christlichen Tradition vielmehr als Mann der Tat. Im Evangelium ist kein einziges Wort von ihm überliefert. Und doch ist sein Leben von Arbeit, Verantwortung und Fürsorge geprägt. Er arbeitete, sorgte für seine Familie, übernahm Verantwortung und tat, was getan werden musste.
Gerade diese Zurückhaltung macht ihn als Symbol für das Handwerk interessant. In einer Zeit, in der vieles über Sichtbarkeit, Selbstvermarktung und öffentliche Aufmerksamkeit funktioniert, steht Joseph für eine andere Form von Wert. Gutes Handwerk muss nicht laut sein. Es überzeugt durch seine Qualität. Wer handwerklich arbeitet, weiß zudem, dass nicht alles sofort entsteht. Erfahrung muss erworben werden, Fähigkeiten müssen erlernt und Abläufe immer wieder geübt werden. Qualität braucht Zeit.
Damit wird der heilige Joseph auch zu einem Gegenbild zu einer Vorstellung, nach der beruflicher Erfolg vor allem über akademische Bildungswege definiert wird. Eine Ausbildung im Handwerk ist nicht lediglich eine Alternative zu anderen Bildungswegen. Sie vermittelt Fähigkeiten, die ein Mensch ein Leben lang mit sich tragen kann. Sie ermöglicht Kreativität und Selbstständigkeit und bietet eine Erfahrung, die in einer zunehmend abstrakten Arbeitswelt keineswegs selbstverständlich ist: Am Ende eines Arbeitstages sehen zu können, was man geschaffen hat.
Dass diese Perspektive für Joseph Dehler mehr als eine Werbebotschaft ist, hängt mit seinem eigenen beruflichen Weg zusammen. Bereits mit 14 Jahren begann er eine handwerkliche Ausbildung. Als Koch im damaligen Hotel zum Kurfürsten in Fulda und später in der Patisserie der Hotelfachschulen am Tegernsee gehörte die Herstellung von Konditorei-Eis zu seinen bevorzugten Tätigkeiten. Bekannt sein dürfte Dehler zudem aus dem ehemaligen Fuldaer Altstadtcafé MandelRose®, wo er ausgewählte Speiseeissorten entwickelte.
Seine Biografie liefert damit eine naheliegende Verbindung zwischen dem Produkt und der Botschaft. Wer das Handwerk stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken will, muss es nicht zwangsläufig erklären. Man kann auch zeigen, was handwerkliches Können hervorbringen kann. In diesem Fall ist das Ergebnis ein Eis, dessen Rezeptur ebenso bewusst gewählt wurde wie sein Name und sein Erscheinungsbild.
Das Handwerk, das in den Ansprachen gewürdigt wurde, ist dabei nicht nur dann relevant, wenn etwas kaputtgegangen ist. Es gestaltet den Alltag. Häuser werden gebaut, Möbel gefertigt, Autos repariert, Heizungen installiert und Lebensmittel hergestellt. Handwerkerinnen und Handwerker schaffen, erhalten und reparieren Dinge, die das Leben unmittelbar prägen. Oft wird ihre Bedeutung allerdings erst dann sichtbar, wenn ihre Leistung nicht verfügbar ist.
Gerade deshalb führt die Debatte über den Nachwuchs im Handwerk über reine Arbeitsmarktpolitik hinaus. Es geht auch um die Frage, welchen Stellenwert eine Gesellschaft unterschiedlichen Formen von Arbeit beimisst. Wenn handwerkliche Fähigkeiten zwar dringend gebraucht, gesellschaftlich aber weniger prestigeträchtig wahrgenommen werden, entsteht ein Widerspruch, der sich nicht allein durch Kampagnen auflösen lässt. Wertschätzung muss sich auch darin zeigen, welchen Stellenwert berufliche Bildung, Können und praktische Erfahrung tatsächlich besitzen.
Der heilige Joseph wird in diesem Zusammenhang zum Symbol für Bescheidenheit, Geduld und Verantwortung. Gutes Handwerk braucht keine große Inszenierung, sondern Qualität. Es braucht Geduld, weil nicht alles auf Anhieb gelingt. Und es braucht Verantwortung, weil der Handwerker und die Handwerkerin am Ende für das eigene Werk einstehen.
