Henning Scherf zu Gast bei der Bürgerstiftung Großenlüder

„Gemeinsam statt einsam“: Aus dem Leben der berühmten Bremer WG

Jürgen Bien (1. Vorsitzende der Bürgerstiftung), Klaus Schönherr (2. Vorsitzende der Bürgerstiftung), Henning Scherf, Silvia Hillenbrand, Heike Münker, Werner Leistner und der Kuratoriumsvorsitzende der Bürgerstiftung Großenlüder, Karl-Heinz Buus. (v.l.) Bild: Privat

„Gemeinsam statt einsam“, der Vortragstitel von Henning Scherf, dem hierzulande gewiss populärsten WG-Bewohner, beschreibt, was sich viele Menschen vor allem auch für ihr ihr Alter wünschen. Und nach den höchst unterhaltsamen Einblicken in seine Wohn- und Lebenssituation, mag sich mancher im Lüderhaus Großenlüder gedacht haben: Es muss ein Vergnügen sein, mit diesem klugen, vitalen, humorvollen und liebenswerten 80-jährigen Menschen zusammen zu wohnen.

Wie Henning Scherf, von 1995 bis 2005 Bremer Bürgermeister, und seine Frau Luise vor 32 Jahren ein neues Kapitel ihrer Lebensgeschichte aufschlugen, ist auch in heutigen Zeiten noch ungewöhnlich. Die beiden, damals noch keine 50 Jahre alt, kauften gemeinsam mit Freunden ein Haus in der Bremer Innenstadt und lebten fortan zu zehnt unter einem Dach – aber jeder mit eigener Wohnung. „Doch geschlossen sind die Türen seitdem eigentlich noch nie gewesen“, sagte Scherf.

Das Experiment ist geglückt und für viele ein erstrebenswertes Zukunftsmodell geworden. Woran es lag, dass es so gutging und -geht, das konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer aus nahezu jedem Satz erkennen: Die Zehn wohnen zusammen, aber eben nicht nur. Ihr Wohnkonzept ist vielmehr ein Lebenskonzept: Menschen zu nehmen wie sie sind, nicht an Wohlstand oder Ruhm zu messen, sondern an ihrem Herzen, langmütig zu sein und manchmal auch Demut zu zeigen, Nähe zu empfinden und gleichermaßen Grenzen zu respektieren. Was er damit meinte, wurde sehr rasch deutlich bei Scherfs heiteren Anekdoten, aber vor allem bei den schweren, den tragischen Momenten, die manchmal Jahre überdauerten. „Schon bald nach unserem Start begleiteten wir eine Freundin in den Tod. Tag und Nacht ließen wir sie nicht allein“, sagte er und schilderte eindrücklich, dass jeder dies auf seine Weise tat, wie sehr es alle miteinander verband und wie das Sterben zu ihrem gemeinsamen Leben gehörte.

Doch Hennig Scherf berichtete nicht nur leidenschaftlich und voller Vergnügen aus seinem Leben, er nutzte das große Interesse der Menschen daran auch für Appelle, gleichermaßen an Junge und Alte und (Lokal-)Politiker. Gemeinsame Erfahrungen von Jung und Alt sind für ihn wesentliches Schmiermittel der Gesellschaft. „Viele Millionen Menschen sind allein, Junge wie Alte, und es braucht Menschen, die in der Lage und bereit sind, auf andere zuzugehen, sich zu kümmern und Vertrauen aufzubauen“, sagte er. Großes Potenzial sieht er vor allem auch in den Frauen und Männern seiner Generation. „Ich bin glücklich, dass ich in einer Zeit alt werden kann, in der so viele Leute mit mir zusammen alt werden. Und viele wollen und können auch etwas bewegen“, sagte er und erklärte: „Überall, wo es uns gelingt, dass Ältere und Jüngere regelmäßig miteinander zu tun haben, verschaffen wir beiden großartige Erfahrungen: Kinder fühlen sich beschützt, Eltern werden entlastet, Ältere fühlen sich gebraucht und gewinnen an Fröhlichkeit. Wir sind eine Chance für die Zivilgesellschaft.“ +++ pm

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