Handelsstreiks in Hessen vor dritter Tarifrunde

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Die Tarifauseinandersetzung im hessischen Groß- und Einzelhandel geht in eine entscheidende Phase. Mit einem zweitägigen Streik ab Freitag, dem 5. Juni 2026, bis einschließlich Samstag, dem 6. Juni 2026, will die Gewerkschaft ver.di den Druck auf die Arbeitgeber vor den bevorstehenden dritten Verhandlungsrunden deutlich erhöhen. Die Arbeitsniederlegungen sind Teil bundesweiter Aktionen im Handel, zu denen nach Angaben der Gewerkschaft tausende Beschäftigte erwartet werden.

Aus Sicht von ver.di reichen die bislang vorgelegten Angebote der Arbeitgeber nicht aus, um die Einkommensentwicklung der Beschäftigten abzusichern. „Wir erhöhen mit Blick auf die bevorstehenden dritten Verhandlungsrunden in beiden Handelsbranchen den Druck auf die Arbeitgeber. Das ist nötig, denn bisher sind die Angebote unzureichend. Sie bedeuten sowohl im Groß- als auch im Einzelhandel weiteren Reallohnverlust“, erklärt Marcel Schäuble, ver.di-Verhandlungsführer für den Handel in Hessen. Neben vorgesehenen Nullmonaten sei im Großhandel für das erste Jahr der Laufzeit eine Lohnsteigerung von 1,8 Prozent und im Einzelhandel von 2 Prozent vorgesehen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft liege dieses Tarifangebot damit deutlich unter der prognostizierten Inflationsrate.

Der Konflikt berührt einen grundlegenden Streitpunkt vieler Tarifrunden: die Frage, wie wirtschaftliche Entwicklung und Einkommenszuwächse verteilt werden. Während die Arbeitgeber auf ihre Angebote verweisen, argumentiert ver.di mit der wirtschaftlichen Lage der Branche. Nach Angaben der Gewerkschaft stieg der Umsatz im Großhandel im Jahr 2025 um 6,4 Prozent, im Einzelhandel um 5 Prozent. Vor diesem Hintergrund hält Schäuble die vorgelegten Angebote für unangemessen. Die Beschäftigten seien es, die den täglichen Betrieb der Unternehmen sicherstellten und wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg beitrügen.

Besonders kritisch bewertet die Gewerkschaft die finanzielle Situation vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Handel. Steigende Ausgaben für Miete, Energie und Lebensmittel führten dazu, dass für zahlreiche Beschäftigte kaum finanzielle Spielräume verblieben. Größere Anschaffungen, zusätzliche Absicherungen im Krankheitsfall oder Maßnahmen zur Altersvorsorge seien für viele nur eingeschränkt möglich. Vor diesem Hintergrund wertet ver.di die bisherigen Angebote nicht als Ausdruck von Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten.

In Hessen sollen sich am bundesweiten Aktionstag Beschäftigte aus verschiedenen Unternehmen und Regionen beteiligen. Geplant sind regionale Streikaktivitäten in Nordhessen, im Raum Frankfurt, in Wiesbaden sowie in Südhessen. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft unter anderem Beschäftigte von Rewe, Penny, Metro, Kaufland, IKEA, Douglas, H&M, Zara und Primark. ver.di rechnet mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Hessen.

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten im Groß- und Einzelhandel eine Erhöhung der Entgelte um 250 Euro pro Monat in jeder Entgeltgruppe. Für Auszubildende verlangt sie eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 150 Euro pro Ausbildungsjahr. Zudem strebt ver.di eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten an.

Mit den angekündigten Streiks verschärft sich der Ton in einer Tarifrunde, die längst über die Frage einzelner Prozentpunkte hinausweist. Im Kern geht es um die Bewertung von Arbeit in einer Branche, die auf verlässliche Abläufe und hohe personelle Belastbarkeit angewiesen ist. Ob die bevorstehenden Verhandlungen einen Kompromiss ermöglichen oder die Auseinandersetzung weiter eskaliert, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie weit Arbeitgeber und Gewerkschaft bereit sind, ihre gegensätzlichen Vorstellungen über die Verteilung wirtschaftlicher Spielräume aufeinander zuzubewegen. +++


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