Angesichts der bevorstehenden Hitzewelle wächst der Druck auf Bund und Kommunen, den Schutz obdachloser Menschen deutlich auszubauen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Sozialverband Deutschland (SoVD), der Sozialverband VdK und die Linkspartei warnen vor den gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen und fordern zusätzliche Maßnahmen, um besonders gefährdete Menschen besser zu schützen.
Nach Einschätzung des Deutschen Roten Kreuzes sind obdachlose Menschen der Hitze in besonderem Maße ausgesetzt. Während sich die meisten Menschen in ihre kühlen Wohnungen zurückziehen könnten, gelte das für Menschen ohne festen Wohnsitz nicht, sagte eine DRK-Sprecherin der „Rheinischen Post“. Viele von ihnen seien der Sonne schutzlos ausgeliefert und häufig bereits gesundheitlich geschwächt.
Das DRK fordert deshalb, dass Städte und Kommunen im Sommer kühle Aufenthaltsorte bereitstellen oder öffentliche Trinkbrunnen installieren. Davon würden nicht nur obdachlose Menschen, sondern die gesamte Bevölkerung profitieren. Zugleich müssten für wohnungslose Menschen auch in den Sommermonaten ausreichend Unterkünfte und Aufenthaltsräume mit angeschlossener Beratung zur Verfügung stehen. Nach Einschätzung des Verbandes reicht die staatliche Finanzierung in vielen Regionen dafür bislang nicht aus. Zahlreiche Angebote würden nach wie vor nur während der kalten Jahreszeit betrieben.
Auch der Sozialverband Deutschland sieht Handlungsbedarf. Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier sprach sich für eine stärkere Aufklärung über die Gesundheitsrisiken extremer Hitze aus. Benötigt würden niedrigschwellige Informationsangebote sowie konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Hitzeschutzkompetenz in Kitas, Pflegeeinrichtungen und Schulen. Gerade bei besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen sei die Informationslage häufig unzureichend. Viele Menschen wüssten nicht, wie sie sich wirksam vor großer Hitze schützen könnten.
Ähnliche Forderungen erhebt die Linkspartei. Bundesgeschäftsführer Janis Ehling bezeichnete Hitzewellen gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ als sozialen Notfall. Wenn die Bundesregierung nicht endlich handle, nehme sie gesundheitliche Schäden und Todesfälle billigend in Kauf. Er forderte einen flächendeckenden Zugang zu Trinkwasser, Sonnencreme und Schutzangeboten im öffentlichen Raum. Wer Menschenleben schützen wolle, müsse in Kommunen, soziale Infrastruktur und Hitzeschutz investieren. Das Geld dafür sei vorhanden, sagte Ehling. Solange große Vermögen und Konzerne geschont würden, fehle es jedoch aus seiner Sicht genau dort an Mitteln, wo es um Gesundheit und Menschenleben gehe.
Auch der Sozialverband VdK warnt vor den Gefahren hoher Temperaturen. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte, extreme Hitze könne ebenso tödlich sein wie extreme Kälte. Dieses Bewusstsein sei bei vielen Verantwortlichen bislang nicht ausreichend ausgeprägt. Menschen ohne festen Wohnsitz benötigten Zugang zu sicheren, gekühlten Unterkünften sowie zu sauberem und kühlem Wasser. Städtische Trinkbrunnen könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Nach Ansicht Benteles sollten bestehende Anlagen dringend auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft und in den kommenden Monaten zusätzliche Trinkbrunnen errichtet werden. +++
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