Diese Gedanken sind auch in der ungewöhnlichen Eiskreation enthalten. „Joseph’s Eis“ erzählt eine Geschichte von Handwerk, Tradition, hochwertigen Zutaten, Kreativität und Können. Es verbindet eine religiöse Figur mit einem modernen Produkt und versucht auf diese Weise, eine gesellschaftliche Diskussion aus einer ungewohnten Perspektive zu betrachten. Nicht als abstrakte Debatte über Ausbildungszahlen oder Fachkräftemangel, sondern als konkrete Erfahrung, die sich buchstäblich schmecken lässt.
Obermeister Dietmar Dimmerling stellte dabei die Frage nach der Wertschätzung des Handwerks ausdrücklich in den Mittelpunkt. Handwerk, so die Botschaft, ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Es bedeutet, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, das Bestand hat. Fuldas Stadtpfarrer Buß griff denselben Gedanken auf und stellte den heiligen Joseph als Patron der Handwerkerinnen und Handwerker sowie als Vorbild für unsere Zeit heraus.
In beiden Ansprachen wurde zugleich ein Gedanke deutlich, der über die Eiskreation hinausweist: Eine Gesellschaft braucht Menschen, die nicht nur über Zukunft sprechen, sondern sie gestalten. Menschen, die etwas können und etwas tun. Menschen, die Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten einsetzen, um etwas zu schaffen, das anderen dient.
Das ist vielleicht die eigentliche Pointe von „Joseph’s Eis“. Die Eiskreation will nicht behaupten, dass eine neue Sorte Speiseeis den Fachkräftemangel im Handwerk lösen könnte. Sie setzt an einer anderen Stelle an: bei der Wahrnehmung. Wer über Handwerk spricht, spricht häufig über Probleme. Das Eis versucht, über seine Attraktivität einen anderen Zugang zu schaffen. Es macht aus einer gesellschaftlichen Botschaft ein Produkt und aus einer abstrakten Forderung eine konkrete Erfahrung.
Ob diese Idee trägt, wird sich zeigen. Zunächst aber ist aus der ursprünglichen Überlegung, eine neue Eissorte zu entwickeln, tatsächlich etwas anderes geworden: eine kleine Marke mit einer Geschichte. Eine Geschichte, die den heiligen Joseph, persönliche Erinnerung, handwerkliche Tradition und die Suche nach neuen Wegen der Wertschätzung miteinander verbindet.
An diesem Samstag wurde „Joseph’s Eis“ erstmals öffentlich vorgestellt und verkostet. Durmishi und Dehler hoffen, dass sich in der Kreation auch jene Eigenschaften wiederfinden, für die der heilige Joseph stehen soll: Zuverlässigkeit, Tatkraft, Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Eine verpackte Variante des Eises wird bereits überlegt und könnte mit einem geeigneten Partnerbetrieb umgesetzt werden.
Ob das Eis künftig auch an anderen Standorten angeboten oder für eine Expansion genutzt werden soll, ist derzeit noch offen. Zunächst wird „Joseph’s Eis“ ausschließlich im Eiscafé Monte Carlo erhältlich sein. Auch eine mögliche Präsentation auf der Handwerksmesse wird noch geprüft. Damit bleibt der nächste Schritt bewusst offen. Fest steht zunächst nur, dass das Eis in Fulda seinen Ausgangspunkt hat und dort seinen festen Platz bekommen soll.
Die Verantwortlichen wollen es ausdrücklich nicht bei einer einmaligen Aktion belassen. Die Entwicklung war mit erheblichen Kosten verbunden, und gerade deshalb soll das Produkt langfristig Bestand haben. Auch in den Wintermonaten soll „Joseph’s Eis“ angeboten werden, solange das Wetter einen Betrieb des Eiscafés zulässt. Aus einer Idee, die zunächst beinahe beiläufig und scherzhaft entstand, ist damit ein Produkt geworden, das bleiben soll.
