Hochschule Fulda vergab neben DAAD-Preis erstmals auch Sonderpreis

Zwei Studentinnen aus Afghanistan und dem Iran sind gestern im Rahmen der Erstsemester-Begrüßung im Fuldaer Stadtschloss für ihr jeweils herausragendes Engagement ausgezeichnet worden. Zusätzlich zum alljährlich verliehenen DAAD-Preis wurde erstmals auch ein Sonderpreis der Hochschule Fulda vergeben. Beide Preise sind mit je 1.000 Euro dotiert. Seit 1997 ehrt der DAAD-Preis international Studierende für ihre herausragenden Studienleistungen und besonderes gesellschaftliches Engagement. In diesem Jahr ging der DAAD-Preis an Nahid Rauf. Der Sonderpreis der Hochschule wurde an Tania Rahmati vergeben.

Nahid Rauf wurde in Afghanistan geboren und studiert an der Hochschule Fulda das Fach „Global Health“ am Fachbereich Gesundheitswissenschaften. In ihrer Heimat hatte sie bereits fünf Jahre Medizin studiert. Dann verbot das Taliban-Regime Frauen den Hochschulbesuch. Rauf setzte ihre akademische Laufbahn in Fulda fort. Neben ihrem Studium nimmt sie Aufgaben als studentische Hilfskraft, Mentorin und Jahrgangssprecherin für internationale Studierende wahr. Darüber hinaus schuf sie mit „Blue as the Sky“ eine multimediale Ausstellung mit Erzählungen, Fotografien und Texten afghanischer Mädchen und Frauen. Die Ausstellung war Anfang 2026 auf dem Campus zu sehen und wandert nun weiter nach Bonn und Konstanz.

Tania Rahmati wurde in Teheran geboren und studierte dort zunächst Rechtswissenschaften. Sie machte die Erfahrung, dass Frauen im Iran weit weniger Rechte haben als Männer, was ihr Interesse an den Rechtswissenschaften verstärkte. Seit dem Wintersemester 2024/25 studiert sie an der Hochschule Fulda den Masterstudiengang „Human Rights Studies in Politics, Law and Society“ am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften. Neben ihrem Studium organisiert Rahmati am Fachbereich internationale Praktika. Darüber hinaus setzt sie sich für Veranstaltungen zur Lage in ihrem Heimatland ein. Tätigkeiten bei der Amnesty-International-Hochschulgruppe und bei dem Verein „Wohnzimmer“ ergänzen ihr Engagement. Seit Mai 2026 arbeitet sie ehrenamtlich als Legal Trainee beim European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR).

Im Januar 2023 organisierte sie vor dem Hintergrund der „Frauen, Leben, Freiheit“-Bewegung in Ungarn eine Ausstellung über Menschenrechtsverletzungen im Iran. Gemeinsam mit ukrainischen Aktivistinnen und Aktivisten protestierte sie gegen die iranische Unterstützung Russlands. Den Preis dafür bezahlt sie bis heute: Eine Reise in den Iran ist ihr seither nicht möglich. Nach ihrem Abschluss, den sie voraussichtlich in 2027 erlangen werde, will sich Rahmati für eine Promotion an der Hochschule Fulda bewerben. Ihr Thema soll nach eigenen Aussagen die iranische Staatsordnung aus rechtswissenschaftlicher Sicht sein.

Die unabhängige Jury war in diesem Jahr mit der schwierigen Situation konfrontiert, dass es in diesem Jahr zwei ebenbürtige Kandidatinnen gab, die beide gleichermaßen den DAAD-Preis verdient hätten. Daher vergab die Hochschule mit Unterstützung des Fördervereins einen zweiten, gleichwertigen Sonderpreis der Hochschule. „Wir ehren damit nicht nur ausgezeichnete akademische Leistungen, sondern auch Persönlichkeiten, die sich mutig und beispielgebend für die Rechte von Frauen in ihren Heimatländern einsetzen“, stellte Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar, der ein letztes Mal als Präsident einer DAAD-Preisverleihung beiwohnte, in seiner Laudatio heraus.

Die beiden Preisträgerinnen stellten in ihren Dankesreden die Werte des freiheitlich-demokratischen Systems heraus, die sie als „großes Privileg“ empfinden. Ein Privileg, das vielen jungen Menschen in autoritären Staaten und Diktaturen leider verwehrt bleibe.
Die Begrüßung der Erstsemesterstudierenden durch die Stadt Fulda wurde von Bürgermeister Dag Wehner (CDU) vorgenommen. +++


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