Vielleicht liegt gerade in dieser Verbindung die Stärke des Projekts. Das Handwerk braucht nicht nur Nachwuchs, sondern auch eine Sprache, in der seine Bedeutung verstanden wird. Es braucht Anerkennung für diejenigen, die aus einer Idee ein Ergebnis machen. Und es braucht die Erinnerung daran, dass Fähigkeiten nicht allein auf dem Papier existieren, sondern durch Übung, Erfahrung und Arbeit entstehen.
Die Herstellung des Eises liefert dafür beinahe die passende Metapher. Ein paar Zutaten zusammenzurühren genügt nicht. Zucker muss richtig dosiert werden, damit das Eis weder zu hart noch zu süß und zugleich zu cremig wird. Aromen müssen aufeinander abgestimmt werden. Die richtige Konsistenz muss gefunden werden. Es braucht Versuche, Korrekturen und Erfahrung. Genau darin liegt der Kern handwerklicher Arbeit: Das Ergebnis entsteht nicht allein aus einem Rezept, sondern aus dem Wissen darüber, wie man mit einem Rezept umgeht.
Die Hände eines Handwerkers und einer Handwerkerin sind deshalb mehr als Werkzeuge. Sie stehen für Können, Erfahrung und Kreativität. Der heilige Joseph wird in der Tradition als jemand verstanden, der genau dafür steht: für die Arbeit, die nicht unbedingt im Mittelpunkt steht, aber notwendig ist; für Verantwortung, die nicht immer öffentlich belohnt wird; und für eine Haltung, die weniger vom Reden als vom Handeln geprägt ist.
So bekommt die Botschaft am Ende eine ungewöhnlich einfache Form. „Joseph’s Eis“ soll daran erinnern, dass gute Dinge Zeit brauchen, dass Qualität ihren Wert hat und dass Tradition und Kreativität durchaus zusammengehören. Vor allem aber soll es den Blick auf diejenigen lenken, die mit ihren Händen arbeiten.
Und vielleicht war die dicht besetzte Atmosphäre im Eiscafé Monte Carlo an diesem Samstag dafür ein passendes Bild. Jeder Sitzplatz war besetzt, die Stimmung war gut, und eine Kreation, die fast ein Jahr Entwicklungszeit hinter sich hatte, wurde zum ersten Mal öffentlich verkostet. Im Theater würde man sagen: ausverkauftes Haus. Nur dass hier keine Inszenierung auf der Bühne stand, sondern ein Eis auf dem Tisch, dessen Geschichte weit über seine Zutaten hinausreichen soll.
Man schmeckte Dattel, Mandel, Honig, Zimt, Zitrone und Veilchen. Keiner dieser Geschmäcker drängte sich auf, keiner verschwand völlig. Jeder war dezent, aber deutlich wahrnehmbar. Vielleicht ist genau das die schönste Beschreibung für das Anliegen hinter „Joseph’s Eis“: Es will nicht laut sein. Es will einen Gedanken setzen, ohne ihn aufzudrängen.
Das ist mehr als eine ungewöhnliche Idee für eine Eissorte. Es ist ein Versuch, eine alte Frage auf neue Weise zu stellen: Was ist uns das Handwerk eigentlich wert? Die Antwort darauf lässt sich nicht allein in Sonntagsreden geben. Sie muss sich auch darin zeigen, wie junge Menschen auf eine Ausbildung blicken, wie berufliches Können gesellschaftlich bewertet wird und wie selbstverständlich wir diejenigen wahrnehmen, die unser tägliches Leben praktisch möglich machen.
Wenn das „Joseph’s Eis“ dabei einen kleinen Beitrag leisten kann, hat es seinen Zweck bereits erfüllt. Dann wäre die Eiskreation tatsächlich mehr als eine weitere Sorte in einer Eistheke. Sie wäre eine Einladung, über Arbeit, Können und Wertschätzung neu nachzudenken. Und vielleicht ist es gar kein schlechter Gedanke, dass diese Erinnerung ausgerechnet über den Geschmack funktioniert: Dattel, Mandel, Honig, Zimt, Zitrone und Veilchen – dezent, ausgewogen und doch deutlich genug, um im Gedächtnis zu bleiben.
Handwerk hat Geschmack. Handwerk hat Zukunft. Und Handwerk verdient Wertschätzung. +++















Hinterlasse jetzt einen Kommentar